16.12.2017 - 19:52:30

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)

Drei auf einen Streich

Eine geoarchäologische Prospektion in der Hornstein-Radiolarit Zone der Nördlichen Kalkalpen

29.7.2011
Die neuen Radiolarit- und Hornsteinvorkommen in den Nördlichen Kalkalpen im Fokus weiterer Silexlagerstätten im alpinen Raum und im Einzugsgebiet der Donau und des Rheins (Grafik: A. Binsteiner)
Die neuen Radiolarit- und Hornsteinvorkommen in den Nördlichen Kalkalpen im Fokus weiterer Silexlagerstätten im alpinen Raum und im Einzugsgebiet der Donau und des Rheins

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass bei intensiver Suche auch in den silexführenden Kalkablagerungen nördlich des Alpenhauptkammes neue Spuren steinzeitlicher Bergbauaktivitäten nachweisbar sein können. Zuvor waren vor allem im Zuge einer Gesamtaufnahme alpiner Silexvarietäten während des Eismann-Projektes wie auch einer erneuten Suche in den bayerischen Alpen nur ansatzweise Hinweise auf abbauwürdige Hornstein- und Radiolaritvorkommen in den Nördlichen Kalkalpen entstanden. Wie so oft war es dann der Zufall, der sozusagen den Stein wieder ins Rollen brachte und gleich drei neue Abbaugebiete bescherte.

So führten die Funde von mesolithischen Artefakten im Kleinwalsertal unmittelbar zu einer ausgedehnten Prospektion in den verschiedenen Talzügen der Region, die mit dem Nachweis eines vorgeschichtlichen Radiolaritabbaues am »Feuerstein« unterhalb des Bärenkopfes belohnt wurde. Danach standen dann die bereits bekannten Radiolaritvorkommen im Rofangebirge auf dem Plan. Und schließlich konnten im Zuge der Materialbestimmungen an den Silexartefakten der Mondseekultur ein Rohstoffvorkommen größeren Ausmaßes lokalisiert werden.

Die Schichtenfolge

Stratigraphisches Niveau der Hornstein-Radiolaritzone in den Nördlichen Kalkalpen Grafik: A. Binsteiner
Stratigraphisches Niveau der Hornstein-Radiolaritzone in den Nördlichen Kalkalpen Grafik: A. Binsteiner

In den komplexen Decken- und Überschiebungsstrukturen der Nördlichen Kalkalpen, die in den tektonischen Vorgängen der alpidischen Gebirgsbildung begründet sind, lässt sich trotz aller regionaler Besonderheiten eine Zone mit Hornstein- und Radiolaritablagerungen über Hunderte von Kilometern verfolgen. Diese gilt es kleinräumig aufzuschlüsseln und auf abbauwürdige Vorkommen zu untersuchen.

Die primären Lagerstätten der sogenannten Kleinwalsertaler Radiolarite finden sich am Widderstein und am Bärenkopf. Hier liegen die Kalkgesteine des Oberostalpins, in unserem Fall die hangenden Aptychenschichten und die liegenden Allgäu-Schichten sowie die Radiolaritabfolgen des Oxfordiums, als verformte und stark beanspruchte Gesteinsabfolgen vor. Die tektonische Einheit ist die Bärenkopf-Synklinale, die zusammen mit der so genannten Feuerstein-Aufschiebung für höchst unterschiedliche Ausbildungen der Silexgesteine sorgt. Während in den Gipfelregionen des Faltungssattels die Radiolaritbänke gestört und klüftig vorliegen, sind an den Flanken der Auffaltungen partienwesie unverformete Gesteinspakete eingeschaltet. An diesen ausgesuchten Stellen treten die Radiolaritvorkommen in erstklassiger Qualität zu Tage.

Auch im Rofangebirge spielen die Aptychenschichten und liegenden Radiolaritvorkommen die entscheidende Rolle. Hinzu kommen die glazialen Prozesse eines eiszeitlichen Kares, die in der »Grubalacke« (Gruberlacke) zur sekundären Anreicherung qualitativ hochwertiger Radiolaritvarietäten führten. Diese Vorkommen wurden bei den ersten Begehungen der Region im Zuge des Eismann-Projektes nicht entdeckt.

Die silexführende Schichtenfolge im Salzkammergut beginnt an der Basis mit den Gesteinserien der Trias, die in den Reiflinger Schichten Hornsteinkalke führen. In den Formationen des Jura gibt es dann verschiedene Schichtpakete, in denen sich primäre Vorkommen von Radiolariten und Hornsteinen finden. So treten im Lias die Serien des Kirchsteinkalkes und des Scheibelbergkalkes auf, in denen partienweise Knollenhornsteine eingelagert sind. Zudem kommen auch in den roten Kieselkalken Radiolarite vor. Entscheidend aber sind die Radiolaritlagen der sogenannten Ruhpoldinger Schichten, die im Gelände bis zu 30m mächtig aufgeschlossen sein können. Die im Dezimeterbereich gebankten Schichtpakete sind im oberen Jura in tieferen Meeresbereichen abgelagert worden. Danach folgen die bis zu 800 m mächtigen Oberalmer Kalke, die partienweise reich an Hornsteinlagen sind. Als Sedimentationsbedingungen werden die Ablagerungsbedingungen einer Beckenfazies angenommen.