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Diokletian, der verkannte Kaiser

Wahrscheinlich aus Nicomedia stammende porphyrne Statuengruppe der Tetrarchen am Markus-Dom in Venedig mit jeweils zusammen einem Augustus und einem Caesar. (v. links: Maximianus und Constantius I., Diocletianus und Galerius). (Foto: Wolfgang Kuhoff)
Wahrscheinlich aus Nicomedia stammende porphyrne Statuengruppe der Tetrarchen am Markus-Dom in Venedig mit jeweils zusammen einem Augustus und einem Caesar. (v. links: Maximianus und Constantius I., Diocletianus und Galerius). (Foto: Wolfgang Kuhoff)

Fragt man nach den Namen römischer Kaiser, so stehen Augustus und Konstantin an der Spitze der benannten Personen. Deren historische Bedeutung steht zwar außer Frage, doch reichen ein paar Namen natürlich nicht aus, die Höhepunkte des Imperium Romanum ausreichend zu charakterisieren. Einen besonderen Wendepunkt stellt zweifellos die lange Regierungszeit des C. Aurelius Valerius Diocletianus dar, der als Diokletian in die Geschichtsbücher eingegangen ist.

Während der Jahre zwischen 284 und 305 vollzog sich unter seiner Ägide eine Umstrukturierung der res publica Romana, wie sie nur unter Augustus, dem Begründer der monarchischen Herrschaft (27 v. Chr. - 14 n. Chr.), vorgekommen war. Damals wurden die Grundlagen für den unaufhaltsamen Übergang der Entscheidungsgewalt vom traditionellen Gremium des Senates auf einen Alleinherrscher, den princeps, gelegt. Am Ende des 3. Jahrhunderts jedoch mußte sich Diokletian, der wie damals üblich im Bürgerkrieg und durch den gewaltsamen Tod seines Vorgängers an die Macht gelangt war, der Notwendigkeit stellen, das aus den Fugen geratene Reich für die weitere Zukunft wieder zu konsolidieren.

Schwinden der Kaisergeltung, militärische Mißerfolge, Auftreten gefährlicher Gegner an allen Grenzen, Erwachsen partikularer Interessen im Reichsinneren, monetäre Inflation und wirtschaftliche Rezession waren wichtige Faktoren, die ein fehlendes Vertrauen der Menschen in die Fähigkeit der kaiserlichen Regierung hervorriefen, der gravierenden Schwierigkeiten Herr zu werden und den Staat zur Blüte zurückzuführen. Jeder neue Kaiser mußte alle seine Tatkraft darauf verwenden, die angesprochenen Symptome der großen Reichskrise des späten 3. Jahrhunderts zu bewältigen, um das Fortbestehen des traditionsreichen Imperiums zu gewährleisten.[1]

Der am 20. November 284 vor den Toren der Stadt Nicomedia am Marmara-Meer von seinen Truppen zum Augustus proklamierte und im Spätsommer des folgenden Jahres nach dem Tode seines letzten Rivalen zur Alleinherrschaft gelangte Diokletian erwies sich als ein Mann, der seine Aufgaben kannte und energisch an ihre Bewältigung ging. Gebürtig wahrscheinlich aus Aspalathos, dem modernen Split in Kroatien, zählte er zu denjenigen Kaisern, die in der althistorischen Forschung mit dem Sammelbegriff "illyrische" bezeichnet werden. Als deren herausragendste Eigenschaft gilt ihre Tatkraft, und sie besaß Diokletian, gepaart mit fast uneingeschränkter Durchsetzungskraft, in höchstem Maße. Mit ihrer Hilfe setzte er in seiner Regierungszeit etliche Reformmaßnahmen in die Tat um, die teilweise schon von Vorgängern, namentlich Gallienus (253-268), initiiert, aber nicht verwirklicht worden waren.

