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Die Silexartefakte aus dem Chamer Erdwerk von Riekofen

Lkr. Regensburg, Oberpfalz

12.12.2012
Abb.1| Lage des Grabenwerkes der Chamer Kultur von Riekofen, Lkr. Regensburg
Abb.1| Lage des Grabenwerkes der Chamer Kultur von Riekofen, Lkr. Regensburg. Die Karteneinträge zeigen die im Text genannten Siedlungen und die mittelbayerischen Hornsteinbergwerke von Arnhofen und Baiersdorf im Landkreis Kelheim. © A. Binsteiner

Die Ausgrabungen des Erdwerkes aus der endneolithischen Chamer Kultur auf dem »Kellnerfeld« in Riekofen, Landkreis Regensburg1 (Abb.1), erbrachten neben einer Vielzahl von Steingeräten, keramischen und organischen Funden auch einen größeren Komplex von Silexartefakten2, der jetzt unter modernen materialkundlichen Gesichtspunkten neu aufgenommen werden konnte. Dabei zeigte sich erneut die Dominanz der Hornsteine aus den Minen von Arnhofen und Baiersdorf, die mit einem Anteil von insgesamt rund 75 Prozent auch in der Chamer Zeit offenbar weiträumig die Grundlage der Rohstoffversorgung bildeten. Endgültige Betrachtungen zur Abbaugeschichte beider Hornsteinbergwerke müssen daher in Zukunft auch vermehrt die bekannten Fundstellen des Endneolithikums einbeziehen, wollen sie nicht zu kurz greifen3.

Die Rohstoffe

Abb.2| Das Rohstoffspektrum der Silexgeräte in Riekofen
Abb.2| Das Rohstoffspektrum der Silexgeräte in Riekofen, Lkr. Regensburg © A. Binsteiner
Eine Übersicht der im Chamer Grabenwerk von Riekofen verarbeiteten Silexrohstoffe findet sich auf Seite 5 des Artikels.
Eine Übersicht der im Chamer Grabenwerk von Riekofen verarbeiteten Silexrohstoffe findet sich auf Seite 5 des Artikels.

Insgesamt standen 339 Silexgeräte für eine aktuelle Materialbestimmung zur Verfügung. Zusätzlich wurde ein weiterer Fundkomplex aus 428 Präparationsabschlägen, Halbfabrikaten und Fragmenten sowie Roh- und Trümmerstücken ausgegliedert und gesondert berechnet. Das Rohstoffspektrum im Erdwerk von Riekofen reicht von den verschiedenen Jurahornsteinen der Donau-Altmühl-Region und der Frankenalb4 bis zu den Importen aus den oberösterreichischen Hornstein- und Radiolaritvorkommen der Nördlichen Kalkalpen5, den Moränenfeuersteinen der sogenannten Feuersteinlinie in Nordböhmen, Nordmähren und Sudwestpolen und den nordböhmischen Quarziten6 sowie in einem Fall dem französischen Feuersteinabbau von Grand Pressigny7.

Die qualitativ erstklassigen Platten- und Knollenhornsteine aus dem Arnhofener Abbau bildeten eine nachhaltige Rohstoffbasis für die Geräteproduktion der Riekofener Siedlung. Rund 62,5 Prozent wurden aus der in Luftlinie rund 38 km entfernt liegenden Mine im Abensberger Raum besorgt. Der Anteil der Plattenhornsteine lag dabei um rund ein Fünftel über dem der Knollen und übrigen Konkretionen (Abb.2).

Nicht minder bedeutsam, vor allem für die Herstellung flächig retuschierter Geräte, waren die Plattenhornsteine aus dem etwa 43 km entfernten Bergwerk von Baiersdorf im Altmühltal. Ihr Anteil im Geräteinventar lag bei etwas über 13 Prozent.

