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Ansporn und Ermahnung: Die Forderung des Papstes nach Kulturgutschutz in der Enzyklika »Laudato Si'«

31.7.2015
Papst Franziskus (bei seinem Besuch in Korea 2014). Foto: Jeon Han, Korea.net / Korean Culture and Information Service, Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-2.0 de (Kurzfassung). Die Originaldatei ist hier zu finden.
Papst Franziskus

Umweltzerstörung, Konsumrausch, Bequemlichkeit und die Unterordnung der Politik unter die Wirtschaft prangert Papst Franziskus in seiner Mitte Juni 2015 erschienenen Enzyklika »Laudato Si'« an. Er plädiert dafür, die Erde als »das gemeinsame Haus« aller Kreaturen besser zu schützen, und hofft, »dass diese Enzyklika, die an die Soziallehre der Kirche anschließt, dabei hilft, Größe, Dringlichkeit und Schönheit der Herausforderung zu erkennen, die vor uns steht.«

In seinem zweiten Lehrschreiben (nach »Lumen Fidei«, 2013) geht es Franziskus aber auch um den Schutz von Kulturgut: Neben dem natürlichen Erbe gebe es ein historisches, künstlerisches und kulturelles Erbe, das gleichfalls bedroht sei. »Das Verschwinden einer Kultur kann genauso schwerwiegend sein wie das Verschwinden einer Tier- oder Pflanzenart, oder sogar noch gravierender«, schreibt er (Nr. 145). Seine Äußerung entspricht den langjährigen Forderungen der DGUF, das kulturelle Erbe gleichberechtigt zur Folgenabschätzung der klassischen Belange des Natur- und Umweltschutzes (Umweltverträglichkeitsprüfung, UVP) aufzunehmen.
Weiterhin schreibt Franziskus, kulturelles Erbe sei »Teil der gemeinsamen Identität eines Ortes und Grundlage für den Aufbau einer bewohnbaren Stadt. Es geht nicht darum, etwas zu zerstören und neue, angeblich umweltfreundlichere Städte zu bauen, in denen zu wohnen nicht immer wünschenswert ist. Die Geschichte, die Kultur und die Architektur eines Ortes müssen eingegliedert werden, so dass seine ursprüngliche Identität bewahrt bleibt« (Nr. 143).

Franziskus spricht sich gegen die Abschottung des kulturellen Erbes vom gegenwärtigen Dasein aus: »Wenn die Beziehung des Menschen zur Umwelt bedacht wird, darf die Kultur nicht ausgeschlossen werden, und zwar nicht nur im Hinblick auf die Denkmäler der Vergangenheit, sondern ganz besonders in ihrem lebendigen, dynamischen und partizipativen Sinn« (Nr. 143). Dieser Punkt ist auch vor dem Hintergrund der aktuellen Energiewende in Deutschland sehr relevant: Windparks, neue Gas- und Stromtrassen etc. verbrauchen viel Fläche und zerstören dabei auch Kulturgut. Dass Umweltschutz immer vor Kulturgutschutz geht - so einfach sieht das Franziskus nicht.
Es sei, schreibt der Papst außerdem, »unumgänglich, den Gemeinschaften der Ureinwohner mit ihren kulturellen Traditionen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Sie sind nicht eine einfache Minderheit unter anderen« (Nr. 146).

Ansporn für jeden, der sich für die Erhaltung von Denkmälern einsetzt

Unzählige Bürgerinnen und Bürger engagieren sich – teilweise unter enormen persönlichen Opfern - für den Erhalt ihrer denkmalwürdigen Gebäude, wollen voller Engagement bei der Bewahrung von Bodendenkmälern behilflich sein. Die Enzyklika ist ein Ansporn für jeden von ihnen.

Ermahnung an Politiker, Investoren - und auch an Archäologen

Es ist zu hoffen, dass die Position des Papstes auch all jene Politiker und Großinvestoren erreicht, die in Bau- und Bodendenkmalpflege vor allem Investitionshemmnisse resp. Sparpotenziale sehen.
Die Position Franziskus' ist aber auch all jenen Archäologen eine deutliche Ermahnung, welche die Hinterlassenschaften der Vergangenheit als ihren amtlich oder wissenschaftlich verbrieften Besitz wahrnehmen. Die aus Bequemlichkeit und Angst seit Jahrzehnten ohne nennenswerten Widerspruch drastische Kürzungen und unzureichend formulierte Denkmalschutzgesetze hinnehmen. Die seit vielen Jahren schweigen und Probleme verschleiern, wenn gesetzliche Regelungen zum Nachteil des kulturellen Erbes gebrochen werden. Die nur dann an die Öffentlichkeit treten wollen, wenn sie entweder mit Sensationsfunden glänzen können oder aber Sorge um die eigenen Arbeitsplätze haben. Die sich stark mit innerwissenschaftlichen Pfründen befassen und die Öffentlichkeit eher als Gegner betrachten, anstatt sich bewusst zu sein, dass sie eine ethische Verpflichtung haben und treuhänderische Verwalter eines kulturellen Erbes sind, das jedem Menschen gleichermaßen gehört.

Quelle

Papst Franziskus (24.5.2015). Enzyklika Laudato Si‘ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus.
Rom: Libreria Editrice Vaticana.
http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2015/2015-06-18-Enzyklika-Laudato-si-DE.pdf [12.7.2015].