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Von A bis Z

Das Testgebiet mit alten Handelsrouten
Der so genannte Polizeiweg verbindet Siegburg mit Wipperfürth (Nicke 2001, 115-118), wobei sich im vorliegenden Aufsatz die Wegeberechnungen auf das nördlichste Teilstück ab Lindlar beschränken (für die Strecke im Süden siehe Herzog 2009). Die Ersterwähnungen von Lindlar (1109 n.Chr) und Wipperfürth (1135 n.Chr.) sind für das Bergische Land recht früh. Die Luftlinienentfernung zwischen beiden Orten beträgt 11,0 km, während die bei Nicke beschriebene Route 14,2 km lang ist. Die Höhenwerte auf der Strecke variieren zwischen 180 und 360 m. Abbildung 7 zeigt diese Teilstrecke des Polizeiweges sowie ein kleines Stück der Bergischen Eisenstraße (Nicke 2001, 106-109). Diese beiden Handelsrouten sind in der Karte in schwarz dargestellt.
Rechenergebnisse für den nördlichen Polizeiweg
Die weiß gestrichelten Strecken in Abbildung 7 sind errechnete Routen, die nur auf dem Kostenfaktor Hangneigung basieren, wobei die oben beschriebene Kostenfunktion für Fußgänger zur Anwendung kommt. Es ist leicht zu erkennen, dass diese Rekonstruktionsversuche nur sehr wenig Übereinstimmung mit dem tatsächlichen Streckenverlauf aufweisen. Dies liegt daran, dass die Wasserläufe bei der Berechnung keine Berücksichtigung fanden. Im Mittelalter vermieden die Wege im Bergischen Land Bachquerungen: die breiten Bach- und Flusstäler sind sehr feucht, und die meisten anderen Bachtäler sind tief in das Gelände eingeschnitten, erfordern also einen steilen Ab- und Wiederanstieg. Nur durch entsprechende Baumaßnahmen ist zu verhindern, dass Wege in solchen Bachtälern durch zu viel Schlamm unpassierbar werden. Auch die Kippgefahr bei Streckenführung am steilen Hang ist nur durch Konstruktionsarbeiten zu verringern. Solche Eingriffe in die Landschaft waren jedoch in dieser Region im Mittelalter recht selten, lediglich befestigte Furten und Brücken sind an einigen Stellen nachgewiesen (Nicke 2001, 7-13).
Deshalb wurde das Kostenmodell so angepasst, dass Bach- und Flusstäler mit höheren Kostenfaktoren versehen sind. Die gelb gestrichelten Strecken in Abbildung 7 sind das Ergebnis eines solchen Kostenmodells, das den Faktor 10 für breite (mehr als 3 m) und 5 für schmalere Wasserläufe vorsieht. Doch erst die Erhöhung des Kostenfaktors für kleine Wasserläufe auf 10 (orange gestrichelte Linien) ergibt eine bessere Annäherung an den von Nicke beschriebenen Polizeiweg, während sich das Ergebnis für das hier betrachtete Teilstück der Bergischen Eisenstraße kaum verändert. Auch bei der Nutscheid-Straße (Herzog 2010) konnte gezeigt werden, dass zur erfolgreichen Rekonstruktion der Altstraße ein hoher Kostenfaktor für die kleineren Wasserläufe notwendig ist.
Doch selbst die mit Kostenfaktor 10 für alle Wasserläufe errechneten Routen stimmen streckenweise nicht mit den bekannten Altwegen überein. Bei der Überprüfung zeigte sich, dass das für die Berechnung verwendete Gewässernetz kurze Bäche von etwa 1 km Länge nicht einschließt. Aber die meisten Altwege vermeiden auch solche Wasserläufe. Bei den Wasserläufen in breiten Tälern gibt es zusätzlich das Problem, dass sich Flussmäander schon seit dem Kartenstand von 1848 verändert haben, sowohl durch natürliche Prozesse als auch durch menschliche Eingriffe. Zunächst wurde versucht, die modernen Daten für das Gewässernetz so zu modifizieren, dass sie mit dem Kartenstand von 1848 übereinstimmen. Doch ist dies recht aufwändig, unter anderem weil die kleinen Bäche oft schwer auf dieser Altkarte zu erkennen sind.
