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Der geschmiedete Himmel.

von Thilo Jordan - 29.10.2004

Die Himmelsscheibe en detail

3600 Jahre alt ist die Scheibe, aus der Bronzezeit und ein Weltstar, seit sie 1999 raubgräberisch „geborgen“ wurde. Mithin ist sie die bisher älteste bekannte Himmelsdarstellung und fasziniert sowohl Öffentlichkeit wie auch die Forschung. Vergleicht man sie mit Himmelsdarstellungen aus späteren Zeiten, auf denen es von mythischen und mystischen Wesen nur so wimmelt, ist „das bronzezeitliche Ding, so nüchtern wie ein Verkehrsschild“ meint Wolfhard Schlosser, Professor für Astronomie an der Universität in Bochum.

Goldverzierter Griff des Kurzschwertes von Nebra. (Foto: Juraj Lipták LDA Halle)
Goldverzierter Griff des Kurzschwertes von Nebra. (Foto: Juraj Lipták LDA Halle)

Seit der Sicherstellung der Scheibe im Jahr 2002 laufen umfangreiche Untersuchungen an der Scheibe, die von den beiden Raubgräbern zuerst für den Deckel eines alten Eimers gehalten wurde. Die Frage nach dem Fundort, der Fundzusammenhänge und der Fundlage konnten anhand der Aussagen der Entdecker rekonstruiert werden. Die Scheibe wurde somit aufrecht stehend zusammen mit zwei Schwertern, zwei Beilen, einem Meißel und zwei Armspiralen im Boden als Hort deponiert. In der Ausstellung ist die wahrscheinliche Lage aller Funde als Installation zu sehen.

Dass die Scheibe echt ist, haben metallurgische Untersuchungen an der TU Bergakademie Freiberg ergeben. Zum einen ist die Patina nicht künstlich hergestellt worden, sondern muss auf natürlichem Wege entstanden sein. Einen weiteren Hinweis kann ein radioaktives Zerfallsprodukt von Uran liefern: 210Pb. Bei den meisten im Altertum üblichen Metallen, wie Kupfer, Silber und Zinn, entsteht während der Verhüttung des Erzes dieses Element, wodurch die Metalle schwach radioaktiv werden.

Diese Radioaktivität kann noch bis ca. 100 Jahre nach der Verhüttung nachgewiesen werden. Im Metall der Scheibe konnte keinerlei Radioaktivität nachgewiesen werden, somit ist sie älter als hundert Jahre. Alle diese Punkte, sowie die chemische Zusammensetzung des Metalls und die Herstellungsweise reduzieren die Wahrscheinlichkeit einer modernen Fälschung gegen Null.

Die archäometallurgischen Untersuchungen des Teams um Prof. Pernicka von der TU Freiberg gingen auch den Fragen nach Art und Herkunft der verwendeten Metalle Kupfer und Gold nach, da man sich lange Zeit unsicher war, ob die Scheibe in Mitteleuropa hergestellt oder nicht doch aus Regionen mit bronzezeitlichen Hochkulturen wie Mesopotamien, Ägypten oder Griechenland importiert wurde. Hier hätte man eher mit einem solchen Fund gerechnet.

Anhand der Spurenelemente in den Metallen kann man mit großer Sicherheit sagen, dass alle verwendeten Metalle aus Mitteleuropa stammen. Es deutet somit vieles darauf hin, dass die Scheibe auch in Mitteleuropa hergestellt wurde.

Dr. Harald Meller mit der Himmelsscheibe. (Foto: Juraj Lipták LDA Halle)
Dr. Harald Meller mit der Himmelsscheibe. (Foto: Juraj Lipták LDA Halle)

Immer wieder wird von der 3600 Jahren alten Scheibe gesprochen. Dies ist eigentlich nicht ganz richtig. Man müsste eher sagen, dass die Scheibe zusammen mit den anderen Funden vor 3600 Jahren vergraben wurde. Archäologisch datieren kann man nur die Beifunde der Scheibe und diese wurden ungefähr 1600 v.Chr. hergestellt.

Wie viele Jahre zwischen der Herstellung der Scheibe und ihrer Niederlegung am Mittelberg liegen, kann man nur schätzen. Die Meinung vieler Forscher schwankt zwischen 100 und 400 Jahren. Die Scheibe ist also durch die Hände von mehreren Generationen gegangen. Und diese Hände haben die Scheibe immer wieder verändert. Das heutige Bild der Scheibe war nicht ihr Ursprüngliches.

Bei der Restaurierung und Untersuchung der Scheibe wurde bereits festgestellt, dass die Scheibe viermal umgestaltet wurde. Die metallurgischen Untersuchungen des Goldes unterstützen diese Beobachtung, da für die beiden Monddarstellungen und die Sterne, die beiden Horizontbögen und das Schiff jeweils andere Goldsorten Verwendung fanden.

Kommentare

Albrecht Sepp, 15.10.2011 18:20
"Man kann mit großer Sicherheit sagen, dass alle verwendeten materialien aus Mitteleuropa stammen. Es deutet deshalb vieles darauf hin, dass die Scheibe auch in Mitteleuropa hergestellt worden ist."
Zitat Prof.Meller
Weder gibt es einen Beweis dafür, dass es zur Zeit der Himmelsscheibe eine auf Sterne und Mond ausgerichteten kulturellen Hintergrund gegeben hat, noch gibt es einen Beleg darüber, dass zu dieser Zeit und in diesem Gebiet die handwerklichen Voraussetzungen gegeben waren, um die Scheibe mit ihren Applikationen herzustellen.
Die Herkunft der Materialien sagt nichts über den Ort aus wo diese verarbeitet wurden. Es handelt sich hier um ein Einzelprodukt ohne jeglichen Vergleich mit ähnlichen Funden in diesem Gebiet die einen Hinweis darauf, dass diese Handwerkstechniken bekannt gewesen sind. Selbst Christian Wunderlich hat mit seinen Beschreibungen über die Herstellungstechnik so richtig diese sind, kein Hinweis auf den Ort ihrer Anfertigung gegeben.
"Daniel Berger, Roland Schwab, Christian Wunderlich.de" Zitat: "neben häufig angewendeten Bearbeitungstechniken, finden sich auch solche, die in Mittel-West und Nordeuropa als exotisch gelten, da sie nur mit wenigen Funden vertreten sind und ihre Anwendung deshalb fraglich ist".
Dazu gehören: "Die Ziertechnik durch Tauschieren, Patinierung und Arsenierung ......."
Dem ist nichts hinzuzufügen.
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