13.02.2012 - 20:05:27

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Der Limes im Museum -. die neue Ausstellung des Limesmuseums in Aalen

von Martin Kemkes - 5.7.2001

Limesmuseum Aalen: Schatzfund aus Rainau-Buch, Datierung: 3. Jh. n. Chr.. (Foto: Württembergisches Landesmuseum Stuttgart)
Limesmuseum Aalen: Schatzfund aus Rainau-Buch, Datierung: 3. Jh. n. Chr.. (Foto: Württembergisches Landesmuseum Stuttgart)

Auch wurde keine primär denkmalpflegerisch orientierte Darstellung mit dem Limes als Objekt archäologischer Ausgrabungen und der dabei angewandten Grabungsmethoden geplant. Die Vorgabe eines historischen Themenmuseums stellt den Limes, das römische Grenzsystem, vielmehr als historisches Phänomen und die an seiner Entstehung und Überwachung beteiligten Soldaten als historische Subjekte in den Mittelpunkt der Ausstellung, wobei nicht nur die Frage nach dem "Wie war das damals ?", sondern auch nach dem "Warum ?" beantwortet wird. Die in zwei Etagen angeordnete Ausstellung beschäftigt sich im Obergeschoss primär mit den militärischen Themen, während im Erdgeschoss das zivile Leben am Limes im Vordergrund steht.

In einem weiteren Ausstellungsbereich im Erdgeschoss erhält der Besucher die Gelegenheit die wichtigsten Themenbereiche des Museums, "Limes/Grenzen", "Militärische Reiterei" und "Herrschaft und Untertanen" nochmals zu reflektieren, indem die Verhältnisse zur Römerzeit mit denen anderer historischer Epochen, z.B. der Kolonialzeit verglichen werden.

Limesmuseum Aalen: Gesichtshelm eines Reitersoldaten, Fundort: Gräfenhausen. Datierung: 3. Jh. n. Chr.. (Foto: Württembergisches Landesmuseum Stuttgart)
Limesmuseum Aalen: Gesichtshelm eines Reitersoldaten, Fundort: Gräfenhausen. Datierung: 3. Jh. n. Chr.. (Foto: Württembergisches Landesmuseum Stuttgart)

Die Vermittlung der Ausstellungsthemen erfolgt soweit wie möglich durch die überlieferten Primärquellen, zunächst natürlich durch die ausgestellten archäologischen Objekte, bei denen aber anders als bisher weitgehend solche zu sehen sind, die direkt vom Limes oder aus dem direkten Hinterland stammen. Besonders hervorzuheben sind dabei die neu präsentierten Schatzfunde aus Rainau-Buch und der restaurierte Schuhfund aus Welzheim sowie zahlreiche Waffenfunde von der Alltagsausrüstung bis zu den prunkvollen Paradewaffen.

Die Vorliebe der Römer politische aber auch private Vorgänge zum Teil sehr detailliert und beispielhaft in Wort und Bild wiederzugeben, macht sich die Ausstellung bei der Gestaltung der Didaktikflächen zunutze. Gerade im Bezug auf die militärischen Unternehmungen und deren ideologischen Begründung liegen eine große Anzahl römischer Reliefdarstellungen und Originalzitate vor, die, wenn auch natürlich in stark einseitiger Sichtweise, in mannigfachen Bildern Auskunft über die Tätigkeiten der römischen Armee geben. Der Besucher erhält so in authentischen Bildern und Texten Informationen über die ideologischen Grundlagen der Eroberung und Beherrschung des römischen Südwestdeutschlands, den Ausbau des Limes und das Leben der Soldaten, aber auch über eher zivile Themen wie Infrastruktur, das Leben in den Kastelldörfern, Landwirtschaft und Truppenversorgung und nicht zuletzt über das Verhältnis zu den Germanen und die Aufgabe des Limes.

Limesmuseum Aalen. Die Ausstellung im Obergeschoss. (Foto: Württembergisches Landesmuseum Stuttgart)
Limesmuseum Aalen. Die Ausstellung im Obergeschoss. (Foto: Württembergisches Landesmuseum Stuttgart)

Aus dem Zusammenspiel von archäologischen Objekten sowie primären Bild- und Schriftquellen entsteht so ein möglichst historisch objektives, da weitgehend authentisch römisches Bild des Museumsthemas.

Ergänzt werden diese Präsentationsformen durch Modelle und Multimedia-Angebote, wie Computeranimationen, Videos und Kurzhörspiele, so dass der Besucher aus verschiedenen Vermittlungsangeboten auswählen kann.

Die Ausstellung verfolgt schließlich ein klares Lernziel, nämlich die Bewusstmachung der Ambivalenz zwischen militärischer Eroberung und Unterwerfung mit all ihren Konsequenzen und der Schaffung einer als Pax Romana definierten dauerhaften Friedensordnung auf der Grundlage eines auf römischer Seite verinnerlichten Sendungsbewusstseins.

Ein künftiger Besuch im Limesmuseum könnte so einen Beitrag leisten zu einer stärker reflektierenden Betrachtungsweise der Römerzeit am Limes mit all ihren konkreten Auswirkungen und damit allgemein zur individuellen Förderung von historischem Bewusstsein und zur eigenständigen Einordnung und Bewertung historischer Prozesse und Phänomene, die ja zum Teil bis in unsere Gegenwart fortwirken.