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Der Obergermanisch-raetische Limes.. Die Grenze des Imperium Romanum im heutigen Deutschland

von Egon Schallmayer - 5.7.2001

Leben im Limeshinterland

Rekonstruktion einer villa rustica. (Zeichnung: Saalburgmuseum)
Rekonstruktion einer villa rustica. (Zeichnung: Saalburgmuseum)

Nachdem die Grenzlinie seit Traian und Hadrian eindeutig definiert und mit Truppen bestückt war, konnte sich das zivile Leben im Limeshinterland entfalten. Traian ließ die ersten zivilen Gebietskörperschaften, die civitates, einrichten. Zum einen umfaßten sie das Siedlungsgebiet germanischer Stammesgruppen, etwa der Mattiaker oder Suebi Nicrenses (Neckarsweben), die die Römer selbst in den 20er Jahren des 1. Jahrhunderts n. Chr. gegenüber ihren Militärbasen auf der rechten Rheinseite angesiedelt hatten. Hauptort der Civitas Mattiacorum wurde Aquae Mattiacae (Wiesbaden), Mittelpunkt der Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium Lopodunum/Ladenburg. Andere Civitates, die einfach nach geografischen Gegebenheiten benannt wurden, wie etwa die civitas Taunensium mit Hauptort Nida/Heddernheim, oder die civitas Aquensis mit Hauptort Aquae/Baden-Baden, faßten die bis dahin hier siedelnde Einwohnerschaft, die in der Hauptsache aus Gallien aber auch aus allen anderen römischen Provinzen stammte, zusammen. Insgesamt stellten die Gebiete rechts des Rheins schließlich den Siedlungsraum für eine multikulturelle Gesellschaft dar, die sich ebenso wie die Soldaten am Limes nicht als Besatzer sondern als Einwohner einer Provinz des Römischen Reiches fühlten. Bis in die ersten Jahrzehnte des 3. Jahrhunderts n. Chr. prosperierte die wirtschaftliche Entwicklung in den Rhein-Donau-Provinzen, wenn auch durch die Markommannenkriege zwischen 160 und 180 n. Chr. empfindlich beeinträchtigt. Aus einfachen Bauernhäusern auf dem Land wurden teilweise vielräumige, aufwendig ausgestattete und mit zahlreichen Nebengebäuden, darunter stets das Bad, ausgestattete Landgüter (villae rusticae), die mit ihren Produkten die kleineren Weiler (vici) und stadtartigen Siedlungen ebenso versorgten wie die Garnisonen am Limes, wo in den Lagerdörfern um die Kastelle eine bis in die mehrere Tausende gehende Einwohnerzahl erreicht werden konnte. Die landwirtschaftlichen Ressourcen wie auch die Rohstoffe wurden in einer arbeitsteiligen Wirtschaft genutzt, deren immer noch beeindruckenden Reste die Archäologen bei ihren Ausgrabungen finden. Insgesamt läßt sich das Bild einer in nahezu allen Belangen außerordentlich modernen Gesellschaft und Staatskultur entwerfen, deren Einflüsse bis heute nachvollziehbar sind.