- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
- 1.2: Fundpunkt.
- 1.2.1: Ausstellungen.
- 1.2.2: Ausgrabungen.
- 1.2.3: Forschung.
- 1.2.4: Sonstiges.
- 1.3: Nachrichten.
- 1.4: Aus der Presse.
- 1.5: TV-Programm.
- 1.6: Kalender.
- 2: Guide.
- 3: Digger.
- 4: Bibliothek.
- 5: Mediathek.
- 6: Forum.
- 7: Club.
- 8: Autoren.
- 9: FAQ.
Von A bis Z


- Die weite Welt im Herzen Europas vor 3600 Jahren. Eine Ausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. (Fotos: Juraj Lipták, LDA Halle; Grafik: Andreas Brunn)
... morgens zieht ein Pferd die Sonne auf das Schiff des Tages, das die Sonne über den Himmelsozean fährt. Abends wird sie wieder von einem Pferd auf das Schiff der Nacht umgeladen und von diesem sicher durch die Unterwelt gebracht und morgens ...

- Der Mythos dargestellt. (Fotos: Juraj Lipták, LDA Halle; Grafik: T. Jordan)

- Aufbau der Tag- und Nachtbarke. (Foto: Juraj Lipták, LDA Halle)
Dies könnte ein Mythos gewesen sein, den sich die Menschen vor über 3500 Jahren erzählt haben. Pferd und Schiff sorgen für den ewigen Kreislauf der Sonne. Zahlreiche Funde aus der Bronzezeit zeigen Sonne, Pferd und Schiff als Abbildung, anscheinend zentrale Punkte in der Glaubensvorstellung der Menschen.
So sind archäologische Funde nicht einfach nur alte Gegenstände, sondern sie erzählen Geschichten, berichten uns teilweise von Mythen und Vorstellungen der Menschen, die sie hergestellt haben.
Gerade die geistige Seite einer vergangenen Kultur können wir heute nicht mehr erschließen, vieles nur spekulieren, aber an einiges können wir uns annähern.
Die „Himmelsscheibe“, der „Sonnenwagen von Trundholm“, die goldene Prunkaxt von Tufalau sind nur drei von zahlreichen weiteren exzeptionellen Funden und Fundensembel der europäischen Bronzezeit, die man in der Landesausstellung „Der geschmiedete Himmel“ in Halle zu Gesicht bekommt. Doch die Ausstellung ist keine Show tollster archäologischer Funde, sondern sie lässt die Funde ihre Geschichten erzählen.
In drei Themenbereichen wird ein sehr lebendiges Bild der Bronzezeit präsentiert, wobei der Fokus auf Mitteldeutschland liegt. Kult, Religion und Mythen der Bronzezeit stehen im Zentrum der Ausstellung, daneben die weiträumigen Verbindungen und Kontakte, der Austausch von Rohstoffen und Gegenständen, aber auch von Ideen und Glaubensvorstellungen, die man aus den Funden herauslesen kann.
Götter – Riten – Opfer und weiträumige Kontakte
Die zentrale Installation der Ausstellung ist eine riesige schwarze „Nachtbarke“, in der die Himmelsscheibe von Nebra, sowie die filigranen Goldschiffchen aus dem Hügelgrab bei Nors und der „Sonnenwagen von Trundholm“ (letztere aus DK) als Highlights präsentiert werden. Das Pendant dazu, die goldene „Tagbarke“, schwebt zwei Geschosse höher.

- Goldschiffchen von Nors. (Foto: Juraj Lipták, LDA Halle)
„Nacht- und Tagbarke“ verbinden optisch die ganze Ausstellung, die auf den drei Stockwerken des Museums präsentiert wird.
Um diese zentralen Exponate gruppiert ist der erste Themenbereich »Himmelsscheibe und Sonnenwagen«. Hier wird vornehmlich den Fragen nach den Mythen und Riten der Bronzezeit in Nord- und Nordmitteleuropa nachgegangen. Denn erst mit diesem Wissen kann man das Bild der Himmelsscheibe besser verstehen.
Neben den Gestirnen ist auf der Himmelsscheibe zum erstenmal in Europa das Schiff als mythisches Element in seiner Fahrt über den Himmelsozean überliefert. Was das Schiff transportiert hat, ob Sonne oder Mond, ist mit der Scheibe allein nicht zu klären. Für den Mythos eines Sonnentransportes per Schiff und Pferd finden sich besonders in Nordeuropa auf späteren Funden und Felsbildern aus der Bronzezeit zahlreiche Hinweise.
Den ältesten wirklichen Nachweis bildete bisher der berühmten Sonnenwagen von Trundholm. Die Sonne bewältigt hier zumindest ein Teilstück ihrer täglichen und nächtlichen Himmelsreise mit Hilfe eines Pferdes. Im Laufe der Bronzezeit erscheint das Schiff fast als Tempel der Sonnenverehrung.
Die Scheibe wurde vor 3600 Jahren zusammen mit wertvollen Schwertern, Schmuck und Gerät auf dem Gipfel des Mittelberges bei Nebra niedergelegt. Sie ist nur einer von zahlreichen überlieferten Hortfunden, deren Verbreitung in der Bronzezeit ganz Europa netzartig überspannt. Diese Metalldeponierungen, ihre Eigenarten und Deutungen stehen im Mittelpunkt des zweiten Themenbereiches »Gaben an die Götter«.

