- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
- 1.1.1: Phänomen Varusschlacht.
- 1.1.2: Archäoastronomie.
- 1.1.3: Am Rand der keltischen Welt.
- 1.1.4: Das Pferd.
- 1.1.5: Burgenarchäologie im Friaul.
- 1.1.6: Experimentelle Archäologie.
- 1.1.7: Mythos Neandertaler.
- 1.1.8: Neues aus dem Alten Ägypten.
- 1.1.9: Der Limes.
- 1.1.10: Pfahlbauten und Seeufersiedlungen.
- 1.1.11: Montanarchäologie.
- 1.1.12: Die Alamannen.
- 1.1.13: Syrien.
- 1.1.14: Musikarchäologie.
- 1.1.15: Fürstengräber.
- 1.1.16: Archäologie 2000.
- 1.1.17: Häuser im Moor.
- 1.2: Fundpunkt.
- 1.3: Nachrichten.
- 1.4: Aus der Presse.
- 1.5: TV-Programm.
- 1.6: Kalender.
- 1.1: Thema.
- 2: Guide.
- 3: Digger.
- 4: Bibliothek.
- 5: Mediathek.
- 6: Forum.
- 7: Club.
- 8: Autoren.
- 9: FAQ.
Von A bis Z

Das Einnehmen einer ausgestreckten Rückenlage hat die bezüglich dieser Position angestellten Überlegungen weitgehend bestätigt. Vor allem die zu geringe Breite der Fläche läßt ein komfortables Liegen nicht zu: ein Ellbogen stößt an der Rückenlehne an, während der andere auf der Kante der Fläche liegt und auch bei leichten Bewegungen von dieser abrutschen kann. Dagegen erwies sich die Neigung der Fläche zunächst als nicht so unbequem wie vermutet; das Liegen auf dieser Neigung wird allerdings je unangenehmer, desto länger man in dieser Haltung auf dem Möbel verweilt. Ein Aufstützen des Kopfes an der Seitenlehne ist ausgeschlossen.
Wir haben oben vermutet, daß die Bequemlichkeit einer frontal sitzenden Haltung vor allem von der Flexibilität der Rückenlehne abhängig ist. Tatsächlich gibt die Rückenlehne dem Druck eines sich Anlehnenden einerseits leicht nach und bietet doch andererseits dem Rücken genügend Widerstand, um eine hinreichende Abstützung zu gewährleisten. Das Sitzen auf dem Möbel ist somit sehr komfortabel, allerdings schwingt die Seitenlehne zu weit aus, als daß man aufrecht sitzend einen Arm auf ihr lagern könnte.
Die dritte Position schließlich, bei der sich zwei Personen von den Seitenlehnen gestützt einander gegenüber niederlassen, ist vor allem deshalb außerordentlich bequem, weil der Schwung der Seitenlehne sich hervorragend der Form des Rückens anpaßt und eine ausgezeichnete Abstützung bietet. Daher ist auch ein längeres Verweilen in dieser Haltung möglich, ohne daß bedingt durch die Möbelkonstruktion unangenehme oder gar schmerzhafte Druckstellen entstehen; dies ist wohlgemerkt auch ohne Polsterungen der Lehne der Fall. Unseren Vermutungen entsprechend finden in dieser Haltung zum einen zwei Personen Platz, ohne sich zu berühren, zum anderen verfügen Seiten- und Rückenlehne tatsächlich über eine Höhe, die es ermöglicht, auf angenehme Weise die Arme auf ihnen ruhen zu lassen.
Das Ergebnis des Experiments ist eindeutig: als die primäre Körperhaltung, welche auf dem Möbel eingenommen wurde, ist diejenige anzunehmen, bei der in der beschrieben Weise zwei Personen an den Möbelenden Platz nehmen. Einzig diese Körperhaltung vermag die Eigentümlichkeiten der Konstruktion befriedigend zu erklären. Methodisch ist bedeutsam, daß die Durchführung des Experiments zwar die sehr willkommene Gelegenheit bot, die vorab aufgestellten Hypothesen zur möglichen Körperhaltungen einer Überprüfung zu unterziehen, diese Hypothesen aber schon auf der Grundlage der spärlichen oben genannten Informationen formuliert werden konnten, ohne daß Vor- und Kontextwissen bezüglich der archäologischen Kultur, aus der dieser Fund stammt, bezüglich des Fundzusammenhangs oder vergleichbarer Objekte bemüht werden mußte. Es sollte gezeigt werden, daß man auch mit einer kleinen Datenbasis zu instruktiven Schlußfolgerungen gelangen kann, die sich keineswegs, wie oft unterstellt wird, in spekulativer Beliebigkeit und Unentscheidbarkeit verlieren.