Statuengruppe der zwei Augusti von kleinerer Größe am oberen Ende einer Porphyrsäule, jetzt in der Biblioteca Apostolica Vaticana (Vatikanstadt). (Foto: Franco Marini)
Statuengruppe der zwei Augusti von kleinerer Größe am oberen Ende einer Porphyrsäule, jetzt in der Biblioteca Apostolica Vaticana (Vatikanstadt). (Foto: Franco Marini)

An erster Stelle stand die Präsenz der Staatsmacht in den besonders neuralgischen Gebieten entlang gefährdeter Grenzen: Zu diesem Zwecke berief Diokletian schon kurz nach seiner reichsweiten Anerkennung, gegen Ende 285, den ihm wohlbekannten M. Aurelius Valerius Maximianus, wie er erfahrener Truppenkommandeur, zuerst in die Stellung eines Caesar, des präsumptiven Thronfolgers, und nach seiner Bewährung als Sieger über die gallische Aufstandsbewegung der Bagauden wohl noch am Jahresende 285 zum zweiten Augustus.

Innerhalb einer geographischen Aufgabenverteilung übernahm Diokletian von da an den Osten, Maximian aber den Westen des Reiches. Ersterer setzte sich seitdem vor allem mit dem großen Rivalen der Römer, den Persern unter der Sasanidendynastie, sowie mit den Sarazenen auseinander, während der andere Kaiser mit den Alamannen, Franken und anderen germanischen Völkerschaften zu tun hatte, die er im wesentlichen in die Schranken verweisen konnte.

Allerdings erwuchs ihm ein Rivale in der Person des Flottenbefehlshabers M. Aurelius Mausius Carausius, der sich nach einem Streit um zurückzugebende Beute aus Feindeseinfällen in Nordgallien zum Kaiser ausrufen ließ und sich mitsamt der Flotte, Grundlage seiner Macht, in Britannien festsetzte (Spätjahr 286). Fortan gab es faktisch drei Herrscher, doch erkannten die beiden rechtmäßigen den Aufsteiger trotz dessen Bemühungen in der Münzprägung offiziell nicht an. Um Carausius zu bekämpfen kamen Diokletian und Maximian überein, einen neuen Caesar zu berufen, der sich mit dem Möchtegernkollegen auseinandersetzen sollte: Ausgewählt wurde am 1. März 293 Flavius Valerius Constantius, bewährter Feldherr, gewesener Prätorianerpräfekt und Schwiegersohn Maximians. Dem Caesar gelang es rasch, den Hauptstützpunkt des Carausius in Nordgallien, Bononia (Boulogne), zu erobern, was zur Ermordung des letztgenannten führte; dessen Nachfolger Allectus konnte sich aber noch drei Jahre lang in Britannien halten.[2]


[1] Dieser Kurzbeitrag faßt die Ergebnisse zusammen, die der Autor in einer umfassenden Untersuchung vorgelegt hat: Wolfgang Kuhoff, Diokletian und die Epoche der Tetrarchie. Das römische Reich zwischen Krisenbewältigung und Neuaufbau (284-313 n. Chr.), Frankfurt am Main u.a. 2001.

[2] Die genannten historischen Ereignisse sind bei Kuhoff, Diokletian 17-106, behandelt. Eine Übersicht über die wichtigen Daten zur Geschichte Diokletians und seiner Mitherrscher gibt Dietmar Kienast, Römische Kaisertabelle. Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie, Darmstadt 2. Aufl. 1996, 266-287.

Kommentare

Angela Graf-Nold , 25.03.2009 14:49
"Kaiser Diokletian weihte sich einen tempel, idem sich eine -treppe befand,- 350 Stufen hinunter -, wo sich unten ein Hekate-TEmple befand." C.G. Jung in einer vorlesung 1935

Gibt es eine beleg für diese Aussage?
Für Ihre Auskunft wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Mit freundlichen Grüssen, Angela Graf-Nold
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Beate Krzyzan, 18.10.2011 14:11
Hallo, ich suche einen alten Roman über Diokletian und seinen Sohn Apollinaris. Dieser war in der Bibliothek meines Großvaters vorhanden, ist aber verschwunden. Ich weiß aber den Titel nicht mehr. Können Sie mir weiterhelfen?
Danke
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