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Von A bis Z

Naturschauspiel und Götterwelt
Wie die Gestirne gehören Sturm und Gewitter, mit ihnen aber auch Donner, Blitz, Wolken und Winde zu den überwältigen Naturschauspielen am Himmel, die dem unmittelbaren Zugriff des Menschen entzogen sind. Die zerstörerische Gewalt von Sturm und Blitzschlag bedroht die Existenzgrundlage von überwiegend agrarisch geprägten Gesellschaften ebenso unmittelbar wie ausbleibende Regenfälle oder aber Niederschlag im Übermaß, der zu verheerenden Überschwemmungen führt. In allen altorientalischen Kulturen kennt man daher mächtige Göttergestalten, die in besonderer Weise als Verkörperung des Gewitters und als Herr über Donner, Blitz, Regen und Winde gelten.
Gelegentlich zeigt dabei der Name des jeweiligen Gewittergottes (im deutschen Sprachgebrauch meist: "Wettergott") noch recht deutlich, daß hinter der komplexen Göttergestalt mit all den Eigenschaften und Zuständigkeiten, die ihr zugeschrieben werden, das numinos erfahrene Naturphänomen steht. So trägt der semitische Wettergott, dessen Verehrung in Nordsyrien, Obermesopotamien, Assyrien und Babylonien schon in der Mitte des dritten vorchristlichen Jahrtausends nachgewiesen werden kann, den Namen Hadda (später Adad, Haddu, Hadad u.ä.). "Hadda" aber bedeutet eigentlich "Donner".
Einheit und Vielfalt
Zu den wesentlichen Kennzeichen aller altorientalischen Kulturen im Vorderasien des 3.-1. Jt. v. Chr. gehört die Zwei- oder Mehrsprachigkeit. Die schriftliche Überlieferung Babyloniens etwa ist von früh an sowohl von der sumerischen wie auch der akkadischen Sprache geprägt. Mit der Adaption der babylonischen Keilschrift im gesamten altorientalischen Kulturraum entstehen nicht nur zahllose Verbindungen und Kontakte zwischen den verschiedenen Regionen Vorderasiens, sondern auch ein gemeinsamer Bildungshorizont, an dem jedenfalls die jeweiligen Eliten partizipieren.
Der Sprachkontakt ist natürlich nur ein Ausfluß des engen Nebeneinanders, gelegentlich auch Ineinanders ursprünglich verschiedener Kulturen. Solche Kontaktsituationen wirken sich selbstverständlich ebenso auf die religiösen Traditionen aus, die in einer bestimmten Region gepflegt werden. So konnten auch Göttergestalten unterschiedlicher Herkunft, wenn die Zuständigkeiten und Eigenschaften, die man ihnen zuschrieb, verwandt erschienen, miteinander verbunden und schließlich so weitgehend miteinander identifiziert werden, daß die beiden ursprünglich selbständigen Gottheiten zu einer Göttergestalt verschmolzen.
Eine religionshistorische Untersuchung der prominentesten Wettergottgestalt der babylonisch-assyrischen Götterwelt, des Gottes Adad, muß also von vornherein auch diejenigen Göttergestalten berücksichtigen, die mit Adad aufs engste verbunden wurden.
Der Kurzbeitrag gibt ein Resümee der umfassenden Untersuchung, die der Verfasser vorgelegt hat: D. Schwemer, Die Wettergottgestalten Mesopotamiens und Nordsyriens im Zeitalter der Keilschriftkulturen. Materialien und Studien nach den schriftlichen Quellen, Wiesbaden 2001. Vgl. danach noch J.-M. Durand, Le Culte d'Addu d'Alep et l'affaire d'Alahtum (Mémoires de NABU 8 = Florilegium marianum 7), Paris 2002.



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