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Gläserne Schätze aus Lüneburgs Boden

30.5.2003

Viele Jahre lang schlummerten in Vitrinen, Schubladen und Pappkartons des Museums für das Fürstentum Lüneburg gut 1.300 Glasfunde und warteten darauf, an das Licht der Öffentlichkeit zu gelangen. Die Glasobjekte, die während der letzten 30 Jahre im Zuge von Ausgrabungen durch Gerhard Körner, Friedrich Laux, Jan Joost Assendorp und Edgar Ring geborgen werden konnten, haben es verdient: Im Vergleich zu anderen stadtarchäologischen Glaskomplexen des 15. bis 18. Jahrhunderts besticht die Lüneburger Sammlung durch eine große Zahl qualitativ hochwertiger Gläser vor allem des 16. und 17. Jahrhunderts.

Stadt Lüneburg. Fragment einer großen Tazza. Venedig oder Antwerpen, Mitte 16. Jahrhundert.
Stadt Lüneburg. Fragment einer großen Tazza. Venedig oder Antwerpen, Mitte 16. Jahrhundert.

Dem Stadtarchäologen Dr. Edgar Ring in Verbindung mit dem Verein Lüneburger Stadtarchäologie e.V. als Initiatoren und dem Lüneburgischen Landschaftsverband als Finanzier ist es zu verdanken, dass die reichhaltigen Glasbestände des Museums aufgenommen und ausgewertet werden konnten. Am Ende des zweijährigen Bearbeitungszeitraumes steht nicht nur ein Gesamtkatalog des Lüneburger Glases in Form einer Access-Datenbank, sondern ebenso die erste Station der Wanderausstellung "Glaskultur in Niedersachsen", die am 11. Mai 2003 im Rathaus der Stadt Lüneburg eröffnet wurde.

Stadt Lüneburg. Stiel und Kuppa eines Schlangenglases. Deutschland oder Niederlande, 1. Hälfte 17. Jahrhundert.
Stadt Lüneburg. Stiel und Kuppa eines Schlangenglases. Deutschland oder Niederlande, 1. Hälfte 17. Jahrhundert.

Ziel des Ausstellungs-Vorhabens ist, einen Einblick in das stilistische und funktionale Spektrum der Lüneburger Glasgefäße mit ihrer außergewöhnlichen Formen-, Farb- und Dekorvielfalt zu geben. Zusammen mit ausgewählten Exponaten des Mittelalters und der Neuzeit aus weiteren Städten Niedersachsens werden 13 Jahre nach der Ausstellung "Glas aus Niedersachsen" (Museum Burg Bederkesa) neue Erkenntnisse zu einer regionaltypischen Glaskultur erarbeitet und vermittelt. Dabei werden nicht nur die quantitativen und qualitativen Entwicklungen des Glasgebrauchs über etwa 15 Jahrhunderte aufgezeigt, sondern ebenso die Veränderungen des Warenangebotes, die technologischen Neuerungen sowie der Wandel des Zeitgeschmacks dokumentiert.

In Niedersachsen sind nach dem Braunschweiger Glas bislang nur die Lüneburger Glasfunde Gegenstand einer umfangreichen Bearbeitung geworden. Aus anderen Städten dieses Bundeslandes liegen zwar eine Reihe von kleineren Publikationen vor, ein zusammenführendes Projekt wird jedoch erstmals mit diesem Vorhaben realisiert. Die Ausstellung zeigt in chronologischer Reihenfolge Glasobjekte nach ihrer Funktion, erläutert deren Produktion und Technologie und gibt schließlich einen Überblick zum Glashandel und zur Verwendung von Glas .

Das Herzstück der Wander-Ausstellung bilden die Lüneburger Glasfunde. Die fast ausschließlich aus Kloaken der Lüneburger Altstadt geborgenen Fundstücke können zumeist in das 15. bis 18. Jahrhundert datiert werden. Obgleich die Lüneburger Saline bereits im Jahre 956 erstmals genannt wird, die Stadt 1247 ihre Stadtrechte erhielt und im Wirtschaftsverbund der Hanse während des späten 13. bis zum 15. Jahrhundert durch Salzgewinnung und -handel eine führende Rolle innehatte, sind spätmittelalterliche Glasfunde aus dem Stadtbereich kaum bekannt. Die eindrucksvollsten Glasobjekte aus dem Lüneburger Boden sind dem 16. und 17. Jahrhundert zuzuweisen, einer Zeit, in der die Bedeutung des Salzhandels für die Stadt bereits langsam abnahm.

Das Lüneburger Glasmaterial vermittelt einen umfassenden Eindruck der vielen Verwendungsmöglichkeiten von Glas insbesondere in frühneuzeitlichen Haushalten. Neben Fensterverglasungen, schlichten Vorrats- und Schenkgefäßen sowie Gläsern aus dem medizinisch-alchemistischem Bereich sind Glasgefäße einer gehobenen Tisch- und Trinkkultur geborgen worden. Letztgenannte Gruppe spiegelt mit einer außergewöhnlichen Formen-, Farb- und Dekorvielfalt sowohl kulturelle Wertvorstellungen als auch individuelle Wirtschaftskraft der ehemaligen Benutzer wider. So überrascht vor allem die Vielfältigkeit an Trinkgläsern neben einer bemerkenswerten Zahl von Zierkannen und Schalen. Unterschiedliche Herkunftsgebiete der Glasobjekte sind an den verschiedenen Glasrezepturen und Dekoren abzulesen.