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Der Obergermanisch-raetische Limes.

Die Grenze des Imperium Romanum im heutigen Deutschland

5.7.2001

Limesgebiet, Limesverlauf, Forschungsgeschichte

Porta Praetoria des Kastells Saalburg bei Bad Homburg. (Foto: LDA Baden-Württemberg)
Porta Praetoria des Kastells Saalburg bei Bad Homburg. (Foto: LDA Baden-Württemberg)

Wenn der Besucher das Haupttor, die Porta Praetoria, des wieder aufgebauten Saalburg-Kastells bei Bad Homburg im Taunus passiert, wird er von der Statue des römischen Kaisers Antoninus Pius begrüßt. Wie nahezu jeder Imperator vor und nach ihm war auch er in besonderer Weise mit der Geschichte des Limes, der Grenze des römischen Imperiums, verbunden, vor allem auch in Germanien. Unter seiner Regierung um die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. wurde nämlich die Limeslinie in Obergermanien und Raetien noch einmal weiter nach Osten vorgeschoben. Die beiden Provinzen Germania superior und Raetia erreichten damit ihre größte räumliche Ausdehnung. Abgeschlossen war ein Prozeß der hier im Grunde mit den ersten Eroberungszügen des Kaisers Augustus um die Zeitenwende eingesetzt hatte - freilich damals noch mit dem Ziel der Schaffung einer gesamtgermanischen Provinz, deren Grenze man gerne an der Elbe gesehen hätte, die Kerngebiete der großen germanischen Stämme wie etwa der Hermunduren, Langobarden und Sueben umfassend.

Verlauf des obergermanisch-raetischen Limes. (Zeichnung: LDA Baden-Württemberg / Referat 25 (Atlas))
Verlauf des obergermanisch-raetischen Limes. (Zeichnung: LDA Baden-Württemberg / Referat 25 (Atlas))

Wie eine Auffanglinie nimmt sich der Limes an den Nordgrenzen der Rhein- und Donauprovinzen gegenüber den germanischen Siedlungsräumen aus. Er markierte für jedermann sichtbar die völkerrechtlich verbindliche Grenze des Imperium Romanum zur Germania magna hin. In Deutschland besitzt er als größtes archäologisches Bodendenkmal eine Länge von 550 km, an der sich an die 100 Kastelle und um die 900 Wachturmstellen befinden. Von Neuwied am Rhein über Taunus und den Wetteraubogen verläuft die römische Grenzlinie bis zum Mainknie bei Hanau/Steinheim um hier entlang des Mains die "nasse Grenze" abzugeben, bevor sie über den Odenwald und den Neckar entlang nach Süden auf den Alblimes trifft. Ab der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. wurde die Mainlinie nach Süden bis Miltenberg verlängert. Ab hier verlief der Vordere Limes dann schnurgerade bis nach Lorch an der raetischen Grenze, von wo ab er sich als raetischer Limes nach Osten wandte, um in einem Bogen das Nördlinger Ries einschließend gegenüber Eining bei Regensburg auf die Donau zu treffen. An manchen Strecken, vor allem in den zusammenhängenden Waldgebieten wie im Taunus, Odenwald und Welzheimer Wald sind die römische Grenzanlagen noch sehr gut erhalten. Aber auch im freien Gelände wie etwa in Ostwürttemberg und Bayern lassen sich die Reste der Raetischen Mauer, der "Teufelsmauer", noch gut erkennen. Mancher Limesabschnitt wird aber auch erst im Luftbild sichtbar.

Bereits im 16. Jahrhundert hatten sich die Humanisten mit den römischen Zeugnissen und Überresten, auch denen des obergermanisch-raetischen Limes in Deutschland, beschäftigt. Meist sammelten sie die römischen Inschriften und deuteten sie nach ihrem Kenntnisstand. Im 18. Jahrhundert waren es vor allem adlige Landesherren, die sich der Römerzeit widmeten und noch meist unsystematische Ausgrabungen durchführten. Christian Ernst Hansselmann, der Fürstlich-Hohenlohische Regierungsrat in Öhringen, beteiligte sich an der Preisfrage der Preußischen Akademie der Wissenschaften nach dem Verlauf des Limes in Deutschland und seinen Überresten. Im 19. Jahrhundert gaben sich die nach der napoleonischen Zeit überall entstehenden Altertumsvereine der Limesforschung hin, eine erste Limeskommission entstand, der aber noch wenig Erfolg beschieden war. Erst mit der Gründung der Reichs-Limeskommission durch Theodor Mommsen im Jahr 1892 wurde die römische Forschung systematisiert. Der Obergermanisch-Raetische Limes konnte durch die Ausgrabungen der Streckenkommissare in seinem Verlauf festgelegt werden und nahezu alle Kastelle und Wachturmstellen wenigstens angegraben oder im Gelände aufgenommen werden. Ein 14bändiges Werk gibt beredtes Zeugnis von den Bemühungen der Reichs-Limeskommission, das zum großen Teil aus der Feder von deren wichtigstem Vertreter, dem Freiburger Professor Ernst Fabricius, stammte. unter dem Einfluß dieser Forschungen entstand am Taunuslimes auf Geheiß des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. als originalgetreuer Wiederaufbau eines Römerkastells nach damaligem Forschungsstand die Saalburg. Die Römische Forschung in Deutschland wurde danach in den 30er und 40er Jahren situations- und ideologiebedingt etwas in den Hintergrund gedrängt, konnte aber nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die späten 90er Jahre durch zahlreiche Ausgrabungen und qualitätsvolle Forschung unzählige neue Erkenntnisse gewinnen. Heute ist der Limes wieder verstärkt in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit getreten, und zwar im Rahmen der Bemühungen, die Eintragung dieses Bodendenkmals in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes zu erreichen. Hier ist auch die Formulierung einer Agenda gefordert, die deutlich machen soll, wie mit den Zeugnissen der römischen Grenze in unserem Land zukünftig umgegangen werden soll. Dabei sollte eine nachhaltige Sicherung aus Sicht der archäologischen Denkmalpflege sowie eine "Vermarktung" im Sinne der geeigneten Vermittlung an die Bevölkerung unter Einsatz touristischer, wirtschaftlicher und landesplanerischer Module aus insgesamt gesellschaftspolitischer Sicht erfolgen.