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Die Puntfahrten als Archetypus späterer Entdeckungsreisen

Zur Rezeption der ägyptischen Puntfahrten in der entdeckungsgeschichtlichen Literatur

Ägyptische Mannschaft an Bord ihres Schiffes (private Aufnahme, Bearbeitung durch A. Brunn)

Der nachfolgende Aufsatz widmet sich der Rezeption der ägyptischen Puntfahrten, namentlich derjenigen in der Ägide Königin Hatschepsuts, in der Literatur zur Universalgeschichte der Entdeckungs- und Forschungsreisen.1 Um die Puntfahrten im Kontext dieser Reisen angemessen verorten zu können, seien einleitend einige Bemerkungen zur Geschichte der Entdeckungen sowie zum Begriff der "Entdeckungs" - und "Forschungsreise" angebracht.2 Nach Phasen früher Entdeckungen in der Antike (z.B. Pytheas Fahrt nach "Thule"; Alexander-Zug nach Asien) und im Mittelalter (z.B. Entdeckung Amerikas durch die Wikinger; Marco Polos Reisen in Asien) spricht man in der historischen Wissenschaft von dem großen "Zeitalter der Entdeckungen" (von etwa 1450 bis 1630)3, gekennzeichnet durch die Entdeckung des Seeweges nach Indien (Vasco da Gama) und die Eroberung des portugiesischen Weltreichs in Asien, sowie durch die Entdeckung und Eroberung Amerikas (Kolumbus und spanische Konquistadoren).4 Antriebe und Motive hierfür waren vor allem ökonomische Profit- und Raubgier, Eroberungsdrang, aber auch Ruhmsucht und Missionseifer. Sodann folgte das sogenannte "Zweite Entdeckungszeitalter" im 18. Jahrhundert5, welches durch die Aufklärung geprägt und in dem neben vorrangigen imperialen und kommerziellen Interessen doch auch "uneigennützige Wißbegier" ein "bezeichnendes Charakteristikum" war (maßgebend hierfür waren die Weltreisen von James Cook).6 Schließlich folgte von 1815 bis 1914 ein großes "Zeitalter der Erforschung" der Erde7, in dem es (im Kontext des aufkommenden Kolonialismus und Imperialismus) zur fortschreitenden Verwissenschaftlichung der Entdeckungsreisen, zur Tilgung der letzten "weißen Flecken" auf den Landkarten und zur immer genaueren Vermessung der Welt kam (maßgebend hierfür war die Amerikanische Reise Alexanders von Humboldt).8 Dabei spielten auch der persönliche Forscherdrang und die Ruhmsucht der daran beteiligten Reisenden und Wissenschaftler eine nicht unbedeutende Rolle.

Der Blick auf diese historischen Epochen der Entdeckungs- und Forschungsreisen war lange Zeit ein primär eurozentrischer, da "die größten Impulse zur Schaffung unseres heutigen Erdbildes von Europa ausgegangen sind." 9 Doch mittlerweile ist diese eurozentrische Verzerrung der Perspektive auf die Entdeckungsgeschichte aufgebrochen und zumindest ansatzweise korrigiert worden.10 Denn auch die bedeutenden Errungenschaften nicht-europäischer Völker und Kulturen in der Universalgeschichte der geographischen Reisen und Entdeckungen dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Dem Geographie- und Reise-Historiker Hanno Beck zufolge müssen letztlich die verschiedenen "Kulturkreise" bzw. Kulturen "ihre Geschichte der Geographie und der Reisen selbst schreiben".11 Denn eine "Entdeckungsreise" durchzuführen, bedeutet ganz allgemein "ein Stück der Erdoberfläche für einen Kulturkreis zuerst wahrnehmen".12 Dies geschieht in der Regel durch eine Beschreibung in Wort und/oder Bild bzw. durch die Zeichnung einer Karte. Eine "Forschungsreise" erfordert darüber hinaus eine vertiefte (quasi-) "wissenschaftliche" Erfassung des entdeckten "Stücks der Erdoberfläche". Die Antriebe und Motive zu solchen Reisen dürften über die Jahrtausende immer wieder in je spezifischen Ausprägungen Mischformen von ökonomischen, politischen und intellektuellen Interessen gewesen sein.

