13.02.2012 - 21:18:29

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Diokletian, der verkannte Kaiser.

von Wolfgang Kuhoff -

Die Regierungszeit Diokletians, die er zuerst allein, dann zusammen mit Maximian in einer Dyarchie und schließlich mit Constantius und Galerius in einer der Öffentlichkeit breit vorgestellten Tetrarchie, deren göttliche Unterstützung betont wurde, absolvierte, erscheint im Gesamtüberblick als eine der grundlegendsten Epochen der römischen Kaiserzeit. Sie war vor allem durch eine umfängliche Reformtätigkeit gekennzeichnet, die vergleichbar höchstens durch Augustus verwirklicht worden war.

Auch wenn einige ihrer Bestandteile nicht mehr zu Ende geführt werden konnten und die tatsächliche Wirksamkeit nicht immer gesichert ist, muß diese Leistung doch anerkannt werden. Sie beruhte auf einer kritischen Überprüfung der Schwachpunkte, welche dem Imperium Romanum im Verlaufe des 3. Jahrhunderts so schwer zu schaffen gemacht hatten, und der Umsetzung von durchdachten Methoden zu einer weitgehenden Abhilfe. Freilich darf man nicht übersehen, daß in der Christenverfolgung eine manifeste Verkennung der Sachlage zum Ausdruck kommt, die jedoch durch die Unterordnung der Religionspolitik unter die grundsätzliche Maxime erklärt werden kann, daß nur der traditionelle Staatskult ein ideologisches Mittel zur umfassenden innenpolitischen Konsolidierung sein könne. Hierin offenbart sich besonders deutlich die Rückbesinnung auf die althergebrachten Werte der res publica Romana.

Daß sich das Herrschaftssystem der Tetrarchie letztenendes trotz erfolgverheißender Ansätze nicht durchsetzen konnte, kann man Diokletian nur zum Teil anlasten. Die Herrschaft seines mittelbaren Nachfolgers Konstantin verdunkelte allerdings schon bald das Andenken an seine eigene Regierungszeit. Die Historiker von heute erkennen dagegen Diokletians wirkliche Bedeutung in der römischen Geschichte an und sind gewillt, sie abgewogen zu beurteilen.

Prof. Dr. Wolfgang Kuhoff
Lehrstuhl für Alte Geschichte
Philosophisch - Historische Fakultät
Universität Augsburg
Universitätsstraße 10
D-86135 Augsburg
Wolfgang.Kuhoff(at)Phil.Uni-Augsburg.de

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