- Der Hortfund von Dieskau, Bersteinkette aus dem Hortfund von Dieskau und der Sichelhortfund Frankleben. (Fotos: Juraj Lipták, LDA Halle)
Die Installation einer großen Waage leitet diesen Bereich ein. Die eine Schale mit mehreren Dutzend Bronzegegenständen gefüllt, ist dennoch leichter als die zweite Schale, die mit göttlichem Licht oder göttlicher Gunst gefüllt ist. Sehr eindeutig wird hier der ständige, jedoch unerfüllbare Wunsch der Menschen nach Ausgleich mit den Göttern dargestellt.
Die Hortfunde in Mitteldeutschland zwischen Beginn und Ende der Bronzezeit, zwischen Beil und Sichel, bieten ein einprägsames Bild dieses religiösen Phänomens. Ob nun wirklich alle Hortfunde nur rein religiös zu deuten sind, darüber kann man streiten. Bei dem Hortfund vom Mittelberg bringt Harald Meller, Landesarchäologe in Sachsen-Anhalt eine spannende These ins Spiel. Die Kombination der Beifunde der Himmelsscheibe sei fast mit denen von „Fürstengräbern“ der Frühbronzezeit zu vergleichen. Vielleicht, so Meller, wurde die Scheibe wie eine hochstehende Persönlichkeit bestattet. Die Frage nach dem Warum wird allerdings immer im Dunklen bleiben.

- Stabdolche, Hortfund von Dieskau. (Foto: Juraj Lipták, LDA Halle)
Der natürliche Reichtum Mitteldeutschlands - Kupfer, Salz und fruchtbare Böden - bildete die Machtgrundlage der hier ansässigen Fürsten der Frühbronzezeit. Mächtige Grabanlagen, umfangreiche Bronzeschätze, Goldschmuck und einzigartige Prunkwaffen sind als ihre Statussymbole überliefert.
Viele dieser Symbole wurden mehr als tausende Kilometer entfernt in weiten Teilen Europas verstanden und verwendet. Die „Fürsten“ von Leubingen und Helmsdorf waren Teil einer großen Gemeinschaft. »Die weite Welt im Herzen Europas« bildet den Rahmen des dritten Themenbereiches.
Zahlreiche Modelle, Installationen, Filme und Animationen visualisieren die bisherigen Forschungsergebnisse und geben Antworten auf die vielen Fragen, die sich durch die Himmelsscheibe stellen: „Warum ist das Schiff auf der Scheibe?“, „Ist die Scheibe echt?“, „Wo kommt das Metall her?“ oder „Warum wurde sie begraben?“, um nur wenige zu nennen.
Um die Antworten zu sehen und nicht bloß zu lesen, dafür muss und soll man nach Halle fahren und sich selbst einen Eindruck der Ausstellung machen.
"Der geschmiedete Himmel" - Ausstellung in Zahlen
1600 Exponate aus den Beständen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle sowie von 68 Leihgebern aus 18 Ländern illustrieren die Kontakte vom östlichen Mittelmeer (Libanon) bis zu den Britischen Inseln, von Spanien bis nach Skandinavien.
Die archäologischen Schätze - Grabbeigaben, Kultgeräte, goldener Schmuck, reich verzierte Waffen, umfangreiche Horte - werden auf ca. 1400qm und verteilt über drei Stockwerke im frisch sanierten historischen Museumsbau präsentiert.
Gesamtleitung: Dr. Harald Meller
Projektleitung: Dr. Regine Maraszek
Gestaltung: Juraj Lipták (München) Karol Schauer (Salzburg)
[zur Homepage der Ausstellung]
Denjenigen, denen der Weg zu weit ist, sei hier der sehr gut gemachte Ausstellungskatalog empfohlen. Er gibt einen umfassenden Einblick in die Epoche und stellt die bisherigen Forschungen auf sehr ansprechende und sehr verständliche Art dar. Der „Starschnitt“ des „Sonnenwagens von Trundholm“ ist gelungen, größer kann man ihn nur noch im Original sehen.
Herauszuheben ist die effektvolle Lichtführung der Ausstellung und Bilder durch den Fotografen Juraj Liptak, der es dadurch versteht den Blick auch auf kleinste Details zu lenken. Dieses Sichtbarmachen zu übersehender Feinheiten hilft aus den prächtigen geheimnisvollen Einzelstücken, Teile des Lebensumfeldes der Menschen dieser vergangenen Epoche zu machen.
