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Die Alamannen und das Christentum

16.1.2001
Lahr-Burgheim, Ortenaukreis, Kirche St. Peter, Grab 19. Silberne Preßblechscheibenfibel mit Kreuzmotiv. (Foto: LDA Baden-Württemberg)
Lahr-Burgheim, Ortenaukreis, Kirche St. Peter, Grab 19. Silberne Preßblechscheibenfibel mit Kreuzmotiv. (Foto: LDA Baden-Württemberg)

Die Ausbreitung des Christentums darf wohl als eine der wichtigsten und folgenreichsten Ereignisse in der Geschichte der Alamannen bezeichnet werden, die von jeher das besondere Interesse der Frühmittelalterforschung auf sich gezogen hat. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, daß Zeitraum und Art der Glaubensübernahme nach wie vor umstritten sind und gerade in jüngster Zeit vor dem Hintergrund großer Ausstellungen und Fachtagungen wieder kontrovers diskutiert werden.

Theoretisch bestand die Möglichkeit, daß die Alamannen bereits in der Spätantike (4./5. Jahrhundert) durch den Kontakt mit ihren einstigen Kontrahenten und späteren Grenznachbarn, den Römern, sowie durch die intensiven Stammesbeziehungen zu den bereits christlichen Burgundern und Goten mit dem Christentum in Verbindung kamen. Doch dürfte eher der Übertritt des Frankenkönigs Chlodwig zum römisch-katholischen Glauben und seine Taufe am Weihnachtsfest des Jahres 508 durch Bischof Remigius von Reims wohl auch für das Christentum bei den Alamannen ein Stichdatum gewesen sein. Den Berichten des fränkischen Geschichtsschreibers Gregor von Tours (540-594) zufolge war schließlich der Schlachtensieg über die Alamannen 486/497 der Auslöser, weswegen Chlodwig gelobt hatte, sich taufen zu lassen.

Durch das Ergebnis dieser Entscheidungsschlacht wurden die Weichen für den Einzug des Christentums bei den Alamannen gestellt, so daß man den Zeitraum zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert n.Chr. - die sogenannte Merowingerzeit - als die Christianisierungsepoche der Alamannen bezeichen kann. Schriftliche Zeugnisse, die hierüber Auskunft geben könnten, sind jedoch bemerkenswert dürftig: Es scheint, als habe sich diese bedeutsame geistesgeschichtliche Wende ganz im Stillen und erst recht spät vollzogen. Etwa zur Mitte des 6. Jahrhunderts stellt der byzantinische Geschichtsschreiber Agathias aus Myrina in seinem Bericht über den Krieg der Franken und Goten gegen die Byzantiner fest, daß sich die im Heer des Frankenkönigs Theudebald mitkämpfenden Alamannen lediglich in Bezug auf ihre Religion von den Franken unterscheiden, da sie "irgendwelche Bäume und Flüsse, Hügel und Schluchten wie Götter verehren, indem sie, als wären es heilige Handlungen, Pferden und Rindern und unzähligen anderen Tieren die Köpfe abschlagen". Außerdem schildert er, wie schonungslos die alamannischen Heeresteile christliche Heiligtümer verwüsteten und Kirchenschätze plünderten, wohingegen "die von ihnen, die echte Franken waren, den Heiligtümern viel Schonung und Rücksicht erwiesen". Allerdings, so äußert Agathias die Hoffnung, werde sich die Gesinnung der Alamannen durch deren engen Kontakt zu den Franken sicherlich in kurzer Zeit zum Besseren bekehren.

Rund einhundert Jahre später verfaßt der Mönch Jonas von Susa im Kloster Bobbio eine Lebensbeschreibung des Iren Columban, der sich an der Wende des 6. zum 7. Jahrhundert im Bodenseeraum als Missionar betätigt haben soll. In Bregenz soll Columban mit seinen Gefährten, unter denen sich auch sein Schüler Gallus befand, "die Saat des Glaubens unter den Heiden" verbreitet haben, indem er ein Opferfest zu Ehren Wodans, der auch als Merkur angesprochen wird, im wahrsten Sinne des Wortes platzen läßt. Ein Wunder versetzt den Atemhauch des Mönchs in die Lage, ein mit Opferbier gefülltes Faß zum Bersten zu bringen, so daß der Teufel, der im unheiligen Getränk verborgen war, entschwindet. "Die Barbaren, die es sahen, sagten verblüfft, der Mann Gottes habe einen starken Atem, da er ein mit starken Verstrebungen zusammengehaltenes Gefäß zerstören könne. Er aber tadelte sie mit den Worten des Evangeliums, von solchen Opfern künftig abzulassen und heimzugehen. Viele ließen sich, beeindruckt von den Worten der Belehrung des heiligen Mannes, zum Glauben an Christus bekehren und wurden getauft; Andere hingegen, die durch das Wasser der Taufe zwar schon gereinigt, aber noch mit heidnischem Irrglauben versehen waren, führte er durch seine Ermahnungen zur Befolgung der Lehre des Evangeliums als guter Hirte zurück in den Schoß der Kirche".