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Esse, Hammer, Amboß.. Schmiedetechniken in der Experimentellen Archäologie

von Matthias Reinauer - 27.11.2001

Versuche mit Eisenprodukten aus Experimenten zum Rennofenprozeß

Viele Schmiedeversuche werden im Anschluß an Experimente zur Eisenverhüttung durchgeführt. Die bei der Verhüttung entstehenden Erzeugnisse variieren je nach Einsatz von Erz, Ofentyp und Verfahren. Die Verwendbarkeit des entstandenen Rohmaterials, der Eisenluppe, kann neben einer metallkundlichen Untersuchung auch durch die Anwendung verschiedener Schmiedetechniken getestet werden. Nicht selten konnten auf diese Weise Fehler beim Verhüttungsexperiment verdeutlicht werden. Teilweise lag die Schwierigkeit bei der Verdichtung der sehr inhomogenen Eisenluppe mittels der erforderlichen Temperaturen und dem notwendigen Druck (zwischen Hammer und Amboß). Die im Experiment hergestellte Eisenluppe zerfiel unter dem Hammer in noch kleinere Teile, anstatt sich zu einer Einheit zusammenzufügen.
Damaststäbe

Durch Feuerverschweißung hergestellte und anschließend tordierte Damaststäbe. (weitere Angaben in Tafelansicht) (Foto: M. Reinauer)
Durch Feuerverschweißung hergestellte und anschließend tordierte Damaststäbe. (weitere Angaben in Tafelansicht) (Foto: M. Reinauer)

Gelingt es aus der Eisenluppe einen ausreichend festen Barren zu schmieden, sollten Versuche mit mehrfachen Feuerschweißungen folgen, da ein einmaliges Gelingen noch keine volle Brauchbarkeit für stark beanspruchte Gegenstände, wie z.B. Werkzeuge, garantieren. Erfahrungsgemäß zeigt sich erst nach mehreren Schweißgängen wie tauglich ein Rohstoff für die Erzeugung großer oder gezielt zusammengesetzter Objekte ist, weil sich unvollständig gelungene Schweißnähte nach weiteren Arbeitsschritten lösen können und unter Umständen die Fertigstellung vereiteln. Eine Feuerschweißung geht grundsätzlich immer mit einer starken Verformungen einher, so daß Nachschweißungen mißglückter Verbindungen nur begrenzt möglich sind. Tritt beispielsweise ein Schweißfehler bei einer nahezu fertig geformten, damaszierten Klinge auf, kann es sein, daß eine zu geringe Materialstärke eine Nachschweißung nicht mehr zuläßt. In einem solchen Fall muß die Klinge als Ausschuß oder zumindest von stark minderer Qualität angesehen werden (auch bei Funden nachgewiesen).
Saxklinge

Angelsächsische damaszierte Saxklinge. (weitere Angaben in der Tafelansicht) (Foto: archaeomedia)
Angelsächsische damaszierte Saxklinge. (weitere Angaben in der Tafelansicht) (Foto: archaeomedia)

Weitere Möglichkeiten der Materialprüfung wären das Schmieden zu einem dünnen Blech, das verdrehen (tordieren) von Vierkantstäben sowie Biege- und Bruchversuche, um die Sprödigkeit und die Rissanfälligkeit zu bestimmen. So sind in der Abbildung am mittleren Stab bei der Torsion aufgetretene Risse zu erkennen, welche am Ende des Stabes für die Einschnürung und den entstandenen Bruch verantwortlich sind. Handelt es sich bei dem Eisenwerkstoff um Kohlenstoffstahl (Eisen mit ca. 0,5-1,3% Kohlenstoffgehalt) wird er sich durch größeren Verformungswiderstand beim Schmieden und die Eigenschaft der Härtbarkeit ausweisen.