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Ausgrabung im Sommer 2010 auf dem Galgenhügel Alkersleben

10.11.2010

Einleitung

Schüler nehmen an der Grabung teil. (Foto: M. Genesis)
Schüler nehmen an der Grabung teil. (Foto: M. Genesis)

Wäre nicht die Richtstätte Erfurt 1999 ergraben worden, hätte das etwa 20 km entfernt gelegene „Gericht“ von Alkersleben wohl für immer in der Schublade des Landesdenkmalamtes seinen unbeachteten Platz gefunden. Doch in der Erfurter Dokumentation ließ sich ein Hinweis auf die schon Jahre zurückliegende Altgrabung finden. Die Rettungsgrabung war 1971 notdürftig dokumentiert worden und gab nach ihrem Studium mehr an Rätseln als an Fakten preis. Dies und die Tatsache, dass wissenschaftlich ergrabene Richtstätten in Deutschland noch immer eine Rarität darstellen, lud förmlich dazu ein, hier in einer erneuten Grabung der Suche nach Deutschlands möglicherweise ältesten archäologisch bekannten Richtplatz nachzugehen.

Die Verfasserin schreibt zu beiden Richtstätten eine Dissertation, bei der aktuelle Grabungen auf neue Erkenntnisse hoffen ließen. Zwei Fragen galt es zu klären: wie und wie lange wurde der Bestattungsplatz von Alkersleben als Richtstatt gebraucht und wie wurde der Hügel vorgeschichtlich genutzt? Letzteres spielt im Folgenden nur eine untergeordnete Rolle.

Zu diesem Zweck wurden in den vergangenen beiden Jahren Grabungen vor Ort sowie eine Magnetprospektion durchgeführt.

Zwar war die Lokalisation des von den Einheimischen genannten „Galgenhügels“ kein Problem, doch sollte sich herausstellen, dass die genaue Lage des Grabungsareals an dieser Stelle fast unmöglich war. Die Fundstelle war im Gelände nicht verortet, der Hügel im Laufe der Jahre abgeflacht und die Gesamtfläche zu groß, um durch ein ca. 9x9m flächigen Grabungsplan eingegrenzt werden zu können. Durch die Mitwirkung ehemaliger Grabungsteilnehmer wurde die ungefähre Position der angenommen Lage der Erstgrabung bestimmt und an dem höchsten Punkt des Hügels ein erster Suchschnitt angelegt. Aufgrund der Funde legten wir an dieser Stelle unser Grabungsareal an. Doch sollte es trotzdem nicht gelingen, an die Altgrabung anzuschließen.

Mithilfe zweier tatkräftiger ehemaliger Grabungshelfer von 1971 aus Elxleben und Alkersleben gelang es uns nicht nur, zwei umfassend organisierte Lehrgrabungen für Studenten beider Berliner Universitäten durchzuführen, sondern auch zahlreiche begeisterte Schüler aus den umliegenden Ortschaften und auch deren dazugehörige Eltern für das Projekt Abenteuer Archäologie (Veranstalter: M. Genesis, Archäologische Gesellschaft in Thüringen, Thüringisches Landesamt für Archäologische Denkmalpflege) zu begeistern.

Lage und Historischer Hintergrund

Preußische Urmeßtischblätter 1855, Herr von Wolffrath, Blatt Nr. 2996 Osthausen. Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Sign. N729/1-2996<1855>.
Preußische Urmeßtischblätter 1855, Herr von Wolffrath, Blatt Nr. 2996 Osthausen. Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Sign. N729/1-2996.

Alkersleben liegt in der Senke der Wipfra zwischen Ettischleben im Süden und Elxleben im Norden ca. 6 km östlich von Arnstadt und gehört der Verwaltungsgemeinschaft Riechheimer Berg an. In unmittelbarer Nähe zum Ort befindet sich „Das Gericht“, im Volksmund auch Galgenhügel genannt. Nordwestlich von Alkersleben ist er noch heute als aufgeworfener Hügel an der „Alten Nürnberger Geleitstrasse“ , neben der A71, zwischen Alkersleben, Elxleben und Kirchheim in der Landschaft sichtbar.

