- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
- 1.2: Fundpunkt.
- 1.2.1: Ausstellungen.
- 1.2.2: Ausgrabungen.
- 1.2.3: Forschung.
- 1.2.4: Sonstiges.
- 1.3: Nachrichten.
- 1.4: Aus der Presse.
- 1.5: TV-Programm.
- 1.6: Kalender.
- 2: Guide.
- 3: Digger.
- 4: Bibliothek.
- 5: Mediathek.
- 6: Forum.
- 7: Club.
- 8: Autoren.
- 9: FAQ.
Von A bis Z

Zwei Welten
Diese Szenerie ist erfunden und doch völlig realistisch. Einige der Vorurteile, die Wissenschaftler und Journalisten einander gegenüber hegen, stecken in ihr: Wissenschaftler seien detailbesessen und ihrer Fachsprache verhaftet. Sie hätten kein Gespür für die Notwendigkeiten des journalistischen Alltags. Journalisten wiederum hätten keine Ahnung von der Sache, über die sie schreiben. Unter solchem Zeitdruck könnten einfach keine guten Beiträge entstehen. Woher könnte man denn im Voraus wissen, was ein Journalist alles für einen Beitrag benötigt!?
An Stelle des Archäologen könnten auch ein Kernphysiker oder ein Sozialwissenschaftler stehen. Die Szenerie soll keineswegs das Bild vom tadellosen Journalisten und dem "abgehobenen" Wissenschaftler beleben. Vielmehr soll sie bildhaft verdeutlichen, wie es kommt, dass so manches schief läuft in der Kommunikation zwischen Forschern und Medien.
Wissenschaftler wie Journalist suchen die "Wahrheit" darzustellen. Ihre Mittel sind genaue Beobachtung des Sachverhaltes, kritisches Hinterfragen, sorgfältiges Abwägen einer jeden Aussage. Das ist ihnen gemeinsam.
Aber sie kommen aus verschiedenen Welten, sie müssen sogar aus verschiedenen Welten kommen: Während der Forscher Monate, ja Jahre für eine Sache forscht, stehen dem Journalisten für einen Beitrag manchmal nur Tage oder gar Stunden zur Verfügung.
Der Fachmann für Linearbandkeramik kennt sich wahrscheinlich mit Etruskern nicht aus. Der Journalist hingegen darf in den allermeisten Fällen nicht hoch spezialisiert sein, muss er doch vielseitig eingesetzt werden können.
Für den Forscher sind sein Ergebnis und seine Methodik das Wichtigste. Für den Journalisten ist es der Bezug zum Lebensalltag seines Publikums.
Wissenschaftler werden sich hüten, eine Erkenntnis als absolut gesichert zu bezeichnen. Journalisten können den jeweiligen Grad der Unsicherheit meistens nicht präzis abbilden, weil sie eine Geschichte auf den Punkt bringen müssen.
Wissenschaftler und Journalisten leben außerdem in unterschiedlichen Sprachkulturen: Wer Teil einer scientific community ist, bedient sich ihres Jargons. Journalisten müssen so arbeiten, dass ihr Publikum Gefallen am Thema findet. Eine Grundbedingung hierfür ist die Allgemeinverständlichkeit der Sprache.
Selbstverständlich machen Journalisten Fehler. Ja, viele von ihnen werden außerdem einen Goldfund erst einmal spannender finden als den dreizehnten mittelalterlichen Brennofen in der Region. Die große Frage ist aber: Was soll die Konsequenz aus dieser Situation sein?
Was tun?
Wissenschaft braucht Öffentlichkeit. Sie ist auf die Akzeptanz derer angewiesen, die mittels Steuern ihre Existenz sichern. Immer häufiger wird die Vergabe von Fördergeldern an die Bedingung geknüpft, dass Forscher ihre Ergebnisse auch einem Laienpublikum gegenüber präsentieren und zugänglich machen. Untersuchungen zeigen, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung auch durchaus Interesse an wissenschaftlichen Themen hat.
Um den Anfang wieder aufzugreifen: Darf man Halt machen an der Behauptung, Medien interessierten sich nicht für hiesige Archäologie und allenfalls für Pyramiden voller geopferter Jungfrauen mit Goldschmuck?
Nein! Erstens führt die Klage zu nichts. Zweitens ist sie nicht begründet. Archäologische Themen sind bei Redakteuren durchaus beliebt. Regelmäßig finden sie Platz auf den Titelseiten großer Magazine. Die Fernseh-Programme der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der ARD (die "dritten Programme") interessiert besonders der regionale Aspekt: Was passiert in unserem Sendegebiet? Eine hervorragende Chance für die Archäologen! Ebenso verhält es sich mit den Wissenschaftsstrecken der Hörfunkwellen. Sogar in kalendarischer Sicht ist Fortuna den Altertums-Forschern hold: Ausgrabungen finden häufig im Sommer statt, und während der großen Schulferien herrscht in Redaktionen Themenmangel – eine perfekte Gelegenheit, auf seine Forschungsarbeit aufmerksam zu machen.
Wer als Wissenschaftler wirklich mit Massenmedien arbeiten möchte, hat mit diesem Willen den ersten und wichtigsten Schritt getan. Wer die unterschiedlichen Bedingtheiten der anderen Seite begreift (es sind viele mehr als hier knapp angerissen) und akzeptiert, den zweiten. Das andere ist Handwerk, das in kleinem oder größerem Umfang erlernt werden kann.
Das Handwerk
Eine Gelegenheit, den Umgang mit Massenmedien zu schulen und mehr über sie zu erfahren, bietet ein Medientraining speziell für Archäologen. Ein solches findet auf dem diesjährigen Kongress der European Association of Archaeologists statt:
"Archaeology and the Popular Media: A Workshop on Getting the Message Across." – Ziel dieses eintägigen Workshops ist es, Archäologen den Umgang mit Medien vertrauter zu machen. Ein Schwerpunkt werden die unterschiedlichen Bedürfnisse von Fernsehen, Hörfunk, Print und Internet gegenüber wissenschaftlichen Themen sein. Was können Archäologen tun, um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen? Wie ist ein guter Pressetext geschrieben und strukturiert? Wie kann die Wahrscheinlichkeit verringert werden, dass sich Fehler in journalistische Beiträge einschleichen?
Praktische Übungen werden Teil des Workshops sein. Teilnehmer mit und ohne Vorerfahrung mit Massenmedien sind gleichermaßen willkommen. Die Sprache, in der der Workshop gehalten ist, wird Englisch sein. Für dieses Medientraining fallen außer den Kongresskosten keine zusätzlichen Gebühren an.
Organisatoren/Trainer sind:
Diane Scherzler, Archäologin, Media Advisor Europe for the World Archaeological Congress, langjährige Redakteurin beim Südwestrundfunk.
Gerry Wait , Direktor Heritage and Archaeology in einer multidisziplinären Beratungsfirma mit Büros in verschiedenen Ländern.
Internet-Angebot des 10. jährlichen Treffens der European Association of Archaeologists (8.-11. September 2004, Lyon):
http://www.eaa-lyon-2004.org/



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