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Von A bis Z

Besetzung des Limesgebietes
Es hatte einige Zeit gedauert, bis die Römer nach dem Desaster des Varus (9 n. Chr.) und der Aufgabe der augusteischen Expansionspolitik die Voraussetzungen geschaffen hatten, rechtsrheinisches Gebiet wieder besetzen und strukturell so festigen zu können, daß es in den Status einer Provinz umgewandelt werden konnte. Tiberius Flavius Vespasianus, Kaiser von 69 bis 79 n. Chr., nach den Wirren des ersten Vierkaiserjahres zum Purpur gelangt, besetzte um 75 n. Chr. das wie ein Keil in das Reichsgebiet am Oberrhein reichende Vorgelände zwischen Wetterau und Hochschwarzwald. Ein Infrastrukturprogramm, das den Bau von Fernstraßen vorsah, die in bestimmten Abständen von Kastellen gesichert wurden, bildete das Rückgrat nicht nur der militärstrategischen Raumerschließung sondern auch der wirtschaftlichen Entwicklung der neu eroberten Gebiete. Diese von den Legionslagern in Mainz und Straßburg ausgehenden und durch die Wetterau und das rechtsseitige Rheintal sowie über den Schwarzwald an den oberen Neckar führenden Magistralen mit ihren Militäranlagen schufen die Voraussetzung für die weitere Entwicklung.
Der Sohn Vespasians, Kaiser Domitian (80-96 n. Chr.), konnte auf den Erfolgen des Vaters den weiteren Ausbau vornehmen. Allerdings war zunächst noch einmal der Machtanspruch Roms in einem Krieg gegen die Chatten, die im heute nordhessischen Raum siedelten, durchzusetzen. Der Abschluß der Kampfhandlungen wurde propagandistisch gefeiert und dadurch gekrönt, daß der Kaiser um das Jahr 85 n. Chr. offiziell die Provinzen Germania superior und Germania inferior ausrufen ließ. Domitian wird zudem nachgesagt, nach Abschluß der Kämpfe zur Sicherung der okkupierten Gebiete, die ersten Limesanlagen im Taunus geschaffen zu haben. Diese von der Forschung lange vertretene Meinung wurde jüngst erschüttert, als bei Betrachtung der numismatischen Befunde am Limes, d. h. unter erneuter Auswertung der Münzfunde aus den Limeskastellen, die Erkenntnis wuchs, daß der systematische Ausbau des Limes in Obergermanien und Raetien Kaiser Marcus Ulpius Traianus zuzuschreiben ist.
Und in der Tat sprechen gewichtige Indizien dafür. So wurden in traianischer Zeit - um 100 n. Chr. - die Kastelle an den alten vespasianischen und domitianischen Vormarschstraßen im Limeshinterland geräumt und die Truppen des obergermanischen Heeres, von hier und von den Legionen um deren Standort Mainz weg, in die neu errichteten Garnisonen an die Limeslinie verlegt.
Hier entstand schließlich jene lineare Aufreihung der Garnisonen, die bis um die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. den Limeszug in Obergermanien und Raetien markierten. Damals verlief die Ostgrenze der Germania superior noch vom Main aus durch den Odenwald und den Neckar entlang zur Schwäbischen Alb.
Als der Nachfolger Traians, Kaiser Publius Aelius Hadrianus in den zwanziger Jahren des 2. Jahrhunderts n. Chr. die Provinzen seines Reiches bereiste, hatte dies auch auf das Aussehen der römischen Grenze in Germanien Auswirkungen. Hadrian brachte das Unternehmen Limes dadurch zu einem vorläufigen Abschluß, daß er die Grenzlinie durch eine Palisade verdeutlichen ließ. Sinn dieses Hindernisses war es, nicht nur die Grenze zu markieren sondern den grenzüberschreitenden Verkehr auf ganz bestimmte Durchgänge zu lenken. Hier war es sowohl möglich, die Kontrolle über die Vorgänge an einem Checkpoint zu erreichen als auch die ein- und ausgeführten Warenströme finanztechnisch zu behandeln, sprich Zoll zu erheben. Auch die Zuwanderung von germanischen Siedlergruppen konnte so gesteuert werden.

