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Römische Bogenmonumente in Kork

15.3.2013
Abb. 1| Der Titusbogen in Rom im Zustand vor der Renovierung durch Valadier. Giovanni Battista Piranesi, Illustrationi di antichità romane, 1748
Abb. 1| Der Titusbogen in Rom im Zustand vor der Renovierung durch Valadier. Giovanni Battista Piranesi, Illustrationi di antichità romane, 1748
Abb. 2| Septimius-Severus-Bogen (Veduta dell’Arco di Settimo Severo). Radierung aus der Serie Veduta di Roma von Giovanni Battista Piranesi, 1772
Abb. 2| Septimius-Severus-Bogen (Veduta dell’Arco di Settimo Severo). Radierung aus der Serie Veduta di Roma von Giovanni Battista Piranesi, 1772

Heutzutage sind Bilder und Informationen über antike Bauwerke dank des Internets schnell verfügbar. Jeder kann sich innerhalb kürzester Zeit einen groben Überblick und eine Vorstellung über bekannte antike Hinterlassenschaften verschaffen. Ebenso flimmern viele Sendungen altertumswissenschaftlichen Inhaltes über die Fernsehschirme wie auch Feuilletons, Kulturrubriken und Reportagen in Zeitungen und Magazinen in kurzen Intervallen sich Themen aus diesem Bereich widmen. Die Antike ist also, für den Interessierten, stets digital, im Fernsehen oder in Printmedien greifbar.

Schon im 18. Jahrhundert keimte der Wunsch nach einer medialen Greifbarkeit der antiken Welt, wenigstens in adeligen und gebildeten Kreisen. Dieses Interesse war oftmals mit der Grand Tour[1] oder sonstigen Reisen vornehmlich nach Italien verbunden. Nicht nur die zahlreichen Ankäufe antiker Gegenstände[2] durch nordeuropäische Adelige künden von der Vorliebe für die Welt der Griechen und Römer, sondern auch Gemälde und Stiche von römischen Landschaften, wie die berühmten von Piranesi[3], werden gerne als Souvenirs mitgeführt. Kaiserkabinette mit Porträts der 12 Cäsaren nach Sueton[4] versuchen wenigstens für die Fürsten Brücken zur Antike zu schlagen. Diese Mischung aus Originalen, Bildern, Stichen und Modellen sind Abbild einer Melange aus Fernweh nach südlichen Gefilden, einem erwachten Interesse an der Kultur der Alten und einem dezidiertem Bildungsanspruch. Hinzu kommt der Wille der Herrschenden bestimmte Aspekte der Antike zum Vorbild zu nehmen und in direkter, logischer Nachfolge der römischen Elite zu stehen. Mögen Stiche, Bilder und Porträts noch den Meisten als Kunstwerke, die eine Verbindung zwischen der Renaissance und der Antike zu schaffen versucht haben, bekannt sein, ist die Gruppe der Korkmodelle antiker Bauwerke wohl den Wenigsten ein Begriff.

Hier soll es um zwei der stadtrömischen Bogenmonumente gehen, deren Modelle sich in Kassel befinden: den Titusbogen[5] (Abb. 1) und den Septimius-Severus-Bogen6 (Abb. 2). Aus heutiger Sicht fassen diese beiden Bögen das Forum Romanum architektonisch ein. Eben dieser Platz wird Thema einer 2014 stattfindenden Ausstellung im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel sein, in deren Rahmen die Modelle präsentiert werden. Dieser Artikel wird, nach einer kurzen Einführung zur Technik, sowohl diese Monumente wie auch die Modelle kurz vorstellen und beschreiben. Dabei geht es vor allen um den Vergleich des heutigen Baubestandes mit jenem des 18. Jahrhunderts, eine Rekonstruktion der antiken Situation oder eine Besprechung der Inschriften7 ist nicht angestrebt.

  • [1] Für ein schönes Beispiel einer Grand Tour und die damit verbundenen Erwerbungen siehe: V. Kockel, »Dhieweilen wier die Antiquen nicht haben konnen…« – Abgüsse, Nachbildungen und Verkleinerungen antiker Kunst und Architektur im 18. und 19. Jh., in: D. Boschung – H. von Hesberg (Hrsg.), Antikensammlungen des europäischen Adels im 18. Jahrhundert als Ausdruck einer europäischen Identität, Kolloquium Düsseldorf 7. – 10. Feb. 1996 (Mainz 2000) 37-41.
  • [2] Für Kassel sei hier besonders auf den Ankauf von Skulpturen verwiesen, der 1776/77 auch den Kasseler Apoll aus Italien nach Deutschland brachte. P. Gercke – N. Zimmermann-Elseify, Antike Steinskulpturen und neuzeitliche Nachbildungen in Kassel: Bestandskatalog (Mainz 2007) 11-13.
  • [3] G.B. Piranesi, Vedute di Roma (ca. 1760). Digital einzusehen unter: http://www.let.leidenuniv.nl/Dutch/Renaissance/Facsimiles/PiranesiVeduteRoma1760/index.htm (letzter Zugriff: 17.01.2013)
  • [4] Siehe dazu: R. Stupperich, Die zwölf Caesaren Suetons. Zur Verwendung von Kaiserporträt-Galerien in der Neuzeit, Mannheimer Historische Forschungen 6, 1995, 39-58; M. Eichberg, Das römische Kaiserporträt als Denkmal in der Renaissance, GFA 1, 1998, 117-121; K. Fittschen, Die Bildnisgalerie in Herrenhausen bei Hannover. Zur Rezeptions- und Sammlungsgeschichte antiker Porträts, AbhGöttingen 275 (Göttingen 2006).
  • [5] Inv. Nr.: N 111
  • [6] Inv. Nr.: N 112
  • [7] Titusbogen: CIL VI 945; ILS I 265. Septimius-Severus-Bogen: CIL VI 1033; ILS I 425.