Alle anderen Typen von Hornsteinen und Quarziten der Südlichen Frankenalb8 wie auch aus dem nördlichen Teil der Frankenalb9, die keinem der bekannten Abbauplätze zugeordnet werden konnten und mit der größten Wahrscheinlichkeit an der Oberfläche oder in oberflächennahen Vorkommen gewonnen worden waren, ergaben einen Anteil von insgesamt knapp 16 Prozent im Riekofener Inventar.

Die Importe machten zusammen rund 8,5 Prozent aus. Im Einzelnen konnten rund 4 Prozent der Silexmaterialien der Hornstein-Radiolarit-Zone der Nördlichen Kalkalpen zugeordnet werden. Aus nordböhmischen und mährischen Vorkommen kamen hochwertige Quarzite und Feuersteine mit ebenfalls etwa 4 Prozent nach Riekofen. Ein Fragment eines Spandolches stammte eindeutig aus dem Abbau von Grand Pressigny in Westfrankreich. Damit wird deutlich, dass die importierte Ware keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Grundversorgung der Siedlung hatte, sondern der Bedarf an Silexrohstoffen zum Großteil aus den heimischen Resourcen gedeckt werden konnte.

Die Rohstoffverteilung in der Gruppe der Produktionsabfälle zeigte einen Anteil von 59,11 Prozent Arnhofener Hornsteine; die Baiersdofer Hornsteine lagen bei 10,28 Prozent; die Hornsteine der Südlichen Frankenalb schlugen mit 28,51 Prozent zu Buche und schließlich lagen die Importe aus Böhmen und dem alpinen Raum bei 2,1 Prozent.

  • 1]  Dazu I. Matuschik – H. Werner, Eine befestigte Siedlung des Endneolithikums aus Riekofen-Kellnerfeld, Lkr. Regensburg. Bericht bayer. Bodendenkmalpfl. 1981/82, 37-55; I. Matuschik, Die neolithische Besiedlung in Riekofen »Kellerfeld« – Beitrag zum Spätneolithikum im südlichen Bayern. Mikrofich-Publ. Freiburg i. Br. 1996.
  • 2]  Der Fundkomplex befindet sich im Historischen Museum der Stadt Regensburg. An dieser Stelle gilt mein besonderer Dank Dr. Andreas Boos, der die aktuelle Untersuchung der Silexartefakte ermöglichte.
  • 3]  Dazu G. Roth, Geben und Nehmen – Eine wirtschaftshistorische Studie zum neolithischen Hornsteinbergbau von Abensberg-Arnhofen, Kr. Kelheim (Niederbayern), Dissertation Universität Köln, 2008, 909.
  • 4]  A. Binsteiner, Die Lagerstätten und der Abbau bayerischer Jurahornsteine sowie deren Distribution im Neolithikum Mittel- und Osteuropas. Jahrb. RGZM 52, 2005, 48-83.
  • 5]  A. Binsteiner – E.M. Ruprechtsberger, Jungsteinzeitliche Silexartefakte und Keramik im Raum Linz und in Oberösterreich. Linzer Arch. Forsch. Sh 41, Linz 2008, 46-47; A. Binsteiner, Die Silexversorgung der jungsteinzeitlichen Pfahlbausiedlung von See am Mondsee, Oberösterreich. Arch. Korrbl. 39, 2009, 333-339.
  • 6]  A. Přichystal, Kamenné suroviny v pravĕku. Východní části střední evropy. Masarykova univerzita, Brno 2009, 46-50 und 152-158.
  • 7]  N. Mallet, F 12 Grand Pressigny, Touraine, Dép. Indre & Loire. In: G. Weisgerber, 5000 Jahre Feuersteinbergbau, Die Suche nach dem Stahl der Steinzeit. Veröffentl. aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Nr. 77, 3. verbesserte, erweiterte und aktualisierte Auflage, Bochum 1999, 483-485.
  • 8]  Dazu bereits früher A. Binsteiner, Die Feuersteinlagerstätten Südbayerns und ihre vorgeschichtliche Nutzung. Der Anschnitt 42, 1990, H.5-6, 162-168.
  • 9]  Dazu Anm. 4, insbesondere 80-83.

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