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Carl Schuchhardt, 1859 - 1943

3.9.2009
Carl Schuchardt 1934 (Foto: Museum August Kestner Hannover)
Carl Schuchardt 1934

Seine Leidenschaft für neue und alte Sprachen führte Carl Schuchhardt zur Archäologie. Auf ausgedehnten Forschungsreisen in Europa widmete er sich besonders den frühgeschichtlichen Befestigungswerken und kann als Pionier der Burgenarchäologie gelten. Im August jährte sich sein 150. Geburtstag.

Carl Schuchhardt wurde am 6. August 1859 in Hannover geboren als Sohn des Graveurs und Kupferstechers Johann Heinrich Daniel Ludolph Schuchhardt.
Seine Studienjahre verbrachte er ab 1877 in Leipzig, Göttingen und Heidelberg. Neben Englisch und Französisch belegte er Seminare in Griechisch, Latein, Alte Geschichte und Kunstgeschichte.
Heidelberg war seine fruchtbarste Zeit, wie Schuchhardt selbst in seinen postum 1944 herausgegebenen Erinnerungen „Aus Leben und Arbeit" schrieb. Berühmte Gelehrte wie Friedrich von Duhn, Karl Zangemeister und Behagel begleiten seinen Lebensweg entscheidend mit.
Am 15.12.1882 promovierte Carl Schuchhardt über Schriften des Andronicus und Chrysipp. Zunächst trat er in den Schuldienst in Konstanz und Karlsruhe.

Erste archäologische Forschungen

Seine Hauslehrertätigkeit bei der Fürstenfamilie Bibesco in Rumänien von 1884-85 – er unterrichtete Latein, deutsche und französische Literatur – stößt ihn quasi auf antike Grenzbefestigungen in der Dobrudscha. Er erforscht die sogenannten „Trajanswälle" in der Gegend von Constanza bis Cernavoda. Hier gelingt es ihm erstmals drei Befestigungslinien verschiedener Zeitstellung zu ergraben. Ein Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts ermöglichte ihm 1886/87 die Beteiligung an Ausgrabungen in Olympia und Pergamon. Weitere Besuche in Troja, Larissa, Temnos und Kolophon folgen. 1890 erschien ein kritisches Buch über Schliemanns Forschungen in Troja.

Museumsjahre in Hannover

1888/89 ist Schuchhardt dann in Hannover und hält u.a. Vorträge über das griechische Athen. Gerade gibt es Überlegungen, die berühmten Sammlungen antiker und kunsthistorischer Objekte sowie Handschriften von August Kestner und Friedrich Georg Culemann zusammen in einem neu zu gründenden Museum zu präsentieren.
Am 10.11.1889 fand tatsächlich die Eröffnung des Kestner-Museums (heute Museum August Kestner Hannover) statt. Carl Schuchhardt übernahm dessen Leitung bis 1908.

Burgenforschung in Niedersachsen

Neben seiner Museumstätigkeit fand Schuchhardt Zeit, sich der Erforschung der Burgen seiner Heimat zu widmen. Seine ersten Grabungen in Niedersachsen führten ihn zur Wittekindburg bei Rulle und zur Heisterburg an der Deister. Er führte den von General von Oppermann begonnenen „Atlas vorgeschichtlicher Befestigungen in Niedersachsen" zu Ende.
1899 gelang ihm die zeitliche Einordnung des römischen Militärlagers bei Haltern in die Zeit des Drusus', das bis in augusteische Zeit bestand.

Reisen in Europa auf den Spuren frühgeschichtlicher Befestigungen

Immer wieder unternimmt Schuchhardt Reisen zu frühgeschichtlichen Befestigungswerken in Griechenland, Italien, Frankreich, England und Skandinavien.
Zusammen mit seinem Kollegen Loeschke erkennt Schuchhardt die Bedeutung des „Pfostenlochs", um ehemalige mit Holzpfosten errichtete Häuser rekonsturieren zu können. Im Laufe der Jahrhunderte verfielen diese Pfosten. An der Stelle, wo sie einmal gestanden haben, hebt sich jedoch die Erde farblich vom umgebenden Boden ab. Somit können Reihen von ehmaligen Pfosten als Hausgrundrisse erschlossen werden.
1904/05 wird in Hannover der Nordwestdeutsche Verband für Altertumsforschung gegründet unter dem Vorsitz von Carl Schuchhardt, den er bis 1934 innehat.
Es folgen weitere Grabungen auf der Pipinsburg bei Sievern, der „Heidenschanze", der Altenburg bei Niedenstein (das „Mattium" der Chatten), Vetera bei Xanten.

Berliner Jahre

Am 1.4.1908 wird Carl Schuchhardt Leiter der Vorgeschichtlichen Abteilung des Völkerkundemuseums in Berlin. Hier gräbt er auf der sogenannten „Römerschanze" bei Potsdam.
1909 gründet er die Prähistorische Zeitschrift, die bis heute erscheint. Am 9.7.1912 wird er ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften (heute Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften). Weitere Forschungsreisen führen Schuchhardt nach Polen und in die Dobrudscha. Von 1919 bis 1928 werden slawische und germanische Burgen um Berlin erforscht.
Nach seiner Pensionierung 1925 widmete sich Schuchhardt dem Schreiben. Im Jahre 1928 erschien sein Werk „Vorgeschichte von Deutschland", das bis zu seinem Tod 1943 fünf Auflagen erfuhr.
1931 erschien sein grundlegendes Buch „Die Burg im Wandel der Weltgeschichte", das Forschungsergebnisse von Ägypten, den gesamten Mittelmeerraum sowie Mittel- und Osteuropa zusammenfasst.

Mehr über Carl Schuchhardt

Literatur-Links

Biographisches