Zu den prominenten Vermächtnissen der Universalgeschichte der Entdeckungs- und Forschungsreisen gehören zweifellos die Puntfahrten der alten Ägypter, die der Ägyptologie und Archäologie noch bis heute Rätsel aufgeben, besonders hinsichtlich der genauen Lage des Landes Punt.13 In der entdeckungsgeschichtlichen Literatur, in welcher die Fahrten nach Punt in der Regel unter den Rubriken "Frühe Entdeckungsreisen" oder "Entdeckungsreisen der Antike" abgehandelt werden, gelten diese als die ältesten dokumentierten Entdeckungsfahrten der Menschheit. So lässt denn Raymond Howgego sein "Buch der Entdeckungen" auch mit den ägyptischen Puntfahrten beginnen.14 Seit dem Alten Reich gehörte Punt zu den wichtigsten Handelspartnern Ägyptens.15 Doch "wie und wann die Ägypter den Weg nach Punt erstmalig gefunden haben, ist völlig unbekannt. Selbstverständlich waren hierzu "Forschungsreisen", sicher sogar in recht grosser Zahl, notwendig, von denen aber jegliche Kunde aussteht", wie Richard Hennig in seiner Studie zu den wichtigsten vorkolumbischen Entdeckungsreisen schreibt.16 Die mangelnde Kenntnis der Forschung über diese frühen Reisen ist durchaus erklärlich: "Je weiter diese Unternehmungen in die Vergangenheit zurückreichen, desto schwerer ist es, die genauen Umstände dieser Pionierleistungen zu eruieren."17

In fast allen älteren und jüngeren Publikationen zur Geschichte der Entdeckungen finden sich mehr oder weniger ausführliche und ausdrückliche Hinweise auf diese und Würdigungen dieser Fahrten, namentlich der von Königin Hatschesput (Neues Reich: 18. Dynastie; 1473-1458 v. Chr.18) angeordneten Punt-Expedition. Francois Bellec hält deren See-Expedition in das Land Punt gar für ein "Schlüsselereignis in der Geschichte der Zivilisation".19 In ihrem Lexikon der Entdeckungsreisen würdigen Heinrich Pleticha und Hermann Schreiber die Puntfahrten der Hatschesput als den Ursprung von Entdeckungsunternehmen überhaupt: "Seit die Pharaonin Hatschesput vor mehr als dreitausend Jahren stolz ihren Bericht über eine weite Meerfahrt in die Wände eines Tempels ritzen ließ, haben die Menschen immer wieder von ihrem Aufbruch ins Ungewisse, von der Suche nach fernen Ländern, Fahrten auf unbekannten Meeren, Märschen durch Dschungel und Wüste berichtet."20 Das wunderbar illustrierte Buch der frühen Entdeckungsreisen von Björn Landström ist sogar "der ägyptischen Königin Hatschesput gewidmet, die als erste eine Entdeckungsreise in Wort und Bild beschreiben ließ."21

Ankunft im Land Punt (private Aufnahme, Bearbeitung A. Brunn)
Ankunft im Land Punt (private Aufnahme, Bearbeitung A. Brunn)

Allerdings ist die Charakterisierung dieser Puntfahrt als "Entdeckungsreise" oder "Forschungsreise" durchaus umstritten. In erster Linie waren die Punt-Fahrten und auch die von Hatschesput ausgesandte Punt-Expedition wohl "Handelsmissionen".22 Eine "Forschungsfahrt war diese Expedition freilich nur in dem Sinne, dass sie nachforschen sollte, ob und wie weit die seit 300 Jahren zerrissenen Handelsbeziehungen zu dem gesegneten, mit tropischen Schätzen aller Art überreich ausgestatteten Weihrauchlande wieder in Gang gebracht werden konnten," wie Richard Hennig deutlich macht.23 So galt es, "eine "Forschungsreise" zur Wiederauffindung des verlorenen Handelsgebietes ins Werk" zu setzen.24 Ganz allgemein lassen sich altägyptische Land- und Seereisen nicht uneingeschränkt mit Entdeckungs- und Forschungsreisen späterer Zeiten gleichsetzen: "Egyptian exploration was no product of individual whim, no romantic quest. It was part of the struggle of a civilization to adapt in order to survive. It was the consequence, generally speaking, of the initiative of strong rulers who knew that knowledge was power, and who recognized that their authority could be extended by controlling supplies of precious commodities."25 Gleichwohl neigen die meisten Autoren entdeckungsgeschichtlicher Werke dazu, der von Hatschesput ausgesandten Puntexpedition den Rang der ersten (dokumentierten) Forschungsreise der Menschheitsgeschichte zuzubilligen.26 Dabei nehmen sie offensichtlich Bezug auf eine diesbezügliche, in diesem Sinne interpretierbare Formulierung der Inschrift in ihrem Grabtempel: "Suche die Wege nach Punt! Erschließe die Straße zur Myrrhenterrasse! Führe das Heer auf dem Wasser und auf dem Lande!" (nämlich) um die Wunder aus dem Gottesland zu bringen ..."27 So bezeichnet Richard Hennig die Puntfahrt der Hatschesput als "älteste Forschungsreise, die in den altüberlieferten Inschriften ausdrücklich als solche bezeichnet worden ist."28 Den betreffenden Passus zitiert er folgendermaßen: "Ein Orakel des Gottes Ammon gebot alsbald auszuführen, was die Königin wünschte, und forderte "die Wege nach Punt zu erforschen" und Myrrhen von dort herbeizuschaffen."29 Solcher Einschätzung schließt sich auch Walter Raunig an, obwohl er der Hatschesput-Expedition wesentlich einen Handelscharakter zubilligt: "Wenn diese Expedition auch praktischen Zwecken diente, so war sie doch zugleich auch eine echte Erkundungs- und Forschungsfahrt fremder Länder (wie dies die Inschrift von Deir-el-Bahari auch aussagt). So kann sie mit Recht als erste große, schriftlich belegte Forschungsreise der Geschichte gelten."30 Ähnlich sieht auch Walter Krämer in seinem Buch über die frühesten Entdeckungen unserer Erde in der schriftlichen und bildlichen Dokumentation der Hatschesput-Expedition einen Bericht, "der als der früheste über eine Forschungsexpedition überhaupt angesehen werden kann."31

