26.05.2012 - 12:59:39
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Der Archäologe als «Last Action Hero»

Heinrich Schliemann, der Held (1822-1890)

Heinrich Schliemann vor der Heliosmetope (Athenatempel, Troja) und dem Löwentor (Mykene). (Kupferstich 1987 aus dem Ausstellungskatalog "Troia - Traum und Wirklichkeit")
Heinrich Schliemann vor der Heliosmetope (Athenatempel, Troja) und dem Löwentor (Mykene). (Kupferstich 1987 aus dem Ausstellungskatalog "Troia - Traum und Wirklichkeit")

Wenn der Titel dieses Textes auf einen Arnold-Schwarzenegger-Film verweist, so hat dies mehrere Gründe. Natürlich will ich nicht verschweigen, daß der amerikanische Film als schnittiger "Aufreisser" dienlich ist. Darüber hinaus möchte ich durch die Referenz auf die zeitgenössische - unsere! - Populärkultur zwei Momente akzentuieren.

Zum einen möchte ich dazu einladen, Heinrich Schliemann nicht nur als historische - zweifellos etwas skurrile - Figur zu betrachten: Sondern ihn - im Gegenteil - auch unter den Prämissen der Moderne anzusehen. Nämlich: Als Selfmade-Man, als Selbstdarsteller und als als Selbst-Vermarkter. - Kurz: Als ein versierter Manager dessen, was man heute die "Ego"- oder "Ich-Aktie" nennt.

Zum anderen habe ich den griffigen Titel gewählt als eine Art Signal in Bezug auf die Autorin der folgenden Beobachtungen und Reflexionen: Es "spricht" hier weder eine Altphilologin noch eine Archäologin. Sondern es spricht eine Germanistin - im aktuellen Jargon eine "Kultuwissenschafterin" genannt. Eine Literaturwissenschafterin also, die Themen und Motive quer durch die Texte und Zeiten verfolgt.

Wenn ich mich mit dem publizistischen Werk Heinrich Schliemanns gewissermassen "literarisch" befasse, so heisst man dies in der Fachsprache einen "erweiterten Literaturbegriff". Literatur wäre demnach (frei nach Ludwig Wittgenstein formuliert) alles das, was der "Fall" bzw. was der "Text-Fall" ist.
So seien nun Bühne und Tisch bereitet für SCHLIEMANN, DEN HELDEN und - wie die Amerikaner bei Beginne eines gemeinsamen Mahles sagen: "Let's dig in!"

Die sensationelle Entdeckung Trojas und die Bergung des mykenischen Goldes durch einen bis dato unbekannten Laien verleihen der Figur Schliemanns schon für die Zeitgenossen eine Aura des Wunderbaren. Und auch für die Nachwelt behält sie durchaus märchenhafte und romaneske Züge: Plötzlich und gleichsam aus dem Nichts tritt da ein dilettierender Privatier in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und verkündet, er habe nichts Geringeres als das sagenhafte Troja gefunden. Schliemann tritt mit handfesten archäologischen Realien den Beweis an für die faktische Wahrheit der mythischen Erzählungen. Seine "pragmatische" Homerlektüre verknüpft Literatur direkt mit der Archäologie: Sie liefert nach rund dreitausend Jahren gewissermaßen die Illustrationen zum Text und übersetzt die literarische Ekphrasis Homers in archäologische Fundprotokolle.

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