27.05.2012 - 11:17:40
Kooperation

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)
Der Preis der Sicherheit.. Zu den Bau- und Unterhaltskosten einer römischen Militärgrenze

von Marcus Reuter - 5.7.2001

Der bei weitem größte Kostenpunkt im römischen Militärhaushalt bildete zu allen Zeiten die Bezahlung der insgesamt 300.000 Soldaten (Darstellung zweier Legionäre aus der 2. Hälfte des 1. Jhs. n. Chr.; Fundort: Mainz). (Foto: Landesmuseum Mainz)
Der bei weitem größte Kostenpunkt im römischen Militärhaushalt bildete zu allen Zeiten die Bezahlung der insgesamt 300.000 Soldaten (Darstellung zweier Legionäre aus der 2. Hälfte des 1. Jhs. n. Chr.; Fundort: Mainz). (Foto: Landesmuseum Mainz)

Neben den unmittelbaren Ausgaben für die Soldaten und den zugehörigen Bestand an Pferden, die fraglos den größten Posten innerhalb des Militärhaushaltes einnahmen, schlugen aber auch noch andere Ausgaben zu Buche. Der Bau und der Unterhalt der Kastelle, der Militärbäder und der über 900 Wachttürme am Limes wurde zwar weitestgehend mit in Eigenregie hergestellten Baumaterialien und eigenen Arbeitskräften ausgeführt, doch dürften Ankäufe von bestimmten Rohmaterialien, etwa Eisen (für Nägel, Beschläge, usw.), unumgänglich gewesen sein. Wie sparsam aber die römische Armee mit Baumaterialien umging, ließ sich bei der Vorverlegung des obergermanischen Limes um 161 n.Chr. beobachten. Neuere Untersuchungen zeigten nämlich, dass man damals die alten Militärbäder regelrecht demontiert, die Ziegel nach Möglichkeit unbeschädigt geborgen und anschließend an die neuen Standorte transportiert hat. Der heereseigene Betrieb von Steinbrüchen, Kalkbrennereien und Ziegeleien bis hin zum Einsatz von Holzfällerkommandos macht ebenfalls deutlich, dass man auf eine größtmögliche Kostenbegrenzung bedacht war. Welche finanziellen Aufwendungen bei der Errichtung z.B. eines neuen Kohortenkastells schließlich erforderlich waren, hing im Einzelfall von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Unter Umständen konnte allein schon die Standortwahl bei einem Lagerneubau Kosten verursachen, wenn das betreffende Gebiet bereits römisches Territorium war und sich in Privatbesitz befand. Die Beschlagnahmung der betreffenden Grundstücke für das Militär, wie unter Kaiser Domitian belegt, dürfte in solchen Fällen wohl eher die Ausnahme dargestellt haben. Die Bauinschriften von neu errichteten Legionslagern oder Kohortenkastellen zeigen ferner, dass die Entscheidung über solche Projekte nicht vom Statthalter der jeweiligen Provinz, sondern in Rom selbst getroffen wurde. Lediglich die Instandhaltung der Bauwerke fiel dann in die Kompetenz des legatus Augusti pro praetore. Die zentralistische Militärbaupolitik, die eng mit der Truppendislokation verknüpft war, dürfte in erster Linie auf militärisch-strategische Gründe zurückzuführen sein. Eine wirksame Kontrolle der Baukosten, die (gerade im zivilen Bereich) nicht selten die ursprünglichen geplanten Summen deutlich überstiegen, lag aber mindestens ebenso im Interesse Roms.

As aus der Zeit Kaiser Hadrians. (Foto: Seminar für Alte Geschichte, Universität Freiburg)
As aus der Zeit Kaiser Hadrians. (Foto: Seminar für Alte Geschichte, Universität Freiburg)

Die Ausgaben Roms für die Sicherheit seiner Militärgrenzen erstreckten sich jedoch nicht nur auf den Unterhalt der baulichen Anlagen und die Besoldung der dort stationierten Truppen. Ein wesentlicher Bestandteil des römischen Sicherheitskonzeptes war die direkte oder indirekte politische Einflussnahme auf die im Vorfeld der Grenze siedelnden Bevölkerungsgruppen. Allgemein praktiziert wurde die Zahlung von Geld- oder Sachleistungen an die lokalen Würdenträger der einzelnen Stämme, deren oftmals erkaufte romfreundliche Haltung wesentlich kostengünstiger war als eine militärische Durchsetzung der eigenen Interessen.. Wie penibel der römische Staat aber auch über diese Ausgaben im diplomatischen Bereich achtete, zeigt ein im Jahre 208 n.Chr. verfasster Papyrus, der in der römischen Grenzfestung Dura Europos am Euphrat in Syrien gefunden wurde. Es handelt sich dabei um die Kopie eines Briefes, der vom syrischen Statthalter Marius Maximus an seinen Finanzprokurator Minicius Martialis gesandt worden war. Darin enthalten war die Anweisung, fünf namentlich genannten Militärstützpunkten Finanzmittel zu bewilligen, die zum Kauf von Gastgeschenken für eine in Kürze durchreisende persische Gesandtschaft verwendet werden sollten. Um einer Zweckentfremdung des Geldes vorzubeugen, bat der Statthalter ferner, ihm die Höhe der jeweils bewilligten Summen mitzuteilen. Abschriften dieses Briefes wurden schließlich an die fünf betroffenen Lagerkommandanten zur Kenntnisnahme geschickt. Ähnliche Vorgänge dürften auch am obergermanisch-raetischen Limes stattgefunden haben, auch wenn sich aufgrund der klimatischen Verhältnisse solche Schriftzeugnisse praktisch nirgendwo erhalten haben.

Die hier nur kurz skizzierten Ausgabenposten lassen bereits die finanzielle Größenordnung erahnen, die die Sicherheit des römischen Imperiums erforderte. Schätzungen ergaben, dass im späten 1.Jh.n.Chr. die Militärausgaben knapp unter der Grenze von 200 Millionen Denaren lagen und einen Anteil von etwa 75-80% an den gesamten Staatsausgaben hatten! Nicht weniger beeindruckend ist aber auch das immer wieder erkennbare Bemühen, beim Einsatz der Finanzmittel stets die größtmögliche Effektivität zu erzielen.

Literatur

  • R.O.Fink, Roman Military Records on Papyrus. Philol.. Monogr Am. Assoc. 26 (Princeton 1971).
  • A.Mocsy, Die Expansionsfrage im 1. und 2. Jh. und die Ertragsfähigkeit der Grenzprovinzen. In: Ders., Pannonien und das römische Heer. Ausgewählte Aufsätze. MAVORS. Roman Army Researches Vol.VII (Stuttgart 1992) 8-18.
  • M.Reuter, Zu den Befugnissen römischer Provinzstatthalter bei militärischen Bauprojekten. In: Roman Frontier Studies 1995. Proceedings of the XVIth International Congress of Roman Frontier Studies (Oxford 1997) 189-194.
  • M.A.Speidel, Sold und Wirtschaftslage der römischen Soldaten. In: G.Alföldy, B.Dobson u. W.Eck (Hrsg.)
  • A.Thiel, Hadrianische Ziegel von antoninischen Kastellplätzen in Obergermanien. Roman Frontier Studies 1997. Procedings of the XVIIth International Congress of Roman Frontier Studies (Zalau 1999) 565-570.