Auf diese Weise ging Hatschesput "durch ihre groß angelegte Expedition zur See als erste Frau mit bedeutendem Unternehmungsgeist in die Geschichte ein."32 Durch ihre Punt-Expedition erlangte sie "eine Unsterblichkeit, die wohl ihre kühnsten Träume übertraf: Jeden Tag beschauen Hunderte von Touristen die lebendige Beschreibung dieser Expedition, die als Schmuckwerk ihres Totentempels nahe dem Tal der Könige die Jahrtausende überdauert hat."33 Mit eindrucksvollen farbigen Illustrationen bringen auch Kinder- und Jugendbücher zur Geschichte der Entdeckungen die von Hatschesput entsandte Puntexpedition einem jüngeren Publikum zur Kenntnis.34

Die Königin fand auch Eingang in lexikalische Zusammenstellungen berühmter Entdecker der Welt, in denen sie als "Entdecker"-Persönlichkeit verzeichnet wird, obwohl sie nie auf einer der Puntfahrten persönlich dabei war.35 Ähnlich wie der spätere berühmte "Heinrich der Seefahrer" (1394-1460), der bekanntlich nie selbst zur See fuhr, jedoch die portugiesischen Kapitäne mit der Suche nach einem Seeweg nach Indien um Afrika beauftragte, war Hatschesput nur die Initiatorin und Auftraggeberin ihrer Punt-Expedition. Allgemein kann man mit Holger Sonnabend für Entdeckungsfahrten in der Antike konstatieren, "dass ein entscheidender Impuls zu diesen Fahrten von einzelnen Herrschern ausging, die aus politischen, wirtschaftlichen und militärischen Gründen ein vitales Interesse daran hatten, die Welt besser kennen zu lernen und unbekannte Regionen von kundigen Persönlichkeiten erforschen zu lassen."36

Als zentrales Motiv für die Puntfahrten der Ägypter wird in der einschlägigen Literatur zur Geschichte der Entdeckungen deren ökonomisches Interesse angegeben.37 Es sei darum gegangen, bei dem Import wichtiger Rohstoffe, insbesondere pflanzlicher Aromata (Myrrhe, Weihrauch), den lästigen und teuren Zwischenhandel an Land zu umgehen und die begehrten Produkte direkt beim Erzeuger einzuhandeln.38 Damit ähnelte der Antrieb zu diesen Fahrten den späteren Entdeckungsreisen der Portugiesen, die im Zeitalter der Entdeckungen um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert um Afrika herum den Seeweg nach Indien fanden und nutzten, um den Zwischenhandel an Land auszuschalten und in den gewinnträchtigen Seehandel mit Gewürzen (Pfeffer, Zimt, Gewürznelken und Muskat) einzusteigen: "Den Gewürzhandel dominierten zunächst italienische Stadtstaaten. Zwischenhändler asiatischer Güter waren die ägyptischen Mamelucken, die das Rote Meer und weite Teile der Levante beherrschten. Ihre Vormachtstellung wurde zunehmend von den Osmanen bedroht. Eine lukrative Beteiligung Portugals am Handel mit dem fernen Asien war daher nur über die Entdeckung einer neuen Transportroute möglich."39

Darstellung eines Hauses in Punt auf einem Relief in der Punthalle des Totentempels der Hatschepsut (Foto von Hans Bernhard (Schnobby), CC-BY-SA, Hervorhebung A. Brunn)
Darstellung eines Hauses in Punt auf einem Relief, das während der Herrschaft von Hatschepsut entstand

