- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
- 1.2: Fundpunkt.
- 1.2.1: Ausstellungen.
- 1.2.2: Ausgrabungen.
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Von A bis Z

Abbildung 2 zeigt links eine solche Apparatur. Aber auch in um 180° gedrehter Form (rechts in der Abbildung) ergibt sie einen Sinn: Die im oberen Gefäß kondensierte Flüssigkeit fließt in das untere Gefäß zurück. Es ist nicht zu entscheiden, ob auch diese Möglichkeit früher realisiert wurde. Sicher ist jedoch, dass bereits in dieser frühen Zeit Destillationen und Extraktionen unter Rückfluss durchgeführt wurden.
An dieser Stelle sei eine Bemerkung zur Nomenklatur eingefügt: Der untere Teil einer solchen Apparatur wird auf den Küchenhintergrund zurückgehend Topf oder besser Gefäß genannt, der obere Helm.
In Tepe Gawra wurden auch Gefäße mit einem Rinnenrand gefunden, der an der Innenseite ein Loch oder auch mehrere Löcher aufweist, so dass die Flüssigkeit in den Topf zurückfließen konnte. Dank dieser Erfindung konnte man das Material im Topf sehr lange erhitzen, ohne dass die verdampfte Flüssigkeit fortwährend ersetzt werden musste. Der Chemiker unserer Tage spricht von „Erhitzen unter Rückfluss“, einer Technik, die z. B. bei langsam ablaufenden Reaktionen oder Lösevorgängen – Extraktionen - angewendet wird. Die genannten Gefäße eignen sich auch für die Durchführung von Sublimationen.
Die Erfindung des Rinnenrandes für Töpfe erwies sich als äußerst bedeutsam und zweckmäßig, die viele Jahrtausende lang Anwendung fand. Bevor auf die weitere Entwicklung eingegangen wird, soll aber noch eine weitere Anwendung der Erfindung des Rinnenrandes behandelt werden, die nicht so leicht verständlich ist. Abbildung 3 zeigt ein Gefäß, das zwar ebenfalls einen Rinnenrand aufweist, bei dem jedoch die Rinne nicht nach oben frei zugänglich, sondern an zwei Stellen überbrückt ist [1]. Es ist also nicht möglich, einen halbkugeligen „Deckel“ in die Rinne zu stellen – die Deutung als Topf einer Destillationsapparatur muss als falsch angesehen werden. Der Autor hält dieses Gefäß für ein Dekantiergefäß, bei dem der doppelte Rand das Abgießen der Flüssigkeit von einem darin befindlichen Feststoff erleichtert.
Erstaunlicherweise besteht nach diesen beschriebenen Funden aus sehr früher Zeit eine Lücke, ein Hiatus, der jedoch vermutlich nur auf den Forschungsstand zurückzuführen ist.
Ein weiterer bedeutender Gedanke zur Verbesserung der Destillationsapparaturen besteht in dem Wunsch, das Kondensat nach außen abzuleiten und in einem besonderen Gefäß aufzufangen. Hierzu genügt nicht ein einfaches Loch in der Außenseite der Rinne, sondern es muss eine Ablaufmöglichkeit etwa in der Form eines Rohres geschaffen werden. Dies geschah tatsächlich, an den Rinnenrand des Topfes wurde ein Rohr – heute Schnauze genannt - angesetzt: die Destillationsapparatur war entscheidend verbessert. Der bislang älteste Bodenfund einer solchen Apparatur, die diesen Namen wirklich verdient, kam in Basel zutage und ist in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert. Abbildung 4 zeigt dieses Gefäß. Es wurde alt beschädigt und als Tiegel verwendet, kann jedoch mühelos rekonstruiert werden. Es ist Teil eines größeren Fundkomplexes, in dem sich neben weiteren ähnlichen Destillier- und anderen Gefäßen auch noch eine komplette Sublimationsapparatur befindet.
