- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
- 1.2: Fundpunkt.
- 1.2.1: Ausstellungen.
- 1.2.2: Ausgrabungen.
- 1.2.3: Forschung.
- 1.2.4: Sonstiges.
- 1.3: Nachrichten.
- 1.4: Aus der Presse.
- 1.5: TV-Programm.
- 1.6: Kalender.
- 2: Guide.
- 3: Digger.
- 4: Bibliothek.
- 5: Mediathek.
- 6: Forum.
- 7: Club.
- 8: Autoren.
- 9: FAQ.
Von A bis Z

Bei ihrer Herstellung wurden nur Vollmond, Sichelmond und die Sterne auf die Scheibe aufgebracht. Die sich beim Betrachten der Scheibe geradezu aufdrängende, „Sonne, Mond und Sterne - Symbolik“ wurde mittlerweile zu den Akten gelegt. Als einziges erkennbares Sternbild sind die Plejaden abgebildet. Die Sonne hat sich mittlerweile als Vollmond herausgestellt.
Somit sind auf der Scheibe zwei für Ackerbaugesellschaften sehr wichtige Daten zu erkennen. Die jeweilige gemeinsame Sichtbarkeit von Sichelmond, bzw, Vollmond mit den Plejaden am Westhimmel markierten in der Bronzezeit den Anfang und das Ende des bäuerlichen Jahres, Mitte März und Mitte Oktober (s. dazu im Fundpunkt: "Das Weltbild der Scheibe").
In einer ersten Überarbeitung kamen die beiden Horizontbögen dazu. Sie bezeichnen den Bereich, in dem unser Gestirn im Laufe eines Jahres zwischen Sommersonnenwende und Wintersonnenwende auf- bzw. untergeht.

- Der Ursprung. (Foto: Juraj Lipták, LDA Halle)

- 1. Bearbeitung. (Foto: Juraj Lipták, LDA Halle)

- 2. Bearbeitung. (Foto: Juraj Lipták, LDA Halle)
Sie haben nicht nur symbolischen Charakter, sondern beziehen sich eindeutig auf die Realität. Die Winkel der Bögen, vom Mittelpunkt der Scheibe aus gemessen, entsprechen genau auf dem Wert, den die Sonne auf Höhe Magdeburg im Laufe des Jahres beschreibt.
Diese Erkenntnisse sind ein weiteres starkes Indiz dafür, dass die Scheibe in ihrer Fundregion auch hergestellt wurde und zu astronomischen Beobachtungen eingesetzt werden konnte.
Schon in antiker Zeit, bevor sie im Boden des Mittelberges vergraben wurde ging wahrscheinlich der linke Horizontbogen verloren. Möglicherweise bestand er aber auch aus einem vergänglichen Material, das sich in der Zeit von 1600 v. Chr. und 1999 n. Chr. aufgelöst hat.
In einer zweiten Bearbeitung kam die Barke hinzu. Hierbei fällt auf, dass sie als einzige verziert ist. Und sie ist das einzige wirklich rein mythologische Symbol auf der Scheibe. Da die Barke als letztes aufgelegt wurde, kann man spekulieren, dass die Scheibe von einem vormals eher astronomischen Hilfsmittel, zu einem Kultgerät gemacht oder dem zu diesem Zeitpunkt herrschenden Mythos angepasst wurde.
Die Untersuchungen ergaben, dass jeder dieser Schritte von einem anderen Handwerker ausgeführt wurde und somit auch ein jeweils zeitlicher Abstand anzunehmen ist. Als letzter Schritt in der Veränderung der Scheibe wurde sie randlich gelocht. Da an diesen Löchern keinerlei Abnützungsspuren zu erkennen sind, ist der Zweck bisher nicht zu ergründen.
Und die Scheibe zieht Kreise
im Internet
Auf den Webseiten des Landesamtes für Archäologie Sachsen-Anhalt findet sich ein extra Bereich zur Himmelsscheibe.
Hier kann man sich zu allen bisherigen Forschungsergebnissen, Aktivitäten und Angeboten rund um die Scheibe informieren.
Das Wissen über die Bronzezeit in Mitteldeutschland ist eigentlich auf dem Stand der achtziger Jahre, beklagt François Bertemes, Direktor des Institutes für Prähistorische Archäologie an der Universität Halle. Riesige Verkehrsprojekte und die verstärkte Bautätigkeit im Zuge der deutschen Einheit ließen zahlreiche Grabungen stattfinden und erbrachten große Mengen an neuen Funden. Im Klammergriff von Rettungsgrabungen und Stellenabbau bleibt für die Auswertung jedoch keine Zeit.
Unter der Leitung von Bertemes bläst nun ein Verbund mit der Universitäten von Halle und Jena, der TU Freiberg und des Landesamtes für Archäologie Sachsen-Anhalt zu einer wahren Forschungsoffensive. „Der Aufbruch zu neuen Horizonten“ heißt das Forschungsprojekt, das sich intensivst mit der Frühbronzezeit auseinandersetzen wird. 3,6 Millionen Euro von der DFG und ebenso viele Eigenmittel sollen nun helfen all jene Fragen zu lösen, die den Archäologen schon lange unter den Nägeln brennen und jene, die sich nun neu stellen.
Neue Fragen kamen mehr als genug hinzu: Was ist mit den zwölf Kreisgrabenanlagen, die man in den letzten Jahren in Sachsen-Anhalt neu entdeckt hat und die alle in der Zeit der Himmelsscheibe angelegt wurden? Wieso, weshalb und warum wurden eigentlich die frühbronzezeitlichen Höhensiedlungen gebaut? Aber auch alte Funde und Grabungen sollen erneut ausgewertet werden.

- Der frühbronzezeitliche Grabhügel von Leubingen. (Fotos: Juraj Lipták, LDA Halle)
Man darf also in den nächsten Jahren auf einige neue Erkenntnisse zur Bronzezeit gespannt sein. Die Scheibe von Nebra bewegt direkt oder indirekt noch lange Zeit die Forschung.


Kommentare
An Stelle der Plejaden sollte man mal das Sternbild Orion und seine Umgebung anschauen, dann kommt man möglicherweise auf eine andere Interpretation zum kulturellen Hintergrund und Herstellungsort der Scheibe.
Südosteuropa und Mittelmeerraum waren Zentren wo die Sterne und der Mond im kulturellen Verständnis der Menschen eine Rolle gespielt haben. Hier waren auch die Handwerkstechniken bekannt.
"Daniel Berger, Roland Schwab, Christian Wunderlich.de"
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.