Das Zielgebiet der Puntfahrten wird in der Literatur zur Geschichte der Entdeckungen sehr unterschiedlich lokalisiert, je nach dem Stand der jeweiligen Forschung, der Präferenz für bestimmte Theorien und Forscher, sowie der jeweils herangezogenen wissenschaftlichen Fachpublikationen. Dabei reicht die Lokalisierung des Landes "Punt" von afrikanischen Landstrichen entlang des Roten Meeres über die Somalihalbinsel bis hin zum östlichen und südlichen Afrika, nach Südarabien40 und sogar bis in die Indik-Region hinein.41 Generell gilt: "Die Beschäftigung mit antiker Geographie bzw. Historischer Geographie ist immer auch begleitet von der Einsicht in die Unausweichlichkeit limitierter Aussagemöglichkeiten."42 Der aktuellste "Atlas der Entdeckungen" (2011) verortet "Punt" in einem "Gebiet um den heutigen Albertsee oder an der eriträisch-äthiopischen Rotmeerküste."43 Björn Landström meint, dass "Punt" gar nicht so sehr die Bezeichnung für einen konkreten geographischen Ort gewesen sei, sondern vergleichbar dem Begriff "Indien" im Zeitalter der Entdeckungen eine Art von Sammelbegriff für weit gestreute, fern liegende Regionen war, aus denen man wertvolle Produkte bezog: "Mit Punt können ...all die reichen Länder im Süden ... gemeint sein, wie man später unter dem Namen "Indien" all die Schatzländer östlich und südlich von Palästina verstand."44 Bereits in der Antike gab es die Vorstellung vom "Fabel- und Wunderland Indien."45 Für Waldman und Wexler ist Punt "a reference to all the territory south of the Gulf of Aden."46 Ray Howgego hält es gar für sinnlos, "zu fragen, wo genau das geheimnisvolle Punt gelegen haben könnte", denn es "war weniger ein konkreter Ort als eine geistige Vorstellung, die unterschiedlichen Menschen Unterschiedliches bedeutete."47 Womöglich regte Punt im Kontext einer "Mythischen Geographie"48 als "weit entferntes und eindeutig nicht-ägyptisches Land" auch "die Phantasie der Menschen an, ähnlich wie bei uns Eldorado oder Atlantis".49 In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, warum die alten Ägypter und namentlich die Königin Hatschesput ihren Zeitgenossen und der Nachwelt nicht genauere Angaben über die Lage des Landes Punt hinterlassen haben, dessen Menschen, Natur und Produkte sie ansonsten ja sehr detailliert beschrieben und bildlich dargestellt haben? Es könnte sein, dass die Ägypter ähnlich wie später die Phönizier und im Zeitalter der Entdeckungen die Portugiesen ihre Fahrtrouten, Zeit- und Ortsangaben sowie Zielgebiete und Landkarten vor Handelskonkurrenten geheim halten wollten: "Wenn uns präzise Angaben bezüglich Punt und der ägyptischen Schiffahrt im allgemeinen fehlen, so muß darauf hingewiesen werden, dass es für die Seefahrer und Kaufleute der Antike charakteristisch war, aus Sorge vor der Konkurrenz keine genauen Itinerare anzugeben."50 Doch womöglich sind diesbezügliche Texte oder Karten der ägyptologischen Forschung bislang nicht bekannt oder sie existieren gar nicht, da man seinerzeit eine präzise Beschreibung des Weges nach Punt für den Zweck der Texte, in denen darauf Bezug genommen wird, gar nicht für nötig hielt.

Neben den Expeditionen Harkhufs in das Land "Yam" stellen die Puntfahrten auch das früheste Kapitel in der Entdeckungsgeschichte Afrikas dar,51 wie Kurt Hassert in seinem Buch zur Erforschung Afrikas hervorhebt: "Die erste Erforschung Afrikas ging von dem uralten Kulturlande Ägypten aus."52 Für Peter Simons waren die Ägypter die ersten "Entdecker an Afrikas Küsten".53 Für Walter Krämer ist es "von erstrangiger Bedeutung, dass die Entdeckung Afrikas von einem afrikanischen Staat, der zu den ältesten Kulturreichen der Erde gehört, ihren Ausgang nahm, nämlich von Ägypten."54 Die überlieferten Ergebnisse der Puntfahrten hoben "für einen Augenblick den Schleier von einem Gebiet, das erst mehr als 1000 Jahre später in hellerem Licht erscheinen sollte."55

