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Die Plejaden in Gold auf einem keltischen Schwert

28.2.2014
Abb. 1| Das Schwert und die Scheide ...
Abb. 1| Das Schwert und die Scheide. Zeichnung nach H. Dannheimer »wohl vom Ausgräber Meichelböck«. 1a und 2a: Vorderseite Schwert, 2b: Rückseite Schwert; 1b: Rückseite Scheide

Das Schwert ist ein Altfund aus dem Jahr 1891, der dem Eisenbahnbau zu verdanken ist. Es wurde mit einer Scheide vom Ausgräber, dem Bahnadjunkten F. Meichelböck, in der Nähe des Bahnhofs Allach an der Bahnlinie München-Ingolstadt in einem nach Dannheimer1 offenbar früh- bis frühmittellatènezeitlichen Grab gefunden; als Begleitfunde wurden nur ein Pferdezahn und »Knochen« beschrieben. Angaben zur Lage in Bezug auf das zu vermutende Skelett und zur Scheide fehlen. Schwert und Scheide befinden sich in der Archäologischen Staatssammlung, München, unter der Inv.-Nr.1892, 158.

Als erster publizierte Lindenschmit2 das Schwert und die Scheide im Jahre 1900. Er erkannte auf der Schwertvorderseite die Sonne mit einem nur teilweise erhaltenen Strahlenkranz aus zwei Goldpunkten und die Mondsichel. In der beigefügten kolorierten Zeichnung sind die Sonne, die Mondsichel und der Strich auf dem Grat der Schneide als vollständig mit Gold tauschierte Gravuren wiedergegeben.

Dannheimer publizierte Schwert und Scheide mit den in Abbildung 1 gezeigten Zeichnungen (»wohl von der Hand des Ausgräbers«) und dem Ergebnis einer 1973 durchgeführten Röntgen-Untersuchung, bei der drei weitere kleine Goldpunkte und vor allem die beiden Zeichen auf der Rückseite des Schwertes unter einer dicken Korrosionsschicht entdeckt wurden. Dannheimer spricht von Sonne, abnehmendem Mond und Goldpünktchen auf der einen Seite, auf der anderen Seite sieht er mit »wohl Messing« eingelegte Gravuren, die vielleicht den Mond oder einen Torques und die Sonne in Form der von einem Kreis eingeschlossenen Triskele darstellen. Gebhard3 deutet die Zeichen auf der Vorderseite als Sonne, Mond und die schon in der Antike bekannten 5 erdnächsten Planeten, die Zeichen auf der Rückseite als Bogen mit Punkten an den Enden (Horizont oder Neumond?) und als Kreis mit Wirbel (Geburt und Tod oder Unendlichkeit?).

Das Schwert wurde in der Landesausstellung »Das keltische Jahrtausend« in Rosenheim gezeigt4. Der zugehörige Katalogbeitrag ist sehr kurz und weist keine Abbildungen auf. Krämer5 spricht von einem frühlatènezeitlichen Eisenkurzschwert, dessen Griffangel oben abgeplattet ist. Die Klinge besitzt geschwungene Schneiden und eine lang ausgezogene Spitze. Es könne aus einem der bei der Anlage eines Reihengräberfeldes zerstörten Grabhügel stammen.

Die Autopsie des Schwertes

Abb. 2| Die Tauschierungen auf der Vorderseite (Foto: Kurzmann nach R. Gebhard)
Abb. 2| Die Tauschierungen auf der Vorderseite (Foto: Kurzmann nach R. Gebhard)

Es handelt sich um ein eisernes Griffangelschwert der frühen Latène-Zeit, dessen Griff aus organischem Material (sicherlich Holz) vergangen ist. Es zeigt starke Korrosionserscheinungen, wie bei einem Bodenfund aus Eisen zu erwarten ist. Abbildung 2 zeigt die Vorderseite. Bemerkenswert ist noch, dass das Schwert zusammen mit seiner eisernen Scheide, in der es vermutlich steckte, gefunden wurde.

Das Schwert ist 513 mm lang; die »in ihrem Umriss an die Schilfblattgestalt gewisser Bronzeschwerter« (Lindenschmit7) erinnernde, geschwungene Klinge besitzt in Griffnähe einen flachrhombischen Querschnitt mit einer Breite von 40 mm und einer Höhe von 5 mm. Im heutigen korrodierten Zustand wiegt es 206 Gramm. Die auffälligere Seite ist die mit einem großen goldenen Punkt, fünf kleinen goldenen Punkten, einem breiten goldenen Strich auf dem Grat des Schwertes und einer goldenen Sichel auf der anderen Seite des Grates. Sie wird als die Vorderseite, die Sichtseite, angesehen.