Das Destilliergefäß besitzt eine Rinne mit einem Abflussrohr für das Destillat. Der „Deckel“, der Helm, wurde nicht überliefert, ist aber mühelos als etwa halbkugeliger Topf zu rekonstruieren. Abbildung 5 zeigt eine entsprechende Destillationsapparatur, die als Skizze in einem englischen Manuskript aus dem 14. Jahrhundert gezeigt wird.
Der archäologische Fund bestätigt also die schriftliche Überlieferung. Wesentlich ist, dass man hiernach mit guter Berechtigung auch die übrigen in diesem Manuskript gezeigten Geräteskizzen als realistisch ansehen kann – trotz manchmal recht skurriler Formen.
Die in Abbildung 6 gezeigte Sublimationsapparatur ist vollständig erhalten. Sie besteht aus dem unteren Gefäß mit einer Rinne und einem oberen Gefäß, dem Sublimationshelm, mit einem kleinen Loch an der Spitze. Dieses Loch soll das Entweichen der am Beginn des Sublimationsprozesses entweichenden Dämpfe, insbesondere Wasserdampf, ermöglichen. Nach einiger Zeit wird das Loch verstopft, z.B. mit einem Nagel, und das feste Sublimationsprodukt schlägt sich an der Innenseite des Helmes nieder, wo es nach Beendigung des Prozesses abgekratzt werden kann. Diese Apparatur ist ebenfalls mit einer Skizze (ohne das Loch in der Helmspitze) in dem erwähnten Manuskript vertreten.
Zurück zu den keramischen Destillationsapparaturen. Die Basler Apparatur besitzt einen Nachteil: das ableitende Rohr, die Schnauze, befindet sich direkt in der Wärmezone, was zu Destillatverlusten führt. Die weitere Entwicklung führte daher zu Destillationshelmen, die ihrerseits die sammelnde Rinne mit ableitender Schnauze besitzen. Der früheste Fund stammt wiederum aus der Schweiz, von der Burg Scheidegg bei Liesthal im Kanton Baselland; eine in Bezug auf das Gefäß verbesserte Version aus Konstanz. Beide Helme datieren um 1300; dieser Typ eines Helmes wird Glocke (campana) genannt.
Dieser keramische Destillierhelm muss dem Bereich „gehobene Küche“ zugerechnet werden, da er in Burgen, Patrizierhäusern, Klöstern und Brennereien gefunden wurde, nicht in alchemistischen Laboratorien. Er diente der Herstellung von Trinkalkohol.
Das zu destillierende Gut befindet sich in dem Destillationsgefäß, einer Schale (patina), die in einem Sand-, Asche- oder Wasserbad erhitzt wird. Die aufsteigenden Dämpfe kondensieren an der Wandung der Glocke und laufen in die Rinne, von dort aus durch die Schnauze in die Vorlage (receptaculum), hier einen Kolben (cucurbita). Das Destillat ist mit sehr viel Wasser vermischt, es wird nur ein etwa 22%iger Alkohol erzeugt, wie Versuche des Autors mit einer nachgebauten Apparatur ergaben.
Eine weitere Verbesserung stellt eine in Dänemark gefundene Apparatur (datiert um 1400) dar; auch in Norddeutschland konnte ein solches Gerät nachgewiesen werden. Bei ihr wird der Dampf oben am Destillierhelm abgenommen und zur Kondensation in einem Rohr durch einen von kaltem Wasser durchflossenen Trichter geleitet. In dieser Weise wird verhindert, dass die kondensierte Flüssigkeit viel Wasser enthält, da hauptsächlich der Alkoholdampf zur Helmspitze hochsteigt, weniger der Wasserdampf. Das Ergebnis ist ein sehr hochprozentiger Trinkalkohol; bei einem Versuch wurde ein 67%iger Alkohol erhalten.
- [1] Der Autor dankt Dr. V. Karageorghis, Nicosia, für den Hinweis auf dieses Gefäß.







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