Die altägyptischen Seefahrten nach Punt nehmen auch einen prominenten Platz in Publikationen zur Seefahrtsgeschichte ein. So behandelt das Prachtwerk zur Geschichte der Seefahrt von Johnson und Nurminen einen Zeitraum "von den ersten dokumentierten Reisen der Ägypter bis zu A.E. Nordenskjölds wissenschaftlichen Erkundungen im späten 19. Jahrhundert."56 Auch das voluminöse Werk von Lächler und Wirz über die "Schiffe der Völker" widmet sich den altägyptischen Fahrten nach Punt und würdigt die mit Schiffsdarstellungen versehenen Reliefs der von Königin Hatschesput ausgesandten Punt-Expedition als einzigartige Dokumentation einer maritimen Entdeckungsreise in frühester Zeit.57 Waldman und Wexler zufolge kann diese Expedition als "the first recorded, long sea journey in history" gelten.58 Sogar als eine "erste ozeanografische Expedition" wurde diese Punt-Fahrt bezeichnet, von der angeblich auch Gelehrte profitierten: "Sie betrieben Studien über das Klima und die Strömungen und beschrieben eine Vielzahl verschiedener Fischarten."59 Die maritimen Fahrten nach Punt sind zweifellos "eine so ungeheure Leistung gewesen, dass sie hochentwickelte Seefahrzeuge zur absoluten Voraussetzung" hatten.60 Um die Seetüchtigkeit altägyptischer Schiffe zu testen, hat der Franzose A. Gil-Artagnan mit dem Nachbau eines Schiffes aus der Zeit Hatschesputs in den Jahren 1987 bis 1990 vom Roten Meer kommend Afrika umsegelt.61 Die Abbildungen jener Schiffe sind wohl die ältesten Darstellungen von Schiffen, die das Rote Meer befuhren.62 Die Seefahrten nach Punt müssen ein mühevolles und gefährliches Unternehmen gewesen sein, zumal das Rote Meer ein unsicheres Fahrwasser mit zahlreichen ausgedehnten Korallenriffen, felsigen kleinen Inseln und schroffen Felswänden war, und dessen unwirtliche und fast menschenleere Küsten kaum Möglichkeiten boten, anzulanden, um Proviant und frisches Trinkwasser aufzunehmen.63 Zudem war die Hitze im Sommer fast unerträglich. Neuere Ausgrabungen in dem ägyptischen Rotmeer-Hafen Marsa Gawasis, der als altägyptischer Stützpunkt für die Expeditionen nach Punt diente, haben der Forschung spektakuläre Einblicke in die maritime Logistik dieser Expeditionen gegeben (u.a. Werkstätten, Magazine, Schiffsteile, Schiffstaue).64

Eine anschauliche und lebendige, wenn auch fiktive Schilderung einer Seefahrt nach Punt hat Bruno Tavernier gewagt: " Unter rituellen Gesängen schoben die Matrosen die Schiffe ins Wasser. Die Ruderer begannen, im Takt der Peitschen ihrer Aufseher die langen Ruder einzutauchen. Nachdem die Inseln passiert waren, formierte sich die Flotte. Am lotusförmigen Bug beobachtete ein Lotse die Wellen, um Riffe anzuzeigen. Sobald der Wind wehte, heißte man die rechteckigen Segel. An Bord waren auch Soldaten, um die Mannschaft zu bewachen, und Zimmerleute, um die Schiffe in Stand zu halten. An den Wasserstellen, am Fuße der roten Klippen, versorgte man sich mit brackigem Wasser und frischen Lebensmitteln, die man den Fischern oder Nomaden abkaufte. Dann brach man wieder auf und hielt sich fern der öden Felsküste, an der man hin und wieder Lagerplätze sah. ... Eines Tages war das Ende der Reise erreicht; ein Dorf mit Strohdächern tauchte auf. Man reffte die Segel und ruderte näher."65

Nicht zuletzt sei noch auf einen besonderen maritimen entdeckungsgeschichtlichen Aspekt der Puntfahrten hingewiesen, bei deren Schilderungen die Nachwelt auch "zum ersten Male von Schiffstransporten über Land" hört, "einer Gepflogenheit, der wir noch im vergangenen Jahrhundert bei Entdeckungsexpeditionen begegnen können. Schon die alten Ägypter verstanden es, Schiffe über Land zu transportieren, da sie die Schiffsteile mittels Zapfen und Klammern zusammensetzten, also keine Nägel verwandten."66 Dies war eine Technik, "die in ähnlicher Weise im 19. Jahrhundert etwa von Stanley bei der Erforschung des Kongostromes wieder aufgegriffen wurde."67

Zu den maritimen entdeckungs- und kulturgeschichtlichen Aspekten der Punt-Fahrten gehören schließlich auch die "Seemannsgeschichten", die offenbar im Kontext dieser Fahrten entstanden sind. Noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts galten die Gewässer des Roten Meeres als die unsichersten der Erde. Dennoch wurden sie bereits seit frühesten Zeiten von Seeleuten aus Ägypten befahren. Diejenigen unter ihnen, die das Land Punt tatsächlich aufgesucht und gesehen hatten, malten womöglich "ihre Abenteuer in bunten Farben aus und ließen ihrer Phantasie freien Lauf,"68 wie es Seeleute immer getan haben, von den Irrfahrten des Odysseus in der Antike über die Abenteuer Sindbad des Seefahrers im Indischen Ozean und die Meerfahrt des Heiligen St. Brendan im Nordatlantik im Mittelalter bis hin zu den Robinsonaden in der Neuzeit. Daher verdanken wir den gefährlichen Gewässern der Puntfahrten "auch die älteste Beschreibung eines Schiffbruchs, die von einem anonymen Robinson Crusoe aus Ägypten geschrieben wurde",69 nämlich die "Erzählung des Schiffbrüchigen", eine der volkstümlichen Erzählungen des Alten Ägypten.70 Hierauf Bezug nehmend verweisen Cary und Warmington in ihrem Band zu den "Entdeckungen der Antike" auf Berichte über fiktive Forschungsfahrten der Ägypter: "So besaßen die alten Ägypter neben den wahren Berichten von den Handelsfahrten nach Punt auch bloße Märchengeschichten von Männern, die angeblich dorthin aufgebrochen waren. Typisch dafür ist die auf einem Papyrus des Mittleren Reichs überlieferte Geschichte eines Seemanns, der unterwegs Schiffbruch erlitten und über seine Abenteuer berichtet hatte; sie ähnelt in mancher Hinsicht einer Episode der Odyssee und den Reisen Sindbads in Tausendundeine Nacht."71

