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Landschaftsarchäologische Analysen im Bergischen Land

3.2.2012

Das Bergische Land

Landschaftsbild des Bergischen Landes, westlich von Oberfrielinghausen (Foto: Herzog)
Landschaftsbild des Bergischen Landes, westlich von Oberfrielinghausen (Foto: Herzog)

Östlich von Köln liegt das Bergische Land, eine Mittelgebirgsregion mit vergleichsweise regenreichem und kühlen Klima und für den Ackerbau weniger geeigneten Böden. Diese natürlichen Gegebenheiten führten dazu, dass eine intensivere Besiedlung des Bergischen Landes erst im Mittelalter einsetzte. Deshalb besteht die Möglichkeit, mit Rechenverfahren erzielte Ergebnisse zur Siedlungsgeschichte mit den historischen Quellen zu vergleichen und so die verwendeten Methoden zu prüfen und weiter zu entwickeln. Hilfreich sind in diesem Zusammenhang gut dokumentierte alte Handelsrouten (Nicke 2001) und die Erstnennungen von Orten aus 16 Gemeinden dieser Region (Pampus 1998).

Umfeldanalysen

Abb. 2: Umfelder für Wipperfürth (im Norden) und Lindlar (im Süden) (Karte: Herzog auf Grundlage des ASTER DGM)
Abb. 2: Umfelder für Wipperfürth (im Norden) und Lindlar (im Süden) (Karte: Herzog auf Grundlage des ASTER DGM)

Immer mehr Archäologen nutzen Geographische Informationssysteme (GIS), um archäologische Fundstellen, Befunde und Funde zu verwalten, deren Verbreitung zu visualisieren und um den Raumbezug der archäologischen Relikte zu analysieren (z.B. Posluschny 2010). Die Umfeldanalyse ist ein Beispiel für eine solche GIS-Auswertung: In den ersten Umfeldanalysen wurde ein kreisförmiges Gebiet um jede Siedlungsstelle in Bezug auf gewisse Standortfaktoren untersucht. Ist für fast jede Siedlungsstelle die Bodengüte in einem solchen Umfeld hoch, obwohl im Untersuchungsgebiet schlechter Boden weit verbreitet ist, so liegt die Vermutung nahe, dass die Siedler guten Boden bevorzugten.

In den letzten Jahren hat sich eine andere Form der archäologischen Umfeldanalyse etabliert (s. Abb. 2): Dabei wird ausgehend von einem Punkt der Bereich abgegrenzt, der sich in einer vorgegebenen Zeit (meist eine Stunde) erreichen lässt (z.B. Posluschny 2010). Anders als bei den ersten Umfeldanalysen sind die so erzeugten Umfelder nicht mehr gleich groß. Bei der Auswertung sind dann sowohl die Größe eines solchen Umfeldes als auch die geographischen Gegebenheiten innerhalb dieses Bereiches zu berücksichtigen. So wird eine Siedlungsstelle mit vergleichsweise großem Umfeld mit hoher Bodengüte eher durch den Ackerbau geprägt sein als eine andere Stelle, die nur ein kleines Umfeld mit schlechtem Boden aufweist.

Abbildung 2 zeigt Beispiele für solche Umfelder, wobei für jeden der beiden betrachteten Siedlungspunkte Umfelder mit unterschiedlichen Radien ermittelt wurden. Für eine solche Form der Umfeldanalyse benötigt man ein Kostenmodell um abzuschätzen, wie hoch der Aufwand ist, um in einer vorgegebenen Landschaft voranzukommen. Ein solches Kostenmodell wird im Folgenden für das hier betrachtete Gebiet entwickelt. Eine genaue Diskussion von Abbildung 2 erfolgt dann im Anschluss.

Das Kostenmodell für Umfeldanalysen

Im Kostenmodell kann der Aufwand in Zeit (z.B. Stunden) oder in Energieverbrauch (z.B. Joule) gemessen werden. Zunächst stellt sich die Frage, welche Kostenfaktoren in das Kostenmodell integriert werden sollen und auch, wie diese zu kombinieren sind. Dabei ist es ratsam, das Kostenmodell zu überprüfen und gegebenenfalls zu verfeinern. Dies ist dann möglich, wenn der Streckenverlauf alter Handelsrouten im Untersuchungsgebiet bekannt ist. Grundlage solcher Analysen ist die Annahme, dass sich die Bewegungsmuster früherer Zeiten in den alten Handelsrouten erhalten haben.

Eine weitere Annahme ist, dass solche Altwege möglichst effektiv sind, also unnötige Aufwände vermeiden. Dies trifft vermutlich nicht für alle Altwege zu, Prozessionsstraßen und die Wege eines Schafhirten folgen sicherlich anderen Regeln. Aber bei häufig genutzten Handelswegen ist davon auszugehen, dass sich im Laufe der Zeit die effektivste Route durchgesetzt hat. Denn ein Händler, der von seinem Konkurrenten regelmäßig überholt wird, bleibt auf lange Sicht buchstäblich auf der Strecke. Damit ist zu erwarten, dass die alten Handelsrouten möglichst effektive Verbindungen im Sinne des noch zu ermittelnden Kostenmodells sind. Dabei können bei Bedarf auch kulturelle Faktoren in das Kostenmodell aufgenommen werden, z.B. das Bedürfnis, einen bestimmten Berggipfel möglichst lange im Blick zu behalten oder Bestattungsplätze zu meiden.