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Untersuchung der Burg Cucagna. Studierende der Ur- und Frühgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin untersuchen die Burg Cucagna

von Holger Grönwald - 17.1.2005

Die bisher erzielten Untersuchungsergebnisse resultieren aus einem interdisziplinären Forschungsansatz, der seit über 20 Jahren verfolgt wird und erfolgreich ausgebaut werden konnte. Inzwischen sind in die Arbeiten Archäologen, Architekten, Bauingenieure, Bauforscher, Museumskundler und Restauratoren eingebunden. Die Studierenden der HU bilden einen festen Kern in dieser bunten europäisch-internationalen Gruppe und konzentrieren sich auf die archäologischen Untersuchungen. Diese lieferten bisher zahlreiche neue Informationen über unbekannte und/oder nur hypothetisch angenommene Bauwerke der Burg und klärten offene Fragen zu deren Bauabfolge und dem Grundriss. Zudem waren Hinweise zur Datierung einzelner Bauphasen und -körper und ihrer Nachnutzung zu gewinnen. So wurden bisher die Umfassungsmauer der ältesten mittelalterlichen Anlage, zwei spätmittelalterliche Toranlagen mit Rampe sowie verschiedene Teilbereiche der Höfe und Hofbebauung aus der ersten und zweiten Bauphase untersucht. Durch die Dokumentation von Herd- und Feuerstellen, Pfostenstellungen, Anlagen im Zusammenhang mit Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Abfallzonen sowie der Bergung archäologischen Fundgutes aller Art ließen sich zusätzliche Anhaltspunkte zur Nutzung und Ausstattung der Burg gewinnen. Neben der besseren zeitlichen Ansprache und Identifizierung einzelner Funktionsbereiche, lassen sich heute so verschiedene Verteidigungskonzepte unterscheiden.

Blick auf die Kapelle und den Pallazzo III der Burg Cucagna. (Foto: D. Raccanello)
Blick auf die Kapelle und den Pallazzo III der Burg Cucagna. (Foto: D. Raccanello)

Eventuell besaß Cucagna auch Bezugspunkte zu älteren Anlagen, wie dem Limes in den Julischen Alpen/Slowenien, dem Langobardischen Limes/Tractus Italicus oder der römischen Landaufteilung/-vermessung (Limitation). Ob man sich bei der Wahl des Standortes für die mittelalterliche Burg eines bereits existierenden, älteren Bauwerkes bediente, konnte archäologisch noch nicht geklärt werden. Die noch immer nachvollziehbaren Sichtachsenbezüge von Cucagna mit den Wehrbauten im näheren Umfeld und zu den Resten der römischen Landaufteilung/-vermessung legen aber nahe, dass die Limitation in der römischen Provinz Gallia cisalpina über die Spätantike hinaus auch noch im Mittelalter eine Grundlage für die Gestaltung der regionalen Verwaltungseinheiten darstellte. Da die Errichtung einer Burg dieser Gliederung und rein strategischen Gesichtspunkten unterworfen war, entstanden Parallelen zu römischen Befestigungen und Wachtürmen, ohne dass eine römische Belegung dieses oder vergleichbarer Standorte in der Region vorhanden gewesen sein muss.

Das Ziel der weiteren Untersuchungen ist, die Entwicklung der einzelnen Bauphasen im historischen Kontext darzustellen. Auf dieser Basis lässt sich mit dem bisher erschlossenen archäologischen Fundgut ein Lebensbild des Hoch- und Spätmittelalters rekonstruieren, welches frei von romantischer Verklärung den Alltag auf einer kleinen Adelsburg im Friaul illustriert (ein Vorgeschmack wird im Folgenden gegeben werden). Idealschnitte durch die Burg mit ihren Horizonten der verschiedenen Nutzungsphasen wurden dabei als stratigraphische Basis für die weitere Arbeit erstellt, während parallel ein virtuelles Modell die einzelnen Bauphasen visualisieren soll.