Es erwies sich als effektiver, auf die Bodenkarte zurückzugreifen. Im Bergischen Land befinden sich die Wasserläufe auf Gleyböden (türkisfarbene Flächen in Abb. 5 und 8), wobei Auenbereiche mäandrierender Flüsse als breite Gleystreifen auf der Bodenkarte zu erkennen sind. Abbildung 8 zeigt oberhalb der roten Trennlinie die Wasserläufe in mittelblau, die auf der Altkarte von 1848 verzeichnet sind, und darüber das moderne Gewässernetz in dunkelblau. Deutlich erkennbar ist das breite Gleyband der Wupper, das sowohl die Mäander des Flusses aus dem Jahr 1848 als auch den begradigten heutigen Flussverlauf einschließt. Alle in der Altkarte verzeichneten Wasserläufe befinden sich in Gleyzonen. In anderen feuchten Tälern ist kein Bach kartiert – aber auch diese Gleyzonen wurden von Altwegen gemieden.
Für die Wegeberechnungen ist es notwendig, die Gleyflächen auf der Bodenkarte mit einer kleinen Pufferzone von 20 m zu umgeben, sonst könnten sehr schmale Gleybänder durch einen Einzelschritt des errechneten Weges einfach übersprungen werden. Die rot gestrichelten Routen in Abbildung 7 sind mit der Kostenfunktion für Fußgänger und mit einem Kostenfaktor von 10 für Gleyzonen errechnet. Auch die lila gestrichelten Strecken berücksichtigen die Gleyzonen, doch wurde in diesem Fall die Kostenfunktion mit einer kritischen Steigung von 12% verwendet.
Auswertung der Rechenergebnisse
Das Beispiel in Abbildung 7 zeigt sehr deutlich, dass das Kostenmodell auf einer recht breiten Basis aufgestellt werden sollte. Denn für das hier gezeigte Teilstück der Bergischen Eisenstraße liefern alle Kostenmodelle, die das Gewässernetz einbeziehen, gute Ergebnisse – doch ist diese Beobachtung nicht auf den Polizeiweg zwischen Lindlar und Wipperfürth übertragbar. Aufgrund der bisherigen Experimente nicht nur für den Polizeiweg, sondern auch für andere Altwege im Bergischen Land wie die Zeitstraße, den Heerweg, die Brüderstraße und die Bergische Eisenstraße ist das Kostenmodell am besten geeignet, das auf den Gleyzonen der Bodenkarte und einer Kostenfunktion mit einer kritischen Hangneigung von zehn bis zwölf Prozent basiert.
Es ist erstaunlich, dass schon dieses einfache Modell trotz der verhältnismäßig groben und nicht immer exakten topographischen Daten recht gute Anpassungen an den historischen Wegeverlauf liefert. Eine weitere Verbesserung des Rechenergebnisses ist dadurch zu erzielen, dass man bekannte Furten und Brücken im Kostenmodell berücksichtigt. In Abbildung 7 ist zu sehen, dass sich die errechneten Wege und die Altstraße nördlich von Lindlar bei Querung eines Wasserlaufs trennen. Nach Modifikation des Kostenmodells durch Einbau einer Zone mit geringeren Kosten am vermuteten Ort der Brücke oder Furt kann hier voraussichtlich ein größere Übereinstimmung mit der Altstraße erreicht werden.
Eine solche Vorgehensweise führte bei der Rekonstruktion der Altwege durch Wipperfürth zu guten Ergebnissen – wobei Wipperfürth ja schon im Namen anzeigt, wie wichtig die Furt durch die Wupper für die Entstehungsgeschichte der ältesten bergischen Stadt war (Nicke 2001, 204). Deshalb wurden zwei kostengünstige Wupperübergänge bei Wipperfürth in das Modell aufgenommen, deren Lage mit den Brücken auf der Karte von 1848 übereinstimmt.




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