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Esse, Hammer, Amboß.

Schmiedetechniken in der Experimentellen Archäologie

27.11.2001
Schmiedevorführung des Autors. Auschmieden eines schon feuerverschweißten Eisen-Stahl-Packetes. (Foto: M. Reinauer)
Schmiedevorführung des Autors. Auschmieden eines schon feuerverschweißten Eisen-Stahl-Packetes. (Foto: M. Reinauer)

Ähnlich wie bei vielen organischen Artefakten ist der erhaltungsbedingte Zustand eiserner archäologischer Objekte stark in Mitleidenschaft gezogen. Um einen Eindruck bezüglich des Aussehens, der Funktion, bzw. Tauglichkeit und des Herstellungsaufwandes zu gewinnen, bietet sich die experimentelle Archäologie an. Bei dem Versuch archäologisch relevante Eisenbearbeitungstechniken nachzuvollziehen vermischen sich rekonstruktive und experimentelle Herangehensweise in z.T. starkem Maße. Dies reicht von der Nachahmung dekorativer Schmiedemuster aus Plastilin zur grundsätzlichen Klärung eines Herstellungsverfahrens bis zur nahezu originalgetreuen experimentellen Rekonstruktion zum Zwecke wissenschaftlicher Beobachtung unter Einbeziehung archäologisch nachgewiesener Werkzeuge, Werkstätten und Materialien (Eisenwerkstoffe, Brennstoffe etc.). Darüber hinaus können die gewonnenen Erfahrungen und Ergebnisse einem interessierten Publikum durch Handwerkvorführungen oder die Präsentation der gefertigten Erzeugnisse inklusive der Herstellungsschritte, Zwischen- und Abfallprodukte zugänglich gemacht werden.

Voraussetzung

Nach der sach- und fachgerechten Bergung eiserner Artefakte erfolgt die Restaurierung zur Konservierung der überlieferten Substanz. Je nach angewandtem Restaurierungsverfahren können schon erste Erkenntnisse bezüglich der verwendeten Materialien, der Herstellungstechnik oder der Originaloberfläche gewonnen werden. Erfolgt keine angemessene Restaurierungsmethode, beispielsweise der Einsatz hoher Temperaturen bei Schneidwaren, besteht die Gefahr, daß bei späteren Untersuchungen einige Herstellungsverfahren die für die Qualität eines geschmiedeten Objektes mit entscheidend sind, nicht mehr festgestellt werden können. Da bei Schmiedeerzeugnissen die Art der eingesetzten Herstellungstechniken und Eisenwerkstoffe nach erfolgter Restaurierung oft nicht zu ermitteln sind, ist zur Klärung dieser Aspekte eine metallkundliche Untersuchung erforderlich. Abhängig von der Fragestellung können eine Vielzahl von Methoden kombiniert werden. Viele Untersuchungen, zum Beispiel die Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen, erlauben einen "Einblick" in das zu untersuchende Artefakt ohne weitere Eingriffe, jedoch mit begrenzten Aussagemöglichkeiten. Zur weiteren Klärung von Material, Qualität und Aufbau sind zum Teil Probeentnahmen erforderlich, welche eine partielle Zerstörung des Objektes bedingen. Nach Abschluß der naturwissenschaftlichen Untersuchungen werden zunächst theoretisch die Möglichkeiten die zur Herstellung eines Gegenstandes geführt haben erarbeitet. Dies ist die Grundlage auf welcher artefaktbezogene schmiedetechnische Experimente aufbauen.