13.02.2012 - 22:20:45

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Ägypten im Zoo.

von Cornelius Holtorf -

Das Berliner Straussenhaus

Es ist kaum überraschend, daß der Zoologische Garten Berlin auch einen ägyptischen Tempel vorzeigen konnte. Er wurde um die Jahrhundertwende von den Architekten Kayser & von Großheim errichtet und diente von Anfang an als Straußenhaus. Im einzelnen hielt man hier aber nicht nur afrikanische Strausse, sondern auch südamerikanische Nandus und australische Emus und Kasuare, eine zeitlang sogar Känguruhs. Die Außenanlagen bewohnten nach 1935 auch Lamas.

Ähnlich dem Antwerpener Tempel, der als Vorbild gedient haben mag, war auch in Berlin die Architektur des Gebäudes nur grob an ägyptische Vorbilder angelehnt, während seine Ausschmückung mit größter Sorgfalt vorgenommen wurde. Für die Malereien wurde der Ägyptologe Dr. Kurth gewonnen, für den plastischen Schmuck Professor Riegelmann. Der damalige Berliner Zoodirektor Professor Ludwig Heck (1860-1951) erinnerte sich 1928:

”Die Ausgestaltung und Ausschmückung unseres altägyptischen Straußenhauses ist von den maßgebenden wissenschaftlichen Fachleuten hier bis ins Einzelne beaufsichtigt worden, und wir haben infolgedessen die Genugtuung, daß der Bau geradezu zu akademischen Lehrzwecken benutzt wird.”

Das Straussenhaus im Berliner Zoo (Postkarte)
Das Straussenhaus im Berliner Zoo (Postkarte)

Die reichhaltige Malereien zeigten Szenen aus dem Hofleben der vornehmen Ägypter, wie sie auch an den Tempeln in Ägypten selbst zu finden sind. Bezug auf die Bewohner des Hauses nahmen unter anderem Abbildungen einer Straußenjagd und eines Pharaos, dem Straußeneier überreicht werden. Zur Auschmückung zählten ferner Götterplastiken und Hieroglypheninschriften. Wie in Antwerpen wurden auch hier die Namen der Bauherrn und Architekten in ägyptischer Schrift verewigt.

Die Türen des Tempels waren ägyptischen Tempeleingängen nachempfunden. Innen wurde ein ähnlich harmonischer, ägyptischer Gesamteindruck geschaffen wie außen. Besonders viel Mühe hatte man sich mit einer aufwendigen Deckenbemalung gemacht, die die ägyptische Himmelsgöttin und die Sternbilder des Nordhimmels in altägyptischer Deutung zeigte. An der Schmalseite gegenüber des Eingangs war ein aufwendiges Diorama eingerichtet worden, das die gigantischen Memnon-Statuen bei Theben in einer überschwemmten Nillandschaft zeigte.

Leider wurde das Berliner Straußenhaus am 30. Januar 1944 durch Brandbomben weitgehend zerstört. Nach einigen provisorischen Nachkriegsreparaturen an den Ruinen, wurden die Reste 1956 endgültig abgerissen.

Dem Gegenstück in Antwerpen erging es besser. Zwar mußten die Malereien mehrfach gründlich restauriert und erneuert werden, doch zeigt sich der prachtvolle Tempel heute in neuem Glanz. Weil er die Geschichte des Antwerpener Zoos und die Eigenarten exotischer Zooarchitektur besonders eindrücklich zum Ausdruck bringt, steht er als zoogeschichtliches Denkmal seit 1983 unter belgischem Denkmalschutz.

Zu Architektur gewordene Träume

Ein interessantes Postscriptum findet sich heute im Zoo der amerikanischen Stadt Detroit. Der deutsche Tierbildhauer und Besitzer eines Privatzoos Joseph Pallenberg (1882-1964) schuf dort in den 1930er Jahren eine Reihe von ägyptisch anmutende Skulpturen und Ornamente für das Giraffengehege. Was Originalgetreuheit angeht, arbeitete er mit viel geringeren Ambitionen und weit weniger Sorgfalt als es zuvor in Antwerpen und Berlin geschehen war. Dennoch schuf er eine eindrucksvolle Anlage, die auch heute noch ein wenig altägyptische Atmosphäre herbeizaubert. Sie erinnert daran, daß Zoos nicht nur Tiere zeigen, sondern immer auch Bedürfnisse und Sehnsüchte von Menschen zum Ausdruck bringen.

Giraffengehege im Zoo von Detroit, USA. (Foto: Baldur Johann Thorvaldsson)
Giraffengehege im Zoo von Detroit, USA. (Foto: Baldur Johann Thorvaldsson)

Einige der in Zoos zu Architektur gewordenen menschlichen Träume haben die gleichen Qualitäten, die viele Reisende auch an originalen archäologischen Ruinen, beziehungsweise Rekonstruktionen unwiderstehlich finden. Sie sind Einladungen fremde Welten zu erleben.

Literatur

  • Baratay, Eric und Hardouin-Fugier, Elisabeth (2000) Zoo. Von der Menagerie zum Tierpark. Berlin : Wagenbach.
  • Holtorf, Cornelius und Van Reybrouck, David (2003) Towards an Archaeology of Zoos. International Zoo News 50, 207-215 sowie: www.zoonews.ws/IZN/325/IZN-325.htm
  • Klös, Heinz-Georg und Klös, Ursula (1990) Der Berliner Zoo im Spiegel seiner Bauten 1841-1989. 2. Auflage. Berlin: Heenemann.
  • Maclot, Petra und Warmenbol, Eugéne (1985) Bevangen door Egypte: de Egyptische Tempel in de Antwerpse Zoo in kunsthistorisch en historisch perspectief. Zoom op Zoo. Antwerp Zoo focussing on Art and Sciences , S. 359-91. Königlich Zoologische Gesellschaft von Antwerpen.

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