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Von A bis Z

Zoos sind nicht nur Plätze, an denen man in westlichen Metropolen exotischen Tierarten begegnen kann. Sie sind auch Plätze, von denen man westliche Kulturgeschichte ablesen kann. So kann sich etwa der Besucher des Zoos in Antwerpen (Belgien) am Anblick eines vor kurzem renovierten ägyptischen Tempels erfreuen.
Dieser Tempel stammt aus dem Jahr 1856 und wurde also nur ein gutes Jahrzehnt nach der Eröffnung des Zoos im Jahr 1843 errichtet. Die Plänen gingen auf den bei der Königlichen Zoologischen Gesellschaft Antwerpens beschäftigten Architekten Charles Servais (1828-1892) zurück. Er hatte zuvor den neu entstandenen Ägyptischen Palast im Londoner Kristallpalast besucht und war von ihm stark beeindruckt gewesen.
In Antwerpen war an ein Gebäude für afrikanische Tierarten wie Elefanten, Giraffen, Zebras, Nilpferde und Nashörner gedacht. Deshalb schien sich ein afrikanischer Architekturstil anzubieten. Man entschied sich für ein Gebäude in ägyptischem Stil . Wie der Besucher rasch erkennen kann, handelt sich es jedoch nicht um die Replik eines existierenden Gebäudes in Ägypten, sondern um eine Neuschöpfung in ägyptisierendem Stil.
Der Grundriß ist ähnlich der einer Basilikakirche und hat im Grunde nichts Ägyptisches. Licht fällt ein durch das überglaste ’Mittelschiff’. Der Gesamteindruck von außen ist allerdings ähnlich massiv wie der vieler monumentaler ägyptischer Gebäude.

- "Ägyptische" Malerei im Zoo von Antwerpen. (Foto: Cornelius Holtorf)
Von besonderem Interesse sind die Malereien, die seit 1861, also einige Jahre nach der Eröffnung, die Fassaden und Säulen schmückten. Sie wurden vom Belgischen Orientalisten Lodewijk Delgeur (1819-1888) entworfen und zeigen Darstellungen einer Reihe von afrikanische Tierarten sowie Episoden der Baugeschichte und Einweihung des Tempels. Bei genauerem Suchen finden sich etwa stilisierte Abbildungen des ersten Zoodirektors Jaak Kets, des Architekten Servais und des ausführenden Malers Stalins. Ebenfalls dargestellt wird das Königshaus. König Leopold I, der im Jahr der Eröffnung sein 25jähriges Thronjubiläum feierte, wird sogar mehrmals in der Art gehuldigt, wie es einst nur dem Pharao zukam. Es ist allerdings nicht überliefert, ob dies während der Eröffnungsfeierlichkeiten am 13 Juli 1856, denen der König beiwohnte, so auch praktiziert worden ist.
Wie bei ägyptischen Malereien üblich, finden sich auch hier Texte in Hieroglyphenschrift, die die Bildinhalte zusätzlich erläutern. Entlang der Front des Tempels platzierte Delgeur folgende Inschrift in Hieroglyphen: ”Im Jahre des Herrn 1856, unter seiner Majestät des Königs, der Sonne und des Lebens von Belgien, dem Sonnensohn, Leopold des Ersten, wurde dieses Gebäude als Buch für das Vergnügen von Antwerpen und die Belehrung seiner Bürger errichtet.”

