Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)

Die "Kline" aus dem "Fürstengrab" von Hochdorf.

Überlegungen zu möglichen Sitz- und Liegepositionen und deren experimentelle Überprüfung

27.11.2001

Vorbemerkungen [1]

Das Interesse an der "Kline" aus dem "Fürstengrab" von Hochdorf ist ein zweifaches: zum einen ein gegenstandsbezogenes, d.h. es sollen Erkenntnisse dazu gewonnen werden, welche Sitz- und Liegepositionen als wahrscheinlich anzunehmen sind. Zum anderen soll exemplarisch ein bestimmtes methodisches Vorgehen veranschaulicht werden: Im Mittelpunkt der hier angewandten Methode, der aus der Soziologie stammenden "objektiven Hermeneutik" [2], steht die immanente Hypothesenbildung am Gegenstand - es wird versucht, einen Gegenstand hinsichtlich seiner Funktion und den Prinzipien seiner Gestaltung zu bestimmen, ohne dabei auf Vorwissen bezüglich der archäologischen Kultur, der Fundkonstellation oder vergleichbarer, aus anderen Zusammenhängen bekannter Objekte Bezug zu nehmen. Erst wenn am Gegenstand selbst gehaltvolle Hypothesen gebildet wurden, sind Informationen über den Kontext schrittweise einzubeziehen, damit an ihnen die Interpretationen bestätigt, umgewandelt oder widerlegt werden können. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, daß das neu zu Erschließende nicht vorschnell unter etabliertes Wissen einfach subsumiert und so als möglicher Falsifikator desselben von vornherein ausgeblendet wird. Im folgenden wird der Versuch unternommen, zu zeigen, wie erstens auch ohne die Einbeziehung von Vor- und Kontextwissen Hypothesen bezüglich möglicher Körperhaltungen auf der "Kline" gebildet und wie zweitens diese Hypothesen in einem Experiment gezielt überprüft werden konnten.

  • [1] Ich danke Katja Rösler für ihre Hilfe bei der Durchführung, Dokumentation und Auswertung des Experiments.
  • [2] Bezüglich dieser Methode sei auf die folgenden allgemeinen Darstellungen verwiesen: U. Oevermann et. al., Die Methodologie einer ‚objektiven Hermeneutik' und ihre allgemeine forschungslogische Bedeutung in den Sozialwissenschaften. In: H.-G. Soeffner (Hrsg.), Interpretative Verfahren in den Sozial- und Textwissenschaften. Stuttgart: Metzler 1979, 352-434. - U. Oevermann, Zur Sache. Die Bedeutung von Adornos methodologischem Selbstverständnis zur Begründung einer materialen soziologischen Strukturanalyse. In: L. v. Friedeburg/J. Habermas (Hrsg.), Adorno-Konferenz 1983, Frankfurt/Main: Suhrkamp 1983, 234-289. - Ders., Genetischer Strukturalismus und das sozialwissenschaftliche Problem der Erklärung der Entstehung des Neuen: In: St. Müller-Doohm, Jenseits der Utopie. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1991, 167-336.