- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
- 1.2: Fundpunkt.
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- 1.2.2: Ausgrabungen.
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Von A bis Z

Aufgrund militärischer Sicherheitsbestimmungen sind in vielen osteuropäischen und ehemaligen sowjetischen Staaten auch heute noch zivile Flüge verboten und damit die luftbildarchäologische Erforschung nahezu unmöglich. Im Mai 2003 gelang es erstmalig Luftbilder von einem Zweimann-Paragleiter in einem etwa 200 km² großen Gebiet nordwestlich von Jerewan in Armenien zu gewinnen.
Projektentstehung
Im Mai 2000 nahm Prof. Hayk Hakobyan vom Institut für Archäologie an der Universität Jerevan über das Internet Kontakt zur Aerial Archaeology Research Group (AARG) auf, mit dem Ziel der Etablierung der Luftbildarchäologie auch in der südlichen Kaukasusrepublik Armenien. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Gründung der Republik Armenien 1991 schien der Austausch über alle Ländergrenzen hinweg auch in der Archäologie erstmals möglich. Rog Palmer, Redakteur der AARG, fuhr darauf hin noch im August desselben Jahres nach Armenien, um sich selbst von den Möglichkeiten zu überzeugen. Schnell wurde klar, dass Prospektionsflüge mit einem kleinmotorigen Flugzeug, die üblicherweise in der Luftbildarchäologie eingesetzt werden, unmöglich sein würden. Ein erster Schritt zur theoretischen Einführung in die Arbeitsmethoden der Luftbildarchäologie wurde dennoch unternommen und im Oktober des folgenden Jahres ein von der British Academy geförderter Einführungskurs in die Luftbildarchäologie in Armenien organisiert.

- Abb. 1 Satellitenfoto der Kaukasusregion mit Armenien und der Hauptstadt Jerewan. (Kartengrundlage: NASA ev25442_SWAsia. A2003122.0800.250m)
Über den Kontakt zu Vardan Hovhannisian und seinem jungen armenischen Filmunternehmen, das eine britische Tanzgruppe durch den Kaukasus begleitet hatte, sollte sich eine Lösung zur Realisierung des Projektes dann doch eröffnen. Das British Council zur Förderung des interkulturellen Austausches hatte die Reise finanziell unterstützt und sein Leiter Roger Budd war über die Dokumentation so erfreut, dass er nach den weiteren Plänen des jungen Unternehmens fragte. Die spontane Antwort lautete: „Laßt uns einen Paramotor für die Luftbildarchäologie kaufen“.
Erste Prospektionen mit dem Paramotor

- Abb. 2 Der Paramotor beim Start. (Foto R. Palmer)
Nach der Auswahl des Untersuchungsgebietes mit Hilfe freigegebener Corona Satellitenfotos, der Zusammenstellung und intensiven Vorbereitung aller Beteiligten auf die archäologischen Fragestellungen wurden im Mai 2003 die ersten erfolgreichen Tandemflüge mit dem Paramotor, d.h. einem Gleitschirm mit Hilfsmotor, durchgeführt. Perfekte Wetter- und Windverhältnisse sind dabei erste Notwendigkeit und nicht nur beim Start aus der Ebene, doch wechseln sie in einer Höhe von über 2000 m über dem Meeresspiegel ständig. Dabei wird der Schirm durch einen kurzen Anlauf aufgezogen, und durch den Piloten das Aufsteigen reguliert. Am Gürtel wurde in einer sturzsicheren Box eine Digitalkamera deponiert und am Helm ein GPS mit Empfänger installiert, um die jeweilige geographische Position und Flugroute im Anschluß genau kartieren zu können.
Im Gegensatz zu den sonst üblichen Prospektionen mit kleinmotorigen Flugzeugen sind Flugdauer- und Geschwindigkeit durch den mitgeführten 5 l Tank begrenzt und dauerten mit zwei leichtgewichtigen Personen in einer Flughöhe von 250 bis 300 Metern etwa 30 bis 40 Minuten. Günstige Auftriebswinde über dunklen, z.B. gepflügten Flächen, können den Aufstieg erleichtern und somit die Flugdauer erhöhen. Insgesamt konnte durchschnittlich eine Strecke von etwa 20 bis 25 Kilometern pro Flug prospektiert werden.

- Abb. 3 Während der Luftbildprospektion mit dem Paramotor. (Foto R. Palmer)
Das Ergebnis der ersten Prospektionsflüge im Frühling 2003 waren etwa 400 Luftbilder bekannter, vor allem aber einer Vielzahl unbekannter archäologischer Fundplätze.
Und auch in diesem Jahr wurden die Befliegungen fortgeführt, so dass das Untersuchungsgebiet jetzt nahezu komplett prospektiert ist und ein Archiv von insgesamt etwa 2000 Fotos zur Verfügung steht. Bei den Fundplätzen handelt es sich um ehemalige Siedlungen, Befestigungen, Gräber, um Reste der wirtschaftlichen Produktion, wie Feldfluren, Bewässerungsanlagen, Steinlesehaufen am Feldrand und auch um Prozesse rezenter Landschaftsveränderungen z.B. durch Ackerbau verursachte Erosionsrinnen am Hang.
Dominierender Wirtschaftsfaktor im armenischen Hochland ist auch heute noch die Weidewirtschaft, die verglichen mit dem Ackerbau geringe Landschaftseingriffe verursacht und daher für die archäologische Erforschung noch ein hohes Potential an erhaltener Substanz im Boden erwarten lässt.


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