16.12.2017 - 19:47:46

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)

Untersuchung der Burg Cucagna

Studierende der Ur- und Frühgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin untersuchen die Burg Cucagna

17.1.2005

Das Mittelalter gilt einer breiten Öffentlichkeit immer noch als eine starre Welt mit festen Grenzen und ist mit dem Nimbus des "Dunklen Zeitalters" behaftet. Dass die Wirklichkeit aber von starken Veränderungen geprägt wurde und sehr diffizilen politischen Verhältnissen unterworfen war, lässt sich selbst in kleinräumigen archäologischen Untersuchungen feststellen, welche unser Geschichtsbild illustrieren können. Dieser Aufgabe stellt sich der Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte an der Humboldt-Universiät zu Berlin. Neben Forschungsschwerpunkten wie der Siedlungsforschung und der Ethnoarchäologie wird hier vor allem europaweit die Archäologie des 1. Jahrtausends verfolgt. Dazu tragen auch die verschiedenen, vom Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte selbst durchgeführten Grabungsaktivitäten bei. Diese konzentrieren sich in Form von Lehrgrabungen, die von den Studierenden als Praktika zu absolvieren sind, besonders in der vorlesungsfreien Zeit des Sommersemesters.

Eine der Lehrgrabungen, von Studierenden unter der Betreuung von Dr. Michael Meyer und Holger Grönwald organisiert und durchgeführt, fand in diesem Sommer bereits zum fünften Mal in Italien statt, wohin eine Gruppe Studierender aufbrach, um die archäologischen Untersuchungen an der mittelalterlichen Burgruine Cucagna fortzusetzen.

Blick vom Bergfried der Burg Cucagna (Foto: H. Grönwald)
Blick vom Bergfried der Burg Cucagna (Foto: H. Grönwald)

Cucagna gehört zu der kleinen Gemeinde Faedis, die den Wald der Hügel um die Burg und die Felder der fruchtbaren friulanisch-venetischen Ebene bewirtschaftet. Die Kammburg in einer Höhe von etwa 350m üNN gehört zu einem Befestigungssystem entlang der Ausläufer der Dinarischen Kette am nordöstlichen Rand der friulanischen Ebene. Sie war eines der festen Häuser adliger Familien in Norditalien, die meist Mittelpunkt einer Grundherrschaft oder eines Lehens waren. Mit der auf dem selben Bergkamm gelegenen, etwas jüngeren Anlage der Burg Zucco und einem befestigtem Stützpunkt am Fuße des Hügels bildete sie einen gut zu verteidigenden Komplex. Dieser kontrollierte die Straße von Gemona über Tarcento und Nimis nach Cividale und sicherte die Straße vom Pass Lonc über Plezzo in die friulanische Ebene.