26.05.2012 - 12:37:39
Kooperation

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)

Zerstörungshorizont

Eine archäologische Collage über den Krieg

2.4.2003

Vom 22. Februar bis 4. Mai 2003 ist in der Archäologischen Sammlung der Universität Freiburg im Breisgau eine Ausstellung zu sehen, die sich mit dem Phänomen Krieg beschäftigt. Es werden Gründe, Abläufe und Konsequenzen von Kriegen des 3. Jahrtausends vor Christus bis 1945 beleuchtet.

Aus aktuellem politischem Anlass entschlossen sich Freiburger Dozenten und Studenten, einen Beitrag zur Aufarbeitung des Themas "Krieg" zu leisten. In den einzelnen Modulen der Ausstellung kann keine vollständige Darstellung kriegerischer Menschheitsgeschichte präsentiert werden. Vielmehr sind einzelne Ereignisse collagenartig komponiert, die besondere historische Bedeutung und überzeitlichen Symbolgehalt besitzen.

Konflikte im Alten Orient - von Eannatum bis Saddam

Der Themenbereich "Blut für Wasser" zeigt Konflikte um Wasser und andere Ressourcen, die besonders im Zweistromland eine lange Tradition entfalten: Im alten Orient wurden Kriege fast ausschließlich aus ökonomischen Interessen geführt. Schon in frühdynastischer Zeit (ca. 2850 bis 2350 v. Chr.) entschied der Zugang zu den knappen Wasserreserven über die weitere Existenz oder den Untergang ganzer Staaten. Im Süden Mesopotamiens hatte sich ein System benachbarter, politisch unabhängiger Stadtstaaten entwickelt. Aufgrund der niedrigen Niederschlagsmengen war Landwirtschaft nur mit künstlicher Bewässerung möglich. Ein groß angelegtes Netzwerk von Kanälen versorgte das Land mit dem Wasser von Euphrat und Tigris.

Relief aus dem Nordpalast in Ninive. London, British Museum. Alabaster, neuassyrisch, 7. Jh. v. Chr. (Foto: Archäologische Sammlung Uni Freiburg)
Relief aus dem Nordpalast in Ninive. London, British Museum. Alabaster, neuassyrisch, 7. Jh. v. Chr. (Foto: Archäologische Sammlung Uni Freiburg)

Eroberung einer Stadt in Nubien.
Das Bild gehört zu einem langen, 1,14 m hohen Relieffries, auf dem die Kriegszüge des Königs Assurbanipal (668-631 v. Chr.) in Oberägypten dargestellt sind. Die eroberte Festung liegt oberhalb eines Flusses. Rechts und links, in je zwei Registern angeordnet, erscheint das assyrische Heer, dessen Spitze die Mauern mit Hilfe von Leitern erstürmt. Gleichzeitig werden aus dem Tor bereits die Gefangenen herausgeführt, durch ihre Tracht als Nubier gekennzeichnet.
(Foto: Archäologische Sammlung Uni Freiburg)

Ein Konflikt zwischen den Stadtstaaten Umma und Lagaš ist durch zahlreiche Bild- und Schriftdokumente überliefert. Streitpunkt in der fast 150 Jahre dauernden militärischen Auseinandersetzung war ein wichtiger Kanal im Grenzgebiet. Die nördlich gelegene Stadt Umma konnte die Wasserzufuhr dieses Kanals und somit die südlich liegenden Äcker im Territorium von Lagas kontrollieren.

Auf dem Höhepunkt des Konflikts besetzte Umma ca. 2480 v. Chr. das umstrittene Gebiet. Der Herrscher Eannatum von Lagaš zog daraufhin wenige Jahre später gegen die Invasoren in den Krieg. Er drängte die Eindringlinge zurück und eroberte schließlich die Stadt selbst. Doch der Sieg konnte den Streit nicht dauerhaft lösen. Vertraglich wurde Umma zwar ein Teil des Grenzgebietes zugesprochen, jedoch in Verbinung mit hohen Pachtabgaben an Lagaš . Schon wenige Jahre später kam es zum erneuten Krieg - ein absehbarer Vorgang, der sich bis heute allzu häufig wiederholt hat.

Ein weiterer ökologisch motivierter Konflikt wird unter dem Titel "Die Zeder wächst am Libanon" vorgestellt. Neben Wasser und Land gewinnen im Lauf der Bronzezeit Rohstoffe wie Metalle, repräsentative Steinsorten und Holz an Bedeutung. Sie waren im mesopotamischen Kernland nicht ausreichend vorhanden. Der Bedarf an diesen Ressourcen stieg, je komplexer sich die Gesellschaftsstruktur entwickelte. Neben den friedlichen Güteraustausch trat die gewaltsame Aneignung immer mehr in den Vordergrund. Insbesondere die Großreiche nutzten ihre militärische Überlegenheit und raubten die begehrten Rohstoffe in den militärisch schwächeren Nachbarregionen.

Unverblümt beschreibt Maništusu, der Herrscher von Akkad (2340-2223 v. Chr.), seine Plünderung von Städten und die Ausbeutung von Ressourcen in einer Region auf der anderen Seite des Persischen Golfes. Die Siedlungen dort waren klein, weit von Akkad entfernt und stellten keine Bedrohung für das Großreich dar.

Eine Inschrift schildert den Feldzug des Königs: "Die Städte auf der anderen Seite des Meeres, zweiunddreißig an der Zahl, versammelten sich für die Schlacht, aber Maništusu war siegreich. Weiter eroberte er ihre Städte, schlug ihre Herrscher nieder und danach bewegte er seine Truppen, plünderte bis zu den Silberminen. Er brach den schwarzen Stein der Berge über dem unteren Meer, lud ihn in Schiffe, befestigte die Schiffe am Kai von Agade."

Militärische Übergriffe als Mittel zur Beschaffung von Rohstoffen außerhalb des eigenen Herrschaftsbereichs fanden einen Höhepunkt unter den Assyrern (Ende des 2. und 1. Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr.). Die Größe Assyriens basierte auf der ökonomischen Ausbeutung unterlegener Gebiete.

Von diesen militärischen Auseinandersetzungen zeugen auch originale Exponate der Ausstellung: Dolche, Schwerter, Lanzenspitzen, Keulenköpfe und Pfeilspitzen aus dem persischen Raum des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr. Die feine Ästhetik dieser Waffen scheint den Krieg in den Augen des modernen Betrachters beinahe steril zu kultivieren.

Modelle altorientalischer Streitwagen indes helfen beim Verständnis einer Kontinuität in den Bildprogrammen: In ebensolchen Wagen zeigen großdimensionierte Poster den irakischen Staatschef Saddam Hussein - überflogen von einer Friedenstaube.

Kommentare

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen *





*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*

* - Pflichtfeld