Der große goldene Punkt war ursprünglich ein Goldplättchen, das nach Dannheimer vermutlich im letzten Krieg verlorenging; es wurde bei der Restauration durch einen goldfarbenen Farbtupfer ersetzt. Sein Durchmesser beträgt 5,5 mm. Die kleinen goldenen Punkte besitzen Durchmesser von ca. 0,8 mm. Die Sichel misst von Spitze zu Spitze 13 mm und an ihrer breitesten Stelle 2,2 mm. Der Strich ist 33 mm lang und 1 mm breit. Die Schwertrückseite zeigt zwei Zeichen, die mit einem Kupferdraht von ca. 0,7 mm Durchmesser eingelegt sind, wie sich unter dem Mikroskop eindeutig zeigte und wie die chemische Analyse bestätigte. Der Bogen misst in der Sehne von Endpunkt zu Endpunkt 20 mm und in der Höhe maximal 8 mm. Der Kreis besitzt einen Durchmesser von 9,4 mm.

Die Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA)

Tab. 1| Auswertung der RFA-Ergebnisse
Tab. 1| Auswertung der RFA-Ergebnisse

Die Analysen wurden mit dem Gerät NITON XL3t der Firma Thermo Scientific durchgeführt. Die Kalibration erfolgte mit Metallstandards, also mit planen Flächen. Da die Oberflächen des Schwertes durch die Korrosion sehr uneben sind, ist mit einem erheblichen Geometriefehler zu rechnen. Der Brennfleck besitzt einen Durchmesser von 3 mm, was bei kleineren Strukturen zu einem erheblichen Messfehler durch die Miterfassung der angrenzenden Bereiche führt. Schließlich ist noch mit Messfehlern durch die Abschirmeffekte der unterschiedlichen Matrices (Standard gegenüber Objekt) und die vom Gerät vorgenommene Normierung der Messwerte auf 100 % (also ohne Berücksichtigung nicht erfasster Elemente wie z. B. C) zu rechnen.

Die von dem Gerät auf drei Dezimalen ausgegebenen Messwerte vermitteln also einen falschen Eindruck von der Richtigkeit der Messungen. Realistisch sind nur halbquantitative Angaben in den drei Kategorien Hauptkomponente (>10%: HK), Nebenkomponente (1-10 %: NK) und Spur (<1%: Sp), die im vorliegenden Fall jedoch völlig ausreichend sind und erheblich zur Klärung der chemischen Zusammensetzung an den gemessenen Stellen beitragen. Die Angabe (Fe) besagt, dass die Eisenmatrix miterfasst wurde. Tabelle 1 zeigt die Auswertung der Messwerte unter den angegebenen Prämissen. Die Matrix besteht aus sehr reinem Eisen; der für die mechanischen Eigenschaften wichtige Kohlenstoffgehalt wurde nicht bestimmt.

  • [1] Hermann Dannheimer, Zu zwei älteren keltischen Fundstücken aus der Münchner Schotterebene, Archäologisches Korrespondenzblatt 5, 1975, 59-67.
  • [2] Ludwig Lindenschmit Sohn, Die Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit 4, 1900, Taf. 49.
  • [3] Rupert Gebhard, Eisenschwert mit Blechscheide. Abbild des Kosmos, in: Rupert Gebhard (Hrsg.), Archäologische Staatsammlung München, Glanzstücke des Museums (Berlin München 2010) 58-59.
  • [4] Hermann Dannheimer, Rupert Gebhard (Hrsg.), Das keltische Jahrtausend. Katalog der Landesausstellung des Freistaates Bayern und der Stadt Rosenheim 19. Mai – 1. November 1993 (Mainz 1993) 321-22 ohne Abb., Kat.-Nr. 403b.
  • [5] Werner Krämer, Die Ausgrabungen in Manching. Bd. 9 Die Grabfunde von Manching und die latènezeitlichen Flachgräber in Südbayern (Stuttgart 1985), 124; Taf. 54.
  • [6] Wie Anm. 3
  • [7] Wie Anm. 2