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Die vier Elemente

3.12.2010

Jeder kennt die vier Elemente: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Schwieriger ist schon die Frage zu beantworten, wer sie zuerst benannte und auf welche Vorstellungen sie zurückgehen. Überraschend ist, dass man sich bei der Beschäftigung mit dieser Frage weit zurück in die Zeit der griechischen Mythologie begeben muss und dass es sogar einen archäologischen Fund dazu gibt. Die vorliegende Arbeit will darüber berichten, und sie beginnt mit heute noch sichtbaren Befunden auf der Akropolis von Athen.

Erichthonios, Erechtheus und das Erechtheion

(Abb. 1) Blick von der Plaka auf den Akropolis-Felsen. Links oben Säulentrommeln und andere Architekturteile vom Vorparthenon, die als Stützmauer dienen. Rechts oberhalb davon die Nordhalle des Erechtheion. Links dahinter der Parthenon (Foto: Peter Kurzmann)
(Abb. 1) Blick von der Plaka auf den Akropolis-Felsen

Seit grauen Vorzeiten wohnte in einer Felsspalte auf dem Burgberg von Athen, den wir heute „die Akropolis“ nennen, Erichthonios, das schlangenfüßige „göttliche Kind chthonischer Mächte, die später Hephaistos und Gaia benannt wurden“ [Gruben 1986]. Die Schlange wachte über das Wohl Athens, und als sie im Laufe des Perserkrieges verschwand, wussten die Athener, dass sie ihre Stadt würden verlassen müssen. So geschah es denn auch, als die Perser sich im Jahre 480 v. Chr. der nicht ummauerten Stadt bedrohlich näherten und keine Aussicht auf wirksame Verteidigung bestand. Die Einwohner Athens verließen ihre Stadt, die meisten begaben sich auf die Insel Salamis. Einige Verteidiger zogen sich auf die durch eine nur unzureichende Mauer geschützte Akropolis zurück. Die Perser eroberten die Burg, die Bauten, darunter der alte Athena-Tempel (er stand neben dem Vorparthenon), wurden in Brand gesetzt und völlig zerstört, ebenso die Stadt mit ihren Bauten. Im weiteren Verlauf des Krieges (die Perser eroberten und zerstörten allerdings nochmals Athen) wurden die Perser schließlich besiegt: die Flotte in der Seeschlacht von Salamis 480, das Landheer in der Schlacht von Plataiai 479.

Athen geht aus diesem Krieg gestärkt hervor, es steigt zur politisch und kulturell führenden Macht Griechenlands auf. Als Kampfbund gegen Persien wird der Delisch-Attische Seebund unter Führung Athens gegründet, die Bundeskasse befindet sich zunächst auf Delos unter attischer Verwaltung, wird aber später nach Athen verlegt. Der Wiederaufbau Athens ist mit dem Namen des Perikles verknüpft, wobei man mit dem Wiederaufbau, der prächtigen Neugestaltung der Akropolis noch 30 Jahre wartete – die Ruine des zerstörten Tempels war ein Mahnmal gegen die persische Gefahr. Zur Finanzierung bediente sich Perikles großzügig der Kasse des Seebundes, so dass dessen z. T. unter Zwang rekrutierte Mitglieder die Bauten mitfinanzierten. 447 wurde mit dem Bau des Tempels der Athena Parthenos, des heute noch stehenden Parthenon, begonnen, 437 mit dem Bau der Propyläen, etwa 420 dem Bau des Erechtheions. Dieser merkwürdig verschachtelte, aus den drei miteinander verbundenen Bauten Tempel, Nordhalle und Korenhalle bestehende Komplex wurde an einer Stelle errichtet, die mit den ältesten Mythen Athens und Attikas verbunden ist, so auch dem Mythos von der Schlange Erichthonios. Die Gestalt des Erechtheus ist von ihr kaum zu trennen; vielleicht waren sie ursprünglich identisch und wurden erst in späteren Fassungen des Mythos getrennt; Erechtheus wurde hiernach zu einem mythischen König von Athen. In der Nähe des Erechtheions liegen die Gräber der mythischen Könige; die Korenhalle sitzt auf dem Stylobat des alten Athena-Tempels, dessen Fundamente wiederum „auf dem mykenischen Palast der attischen Urkönige“ ruhten [Gruben 1986]. Dieser ehrwürdige, heilige, von uralten Mythen geprägte Ort verlangte einen besonderen Tempelbau, eben das in manchen Aspekten noch rätselhafte Erechtheion.

Für die umfassende Neugestaltung der Bebauung des Akropolis-Felsens war eine Vergrößerung der Hochfläche erforderlich. Dazu wurden Stützmauern unter Verwendung von Architekturteilen der Ruinen errichtet – als weithin sichtbares und bleibendes Mahnmal, das die Zerstörung Athens den Einwohnern immer vor Augen führen sollte. Der Raum hinter den Mauern wurde mit dem Schutt der zerstörten Bauten, dem sog. Perserschutt, aufgefüllt, wodurch die Hochfläche planiert und vergrößert wurde. Abbildung 1 zeigt einen Blick von der Plaka, der Altstadt Athens, also von Nordwesten, auf den Akropolis-Felsen. Links oben sind Säulentrommeln vom Vorparthenon zu sehen, die einen Teil der Stützmauern bilden. Rechts davon und etwas höher ist die Nordhalle des Erechtheions zu erkennen.