Mitglieder der Handelsexpedition in das Land Punt. Darstellung im Totentempel der Hatschepsut (Foto von Σταύρος, CC BY 2.0)
Mitglieder der Handelsexpedition in das Land Punt. Darstellung im Totentempel der Hatschepsut

Die Puntexpedition der Königin Hatschesput wurde bekanntlich nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern geschildert, und gilt damit in der entdeckungsgeschichtlichen Literatur als der "erste illustrierte Reisebericht der Welt"72 bzw. als eine der frühesten und ausführlichsten "Reisereportagen der Menschheitsgeschichte"73. Die detaillierten Abbildungen in der Punthalle gehören somit "zu den ältesten uns bekannten Zeugnissen von Entdeckungsreisen" überhaupt.74 Für Francois Bellec ist die Darstellung der Seefahrt nach Punt im Grabtempel der Hatschepsut "eines der schönsten Kunstwerke, die je dem Meer gewidmet wurden".75 Die prachtvollen Abbildungen sollten zweifellos die Taten der Königin verherrlichen und ihr unsterblichen Ruhm verleihen, doch für die Nachwelt sind sie "the first dramatic record of exploration as a great human endeavour."76 Damit steht die Punt-Expedition der Hatschesput , wenn man von einigen neu aufgefundenen früheren Bildzeugnissen (Myrrhebäume und Schiffe) vom Aufweg der Pyramide des Sahure (Altes Reich: 5. Dynastie, 2487-247577) in Abusir absieht78, am Beginn der illustrierten Berichterstattung über Entdeckungsreisen, über fremde Länder, Menschen und Kulturen sowie über die Flora und Fauna neu entdeckter Landstriche. Denn zum Ertrag vieler entdeckungsgeschichtlicher Reisen gehörten nicht nur die schriftlichen Aufzeichnungen über diese, "sondern auch die gezeichneten oder gemalten Bilder der Welt, und neben den Textverfasser ... trat der Illustrator...Wenn man gewisse Reiseberichte aufschlägt, steht einem der Atem still – so viel farbiges, unverwelktes Leben entfernter Landschaften und Geschöpfe, so viel Weltschönheit, so viele Szenen aus dem großen Drama der Erderforschung treten einem aus Holzschnitten, Kupferstichen, Lithographien, Aquatintablättern usw. entgegen. Das Expeditionsbild führt weiter, wo das schildernde Wort nicht mehr ausreicht." Das Expeditionsbild verleiht den Reisen "lebendige Dauer und gibt es ... an den heutigen Menschen weiter. ... Unter den Illustratoren gibt es solche, die selber "dabei" waren und andere, die nie an einer Expedition teilnahmen."79

Die ersten einigermaßen authentischen Bilder von "Indianern" in der "Neuen Welt" (Amerika) erreichten die europäische Bevölkerung nach den Vorlagen des Malers und Expeditionsleiters John White, der im Auftrag von Sir Walter Raleigh zwischen 1584 und 1590 eine englische Kolonie an der Ostküste Nordamerikas gründen sollte.80 Erste Bilder von Indianern an der Westküste Nordamerikas malte John Webber als Mitglied der dritten Weltreise des englischen Entdeckers und Kapitäns James Cook. Dessen drei Weltreisen und Expeditionen im 18. Jahrhundert waren die ersten, "in which artists were included as part of a scientific initiative to study the natural history of places visited and the new societies and material cultures encountered."81 Die Welt der Prärie-Indianer wurde den Europäern erst durch den schweizerischen Maler Karl Bodmer vermittelt, der von 1832-1834 an der Expedition des Prinzen Maximilian zu Wied an den oberen Missouri teilnahm.82

Auf ähnliche Weise, wie mitreisende Künstler auf Expeditionen seit dem 16. Jahrhundert der europäischen Bevölkerung ihrer Zeit und der Nachwelt erste authentische Bilder von den "Indianern" und der "Neuen Welt" vermittelten, so brachten und bringen die Abbildungen der Punt-Expedition Königin Hatschesputs den alten Ägyptern und uns heute Lebenden das Land Punt und dessen Bewohner nahe. Auch in dieser Hinsicht kommt den farbigen Reliefs zur Illustration dieser Puntreise daher eine große entdeckungsgeschichtliche und kulturhistorische Bedeutung zu, "vermitteln sie uns doch ein klares Bild von den Reisenden, den Schiffen und dem Lande Punt – viel zuverlässiger als die Kupferstiche, die im 16. Jahrhundert alte Entdeckungsreisen schildern."83 Die Reliefs und Inschriften im Tempel von Deir-el-Bahari "constitute the earliest known illustrated account of travel and exploration", wie Waldman und Wexler hervorheben.84 Die Genauigkeit und Ausdruckskraft dieser Darstellungen lassen vermuten, "dass an dieser Expedition nicht nur Seeleute und Soldaten, sondern auch Künstler teilnahmen", die "wunderbare Dinge" zu sehen bekamen, "die sie später detailgenau wiedergaben" und damit "einen wahren Schatz für die Nachwelt" hinterließen.85 Darüber hinaus zählt die Inschrift zu beiden Seiten der Abbildungen "wie ein Frachtbrief die zum Transport bestimmten exotischen Güter auf und gibt für uns heute ein anschauliches Bild von dieser Entdeckungs- und Handelsexpedition."86

