27.11.2014 - 22:44:39

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Von der Stele zur Stadt

Ausgrabungen in Hamadab/Sudan

Ausgrabung 1914: Der von zwei Stelen flankierte Eingang des Tempels (Foto: University of Liverpool)
Ausgrabung 1914: Der von zwei Stelen flankierte Eingang des Tempels (Foto: University of Liverpool)

Zu Herodots Zeiten noch die südlichste Hauptstadt der Welt, kann sich Meroe heute zumindest noch der südlichsten Pyramiden Afrikas rühmen. Das Ruinenfeld der Stadt ist einer der wenigen geschützten archäologischen Parks im modernen Sudan.

In den Jahren 1909 bis 1914 zog es John Garstang und seine Liverpooler Ausgrabungsmannschaft in die „Royal City“ von Meroe, ein Stadtbezirk, in der einst das Königshaus, Priester und Beamte der Meroiten – so die heutige Bezeichnung der Niltalbewohner des 3. Jh. v. Chr. bis 4. Jh. n. Chr. – residierten. Dieser war mit ungewöhnlich starken Sandsteinmauern befestigt: Es musste sich also um das bedeutendste, wenn nicht gar einzige urbane Zentrum im südlichen Niltal handeln.

Gegen Ende der Mission wurde Garstang von seinen Arbeitern auf zwei Sandsteinstelen aufmerksam gemacht, die unweit von Meroe bei dem kleinen Nildorf Hamadab aus dem Sand ragten. Er entschloss sich zu deren Freilegung und förderte die bis dahin längsten bekannten meroitischen Texte zu Tage. Die Stelen markierten den Eingang eines Tempels, der völlig von der Oberfläche verschwunden war.

Testschnitte im Tempel, sudanesische und Deutsche Studenten bei der gemeinsamen Arbeit. (Foto: P. Wolf)
Testschnitte im Tempel, sudanesische und Deutsche Studenten bei der gemeinsamen Arbeit. (Foto: P. Wolf)

Ursache war die Bauweise des Heiligtums: Während in Meroe die meisten Repräsentationsbauten aus Stein errichtet worden waren, bestanden die Mauern in Hamadab aus luftgetrockneten Schlammziegeln, die lediglich an der Schauseite mit rot gebrannten Ziegeln verkleidet worden waren. Handelte es sich tatsächlich - wie Garstang meinte - um einen externen Tempel, der die Nähe der Hauptstadt ankündigen sollte?

Nach der britischen Grabung blieb Hamadab lange unberührt. Erst im Jahre 2001 - 87 Jahre später - erhielt eine sudanesisch-deutsche Expedition unter Beteiligung der Humboldt-Universität zu Berlin, der staatlichen Altertümerverwaltung des Sudan und der Universität Shendi eine Grabungslizenz. Ziel dieser über 5 Jahre angelegten Kooperation ist die archäologische Erforschung dieses Ortes durch sudanesische und deutsche Archäologiestudenten, die hier ein gemeinsames Grabungspraktikum unter Anleitung deutscher Wissenschaftler absolvieren.

Bronzestatuette eines meroitischen Königs, Höhe 12,5 cm. (Foto: P. Wolf)
Bronzestatuette eines meroitischen Königs, Höhe 12,5 cm. (Foto: P. Wolf)

Schon während der ersten Kampagne unter der Leitung von Dr. Pawel Wolf wurde klar: Zwei von antikem Schutt übersäte Siedlungshügel, die sich über die beträchtliche Länge von 750 Metern entlang des Nils erstrecken, ließen weitere Bauten unter dem Sand erwarten.

Nach der Lokalisierung der Garstangschen Altgrabung, die nur mit Hilfe von alten Fotografien möglich war, wurden zwei Testschnitte in den inzwischen wieder zugewehten Tempel des Nordhügels gelegt. Sie trafen den Eingang zum Sanktuar und die Ausgräber auf eine unerwartete Überraschung: In einer Raumecke, deren Verfüllung Garstangs Arbeitern als Einstieg gedient hatte, wurde eine kleine Bronzestatuette entdeckt.

Das bemerkenswerte Exemplar meroitischer Kleinkunst stellt einen König dar. Anfängliche Vermutungen, es handle sich um den einheimischen Gott Sebiumeker, wurden nach der Restaurierung durch Metallkonservatoren der Museumsinsel in Berlin nicht bestätigt. Eine Namensinschrift fehlt. Dagegen hatten sich auf der größeren der beiden von Garstang gefundene Stelen, die heute im British Museum zu sehen ist, eine Königin Amanirenas und ein Prinz Akinidad verewigt. Der Großteil der Inschrift bleibt jedoch bis heute unverständlich, und unbekannt sind damit auch die Ereignisse, die zu ihrer Aufstellung führten.

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