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Von A bis Z

Entwicklung und Aussehen der Limesanlagen
Wir wissen, daß die Palisade in aller Regel aus Eichenholz bestand, dessen Reste sich an Limesabschnitten, die durch feuchtes Gelände führen, erhalten haben. Schon bei den Grabungen der Reichs-Limeskommission konnten z. B. in den Wörnitzwiesen bei Mönchsroth, Landkreis Ansbach am raetischen Limes, die Reste der Palisadenhölzer freigelegt werden. Mittlerweile liegen solche Holzfunde von weiteren Stellen vor, wie etwa vom Limes bei Rainau-Buch. Sie haben den Vorteil, daß man sie mittels der Dendrochronologie exakt datieren kann. So wird deutlich, daß die jüngsten Ausbesserungen an Palisaden des Obergermanisch-Raetischen Limes offenbar Ende der 60er und in den 70er Jahren des 2. Jahrhunderts n. Chr. stattfanden. Als diese schadhaft geworden waren, behalf man sich offenbar mit anderen Strukturen zur Kennzeichnung der Grenze. Es war wohl dann die einfachste Lösung, einen Graben auszuheben und das ausgehobene Erdreich zu einem Wall dahinter anzuschütten. Auch dieses Hindernis konnte weder von kleineren Neusiedlergruppen noch von mit großen Warenbeständen versehenen Händlerkonvois ohne weiteres überschritten werden. Hier funktionierte die Überwachung von den Türmen aus sicherlich bestens. Vermutlich stand die Ablösung der Palisade durch Wall und Graben auch im Zusammenhang mit einem akuten Holzmangel. Wir stoßen damit auch auf ein ökologisches Problem, das die Römer gegen Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. hatten. Dies zusammen mit weiteren Schwierigkeiten, etwa die unter dem Druck der germanischen Einfälle zurückgehende wirtschaftliche und militärische Kraft Roms an Rhein und Donau, führten schließlich dazu, daß der Limes in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. aufgegeben wurde.
Am Anfang hatte er aus einem einfachen Patrouillenweg bestanden, an dem in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Wachtürme die Vorgänge an der Demarkationslinie überwachten. Die frühesten Wachtürme waren Holzbauten. Wie sich vor allem bei den Ausgrabungen der Reichs-Limeskommission am Odenwald- und Taunuslimes aber auch an anderen Limesstrecken herausgestellt hat, besaßen die mehrgeschossigen Holzwachtürme ein massives Untergeschoß. Die Steinsockel wiesen Auslassungschlitze auf, ein Hinweis darauf, daß sich hier einst ein Holzbalken-Gitterwerk befand, dessen Zwischenräume mit Stein-Erde-Material ausgefüllt worden war. Diese Konstruktion sollte ein schnelles Eindringen oder gar Untergraben des Turmes verhindern, diente aber offenbar auch der Trockenhaltung der gesamten Turmstelle.
Steintürme, in der Regel weiß verputzt und mit rotem Fugenstrich versehen, mit dem sauberes Quadermauerwerk vorgetäuscht werden sollte, besaßen drei Geschosse in denen Vorräte unten, die Schlafstube im 1. OG und der Wachraum im 2. OG untergebracht waren. Die mit bis zu 8 Mann besetzten Türme dienten neben der Grenzüberwachung auch der Nachrichtenübermittlung per Licht- oder Lautsignal.
Einzelne Turmstellen wurden zu Zeiten der Reichs-Limeskommission vor 100 Jahren vollständig ausgegraben, so daß man auch dort eine Abfolge der einzelnen Turmbauten feststellen kann. Außerdem zeigen die aufgedeckten Befunde, wie es in der unmittelbaren Umgebung der Wachtürme ausgesehen hat. Das Beispiel des Wachtpostens "Im Lützelbacher Bannholz" am nördlichen Odenwaldlimes beweist dies eindrucksvoll. Hier konnten die Reste zweier jeweils von einem Kreisgraben umgebenen hölzernen Wachtürme, davor das Mauergeviert des Steinturmes ausgegraben werden. Die ganze Turmstelle scheint von einem Holzzaun umzogen worden zu sein, der von der Limespalisade geschnitten wird. Zunächst hatten die Römer also einen Holzturm mit massivem Untergeschoß gebaut und ihn umzäunt. Offenbar brannte der Turm alsbald ab, so daß der Neubau eines zweiten notwendig wurde, den sie wiederum in Holz errichteten. In den Jahren 145/146 n. Chr. - wir wissen das von Bauinschriften am Odenwaldlimes - erfolgte dann der Bau des Steinturmes. Die Odenwaldlinie wurde dann aber unmittelbar darauf aufgegeben und an der vorderen Limeslinie zwischen Miltenberg am Main und Lorch an der raetischen Grenze, die seit etwa 155 n. Chr. bestand, kamen dann nur noch Steintürme zum Einsatz, was in dieser Zeit auch für die anderen Limesstrecken gilt.