Schließlich können die altägyptischen Punt-Expeditionen auch als frühe "Pflanzenjagden" der Entdeckungsgeschichte bezeichnet werden. Der Begriff "Pflanzenjäger" ("plant hunter") kam im England des 18. Jahrhunderts auf, als im Zuge von englischen See- und Entdeckungsreisen Naturwissenschaftler und Sammler begannen, systematisch Pflanzen fremder Länder in heimatliche Gefilde zu bringen, besonders für die königlichen Gärten in Kew.87 In dieser Epoche der Gartenkunst und modernen Botanik nahm das Sammeln von Pflanzen immer mehr zu. Prominentes Beispiel für einen Pflanzenjäger war der englische Naturforscher Sir Joseph Banks, der Kapitän James Cook auf dessen erster Weltumsegelung (1768-1771) begleitete und später andere Pflanzensammler mit speziellen Suchaufträgen in
alle Welt schickte.88 Die berühmteste maritime Pflanzenjagd der Geschichte wurde zweifellos die Fahrt der "Bounty" (1787), die im Auftrag der englischen Regierung Brotfruchtbäume aus der Südsee (Tahiti) nach Westindien bringen sollte, um dort als billiges Nahrungsmittel zur Versorgung der Plantagen-Sklaven zu dienen.

Doch war die "Pflanzenjagd" schon seit der Antike weit verbreitet: "Exotische, unbekannte, neue Pflanzen waren schon vor langer Zeit begehrtes Statussymbol, Zier- und Nutzpflanzen zugleich. Das "Grüne Gold" wurde auf Handelswegen ausgetauscht, von Feldzügen mitgebracht und von eigens ausgeschickten Sammlern zusammengetragen."89 Die in der Punthalle befindliche Darstellung von zum Transport nach Ägypten bereit stehenden Myrrhebäumen, deren Verpflanzung "zum Ruhme Hatschepsuts" dienen sollte,90 gilt als "die älteste Urkunde über einen im Alterthum gemachten Acclimatisationsversuch"91 und als der "erste bekannte Pflanzentransport per Schiff",92 sieht man einmal davon ab, dass auch schon in früheren Zeiten der Pharao Sahure eine erfolgreiche Expedition nach Punt durchführte und "den Weihrauchbaum nach Ägypten bringen und dort anpflanzen ließ."93 Ein Prachtband zur Geschichte botanischer Forschungsreisen bezeichnet die Punt-Expedition Hatschepsuts als einen Präzedenzfall späterer "Pflanzenjagden": "The Egyptian pharao Hatsehpsut set a precedent for moving plants around the planet when she transported incense trees from the land of Punt to Egypt."94 Der Transport von Myrrhepflanzen von Punt nach Ägypten war eine außerordentliche Leistung.95 Denn Pflanzen brauchen neben etwas Erde und Licht vor allem regelmäßig Süßwasser, um gedeihen zu können. Doch gerade Süßwasser war immer knapp auf Schiffen, auch noch in späteren Jahrhunderten.96 Wie die Garten-Historikerin Penelope Hobhouse schreibt, waren die "Sorgen eines Pflanzensammlers ... noch lange nicht zu Ende, wenn die wertvollen Pflanzenfunde schließlich einen Hafen erreicht hatten, von dem aus die Heimfahrt angetreten werden konnte. Nur ein Bruchteil der Pflanzen überlebte die lange Schiffsreise. Auch wenn sie noch so gut verpackt, die Licht- und Feuchtigkeitsbedürfnisse noch so gut berücksichtigt worden waren, lebende Pflanzen waren stets der gefährlichen Salzwassergischt und Temperaturschwankungen ausgesetzt."97 Erst im 18. Jahrhundert gelang die Erfindung von "plant cabins" auf Schiffen, im 19. Jahrhundert dann von speziellen, verglasten und versiegelten Transportkästen für Pflanzen, den sog. "Wardschen Kästen".98 Dieser "Kasten", ein hermetisch verschlossenes Glasgefäß, war nach seinem Erfinder benannt, dem englischen Arzt und Naturforscher Nathaniel Bagshaw Ward. Um 1840 galt der "Wardsche Kasten" als allgemein anerkannte Methode, um Pflanzen aus aller Welt über große Entfernungen sicher zu transportieren.99 Wie es aber den alten Ägyptern gelang, den schwierigen Transport der Myrrhe-Pflanzen in ihr Heimatland zu bewerkstelligen, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

