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Fälschungsverdacht in Bernstorf – Die Fortsetzung

Ein Kommentar von Alexander Binsteiner, Geoarchäologe

22.1.2016

Die Sache ist komplex. Es geht um dubiose Fundumstände in der Archäologie, Reinheitsgrade von Gold und um Bernsteingravuren. Ein Expertenstreit ist entbrannt. Argumente und Gegenargumente werden betont sachlich ausgetauscht und über die Medien kommuniziert. Gutachten werden in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse dann aber gezielt zurückgehalten. Die längst überfälligen Analysen werden auf die lange Bank geschoben und die zuständige Behörde verweigert die Aussage. Noch ein volles Jahr soll die bereits verärgerte, wissenschaftliche Gemeinde und die Öffentlichkeit jetzt noch warten, dann soll die Lösung des Rätsels präsentiert werden – Ende 2016!

Millionensummen wurden bereits in den Ankauf von Goldartefakten, den Bau eines Museums und die Erforschung der Fundstelle gesteckt, einer bronzezeitlichen Anlage bei Bernstorf in der Gemeinde Kranzberg nahe der oberbayerischen Kreisstadt Freising - öffentliche Gelder. Der Steuerzahler hätte ein Recht, die Wahrheit zu erfahren, und zwar so, dass nicht nur im Fach Chemie vorgebildete Mitbürger sie verstehen können.

Es geht längst nicht mehr nur um Wissenschaft, sondern ein Fälschungs- und Betrugsverdacht steht im Raum, den es auszuräumen gilt. Aber die Verantwortlichen, vom Volk bezahlt, drehen ihrem Arbeitgeber den Rücken zu. Wer wird diesem Theater jetzt endlich ein Ende bereiten?

So schwierig ist es ja im Grunde nicht, wenn man es nicht zu einer Ermessensfrage von Hochschulprofessoren machen würde und man ließe nur die harten Fakten sprechen. Die Frage lautet, ist das mit 99,99 Prozent Goldgehalt sehr reine Gold der bronzezeitlichen Schmuckgegenstände aus Bernstorf nun auf natürlichem Wege entstanden oder durch Elektrolyse künstlich erzeugt worden. Die Analyse von Prof. Ernst Pernicka, dem renommiertesten Archäometallurgen im deutschsprachigen Raum, dem Mann, der den Fälschungsverdacht der weltberühmten Himmelsscheibe von Nebra ausgeräumt und die Scheibe für echt erklärt hat, und schließlich dem Mann, der 10 Jahre lang das Troja Heinrich Schliemanns ausgegraben hat, die Analyse Pernickas steht – seit über einem Jahr. Das Gold ist modern hergestellt worden und damit die Goldfunde eine Fälschung. Ein Vorwurf, den ein Mann seines Formates sicher nicht leichtfertig erhebt. Die Schiedsanalyse der Bundesanstalt für Materialforschung in Berlin, auf Anregung Pernickas vor über einem Jahr von der Archäologischen Staatssammlung in München in Auftrag gegeben, liegt jetzt offenbar ebenfalls vor. Aber man erfährt dazu kein Wort.

Die Bernsteinfunde aus Bernstorf mit einem eingeschnittenen Gesicht und weitgehend unlesbaren Schriftzeichen, das Markenzeichen des unlängst eröffneten Kranzberger Bronzezeitmuseums, wurden von einer Expertin in England auf ihre Echtheit hin überprüft. Auch dieses Gutachten liegt dem Leiter der Archäologischen Staatssammlung, Prof. Rupert Gebhard, bereits seit dem Sommer vor. Der Dame wurde allerdings vom Auftraggeber verboten, Auskünfte zu erteilen.

Vielleicht könnte aber Gebhard jetzt endlich selbst diese Ergebnisse dem wissenschaftlichen Fußvolk mitteilen. Es wäre allmählich an der Zeit!

Aber er plant indessen im Geheimen zusammen mit seinem Gefolgsmann, dem Frankfurter Archäologieprofessor Rüdiger Krause, den großen Coup. In einer gemeinsamen Aktion soll der Verdacht, der schwer auf dem Münchner Museum lastet, mit einem Schlag ausgeräumt werden – mit einer wissenschaftlichen Publikation. Die Zweifler sollen damit vernichtend geschlagen werden. Für immer soll dann Ruhe einkehren in Bernstorf.

Aber so wird es nicht laufen. Weder sind dann die mit modernster Technik erstellten Goldanalysen Pernickas vom Tisch, noch werden die bekannten Fakten dann andere sein. Also wird man sich weiter streiten mit immer neuen Experten und Gutachten - auf Kosten des Steuerzahlers. Das kann sich hinziehen.

Dem Volk wird das dann aber längst egal sein und die Goldfunde von Bernstorf werden zusammen mit dem ganzen Bronzezeit Bayern Museum in Kranzberg in aller Stille von der Bildfläche verschwinden.