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Aus der Küche ins alchemistische Laboratorium. Die Entwicklung alchemistischer Gefäße

von Peter Kurzmann - 11.4.2008

Vom Talglämpchen zum Probirscherben

Die Verhüttung vom Metallerzen war ein weiteres wesentliches Arbeitsgebiet der praktischen Alchemie. Es geht darum, die Gehalte besonders an Silber und Gold von gefundenen Mineralien zu bestimmen und so eine Aussage über die Abbauwürdigkeit der Erze zu ermöglichen. Dazu wurden die eigentlichen Verhüttungsprozesse im kleinen Maßstab durchgeführt, die dazu erforderlichen Gefäße wurden teils Haushaltsgefäßen nachempfunden, teils direkt übernommen. Als kleine Gefäße für Vorversuche oder Versuche mit kleinen Substanzmengen dienten Talglämpchen, die in großer Zahl preiswert hergestellt werden konnten: sie wurden „vom Stoß gedreht“. Bei dieser Technik wird auf der Töpferscheibe ein schlanker Tonberg aufgebaut. Seine Spitze wird zu einer flachen Schale geformt und vom restlichen Berg mit dem Draht in üblicher Weise abgeschnitten. Dann kann wieder eine Schale geformt und abgeschnitten werden und so fort. In der Sprache der Alchemisten hießen diese Schalen „Probirscherben“ [2].

Talglämpchen aus einer Klosterlatrine (links) und formgleiche Probirscherben aus einem alchemistischen Kontext (rechts) aus Basel
Abb. 12: Talglämpchen aus einer Klosterlatrine (links) und formgleiche Probirscherben aus einem alchemistischen Kontext (rechts) aus Basel; Datierung: 13. Jahrhundert (Umzeichnung: Autor)
Ausschnitt aus einem Gemälde „Der Alchemist“ von David Tenier d. J. (1610-1690)
Abb. 13: Ausschnitt aus einem Gemälde „Der Alchemist“ von David Tenier d. J. (1610-1690); Das Bild zeigt verschiedene Geräte und Gefäße: v.l.n.r. Sanduhr, Keramikkanne mit Verschluss, Alembik, Weithalskolben oder Bindegefäß, verschlossene birnenförmige Flasche (mit Standring), Rundkolben, davor Dreibeinpfännchen. Vorn noch ein Verschluss, wohl aus Papier (Abb. mit freundlicher Genehmigung Fürst zu Salm-Salm, Anholt)

Als Gefäße für Reaktionen in der Schmelze in größerem Maßstab dienten besondere Tiegel (mit Mündungen in Form gerundeter Dreiecke) oder auch andere Gefäße, zerbrochene Töpfe oder Becher oder völlig abartige Gefäße wie z. B. Becherkacheln aus dem Ofenbau. Aus einer römischen Glashütte, die in der Nähe von Aachen ausgegraben wurde, ist die Verwendung eines Kochtopfes als Glasmacherhafen bekannt.

Auch die aus dem Küchenbereich bekannten Dreibeinpfännchen wurden im alchemistischen Laboratorium verwendet. Abbildung 13 zeigt ein in einem Gemälde überliefertes Beispiel. Der Fund aus dem Basler Alchemistenlaboratorium enthält auch einige Dreibeinpfännchen, in denen Schmelzaufschlussversuche an Kupfererzen durchgeführt wurden. Diese Abbildung zeigt auch, dass noch andere, dem Kücheninventar zuzurechnende Gefäße und Geräte Verwendung im alchemistischen Laboratorium fanden.

Von der Getreidemühle zum Mörser

Messingmörser mit Pistill aus dem 16. Jahrhundert
Abb. 14: Messingmörser mit Pistill aus dem 16. Jahrhundert. Norddeutschland; Höhe des Mörsers: 106 mm (Foto: Autor)

Flache Steinplatten, auch leicht gebogene oder mit einer Vertiefung versehene, dienten seit alter Zeit als Unterlage beim Zerreiben von Körnern mit Hilfe eines geeignet geformten Steines. Das Produkt war weniger ein Mehl als vielmehr ein Grieß.

Da auch im alchemistischen Laboratorium das Problem des Zerkleinerns von körnigen Substanzen auftrat, machte der Alchemist von diesem Gerät Gebrauch. Die weitere Entwicklung führte zu stärker gewölbten Unterlagen bis hin zu becherförmigen, dickwandigen Gefäßen, die als Reibschalen mit Stößel oder Mörser mit Pistill bezeichnet werden. Abbildung 14 zeigt einen Messingmörser mit Pistill aus dem 16. Jahrhundert.

Als Materialien dienten Stein, Bronze, Eisen, Messing, Achat, Glas, Porzellan – je nach Verwendungszweck. Ein Problem stellt der Abrieb beim Zerkleinern dar. Der starke Abrieb der Zähne von Menschen früher Zeiten geht auf den Steinabrieb im Grieß zurück, der die Zähne beim Kauen des daraus hergestellten Brotes o. ä. regelrecht abschmirgelte.

  • [2] Das Wort „der Scherben“ bezeichnet hier ein kleines Gefäß. Der Archäologe gebraucht das gleiche Wort, wenn er ein keramisches Material beschreibt, er spricht z. B. von einem „dichten Scherben“.

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