Abschließend sei auf eine sehr gewagte wenn auch originelle historische Analogie hingewiesen, die Björn Landström in den Blick nimmt, indem er die Expedition der Hatschesput nach Punt mit der Expedition des Kolumbus nach Amerika vergleicht. Er meint, ausrechnen zu können, dass die Puntreise "1493 v. Chr. begonnen und 1492 beendet wurde. Im selben Jahr NACH Christus sollte eine noch bedeutendere Expedition stattfinden."100 Auch Francois Bellec nimmt einen solchen Vergleich vor, wobei er aber die "Bedeutung" der Puntreise gänzlich anders bewertet: "Für die ägyptische Hochkultur war sie weitaus bedeutsamer als die Entdeckung Amerikas im Kontext der Renaissance."101

Zusammenfassend seien noch einmal die wichtigsten Merkmale der Rezeption der Puntreisen in der entdeckungsgeschichtlichen Literatur hervorgehoben, wobei sich deren Aussagen und Wertungen wesentlich auf die von Königin Hatschesput ausgesandte Expedition beziehen:

  • diese gilt nicht als eine originäre "Entdeckungs"-Reise zur erstmaligen Auffindung des Landes Punt, sondern eher als eine Reise zur "Wiederentdeckung" des den Ägyptern bereits schon lange zuvor bekannten See- und Handelsweges nach Punt, ohne dabei allerdings auf frühere Punt-Reisen näher einzugehen. So werden z.B. die neueren ägyptologischen Forschungen zu den Puntfahrten zur Zeit Sahures noch nicht zur Kenntnis genommen;

  • die Puntfahrten einschließlich der Expedition der Hatschesput werden im Einklang mit der ägyptologischen Deutung zwar als "Handels-Expeditionen" bezeichnet, doch wird ihnen und insbesondere letzterer unter Bezugnahme auf die Inschriften im Tempel der Königin dennoch der Charakter einer echten "Entdeckungs"- und "Forschungs"-Reise zugesprochen. Dies mag aus ägyptologischer Sicht eine problematische Überinterpretation der diesbezüglichen Textstellen sein, doch kann aus entdeckungsgeschichtlicher Sicht durchaus plausibel argumentiert werden, dass durch die Fahrten zu dem Land Punt dieses "Stück der Erdoberfläche" zunächst für den ägyptischen Kulturkreis und seit den Ausgrabungen des französischen Ägyptologen Auguste Mariette im Jahre 1858 auch für die Menschheit insgesamt "entdeckt" (also erstmalig wahrgenommen sowie in Wort und Bild beschrieben) und in Ansätzen (etwa bezüglich der Landschaft, der Menschen sowie der Flora und Fauna) auch "erforscht" worden ist;

  • in diesem Sinne wird (allerdings unter Vernachlässigung früherer Punt-Fahrten) namentlich die Hatschesput-Expedition als die älteste (in Wort und Bild) dokumentierte Entdeckungs- und Forschungsreise der Geschichte gewürdigt. Zugleich gilt sie in der Geschichte der Seereisen als einzigartige Dokumentation einer maritimen Entdeckungsreise in frühester Zeit, sowie (unter Vernachlässigung der Reisen Harkhufs in das Land "Yam") als Beginn der Entdeckung und Erforschung Afrikas, und schließlich in der Geschichte botanischer Forschungsreisen als ein Präzedenzfall späterer "Pflanzenjagden";

  • die Antriebe und Motive der Puntfahrten werden analog etwa zu den Fahrten der Portugiesen im großen Zeitalter der Entdeckungen vornehmlich in ökonomischen Interessen gesehen, da es galt, lästige Zwischenhändler bei dem Bezug wertvoller Rohstoffe (bei den Ägyptern vor allem Myrrhe/Weihrauch, bei den Portugiesen Gewürze/Pfeffer) auszuschalten;

  • bezüglich der Lokalisierung von Punt spiegelt die entdeckungsgeschichtliche Literatur ein breites Spektrum an Hypothesen, Spekulationen und Vermutungen wider, wie es in der Regel in älteren Darstellungen zu diesem "Rätsel der Ägyptologie" abgehandelt wird. Die neueren Forschungen und archäologischen Befunde, denen zufolge Punt mit hoher Wahrscheinlichkeit an der afrikanischen Rotmeerküste in Regionen des südwestlichen Sudan und nördlichen Äthiopien/Eritrea lag,102 werden bislang kaum zur Kenntnis genommen;

  • Zusammengenommen besteht in der entdeckungsgeschichtlichen Literatur ein Grundkonsens dahingehend, in den altägyptischen Puntreisen und insbesondere in der Hatschesput-Expedition frühe Referenzfälle bzw. Archetypen späterer Entdeckungs- und Forschungsreisen zu sehen.