Bereits 704 verschenkte ein „vir illuster“ Heden, möglicherweise ein fränkischer Herzog, den unmittelbar in der Nähe von Alkersleben befindlichen Ort Arnestatit – Arnstadt (Thüringer Landesmuseum 1995, 11). Die nächste Erwähnung des Gebietes fällt in das Jahr 800. Kloster Hersfeld besaß zu dieser Zeit reiche Güter um Arnstadt herum. Unter den aufgezählten Ortschaften befanden sich die unmittelbar in der Nachbarschaft gelegenen Orte Rudisleben, Elxleben und Bösleben, Alkersleben jedoch wird nicht aufgezählt.

Erstmals 1233 wird in einer Urkunde, die der Graf von Wiehe dem Erzbischof von Mainz ausstellte, als Zeuge Herberto de Alkosleibin erwähnt (Beyer 1898, Teil1). Es ist anzunehmen, dass der Ort jedoch schon längere Zeit existierte. 1272 dann bestätigten die Gebrüder Günther, Grafen von Käfernburg, mehrere Erwerbungen in Alkodisleibin (Overmann 1926).

Spätestens seit dieser Zeit übte das Vogtgericht der Grafen von Käfernburg die obere Gerichtsbarkeit über Alkersleben aus. Die niedere Gerichtsbarkeit hingegen oblag den Äbten von Hersfeld. (Rat der Stadt Arnstadt 1954, 12).

Eine Hinrichtungsstätte ist für diese frühe Zeit nicht nachweisbar. Die Alte Nürnberger Geleitstraße von Nürnberg nach Erfurt, die unmittelbar an dem Galgenhügel von Alkersleben entlangführt, war eine der großen Handels- und Heerstraßen des Mittelalters und auch der späteren Neuzeit, so dass anzunehmen ist, dass Käfernburg an dieser exponierten Stelle schon beizeiten ein Zeichen der Hohen Gerichtsbarkeit errichtet haben dürfte. Dafür spricht auch die Lage des Hügels, denn von seiner höchsten Stelle aus hat man noch heute einen fantastischen Blick über das Thüringer Becken. Der Burghügel der im 17.Jh. abgetragenen Käfernburg ist ebenso gut erkennbar, wie die nicht weit entfernt gelegene Wachsenburg, mithin ein Platz, der geradezu prädestiniert erscheint, um eine Stätte der Abschreckung und Prävention zu errichten.

„Das Gericht“ selbst lässt sich zum ersten Mal als Feldgrenze zu Hufenangaben 1652 im Flurbuch der Gemeinden Kirchleben und Elxleben finden. Danach wird der Name immer wieder zur Lokalisation bestimmter Feldfluren herangezogen. Explizite Hinweise auf Hinrichtungen auf dem Alkerslebener Gericht haben sich bis jetzt weder im Stadt und Kreisarchiv Arnstadt, noch im Thüringer Staatsarchiv in Rudolstadt finden lassen. Zwar werden ab dem 17. Jh. Scharfrichter, die von Arnstadt aus das Bannrecht über Alkersleben besaßen, erwähnt, doch von einer ausführenden Strafvollstreckung auf dem Galgenhügel selbst ist nirgendwo die Rede.

Interessanterweise berichtet eine Quelle von 1914 (Hahn 1914): „Alkersleben ist ein ehemaliges Gerichtsdorf, davon zeugen der Ratgarten, in dem das Gerichtsgebäude stand, die Pfarre, die einst Amtsgebäude war und das Gericht, ein aufgeworfener Hügel an der Rudislebener Grenze, im Volksmund auch Galgenhügel genannt.“ Die Primärquelle lässt sich nicht mehr ermitteln, aus der sich sicher mehr Informationen zur Funktion des Ortes und vor allem zur Zeitstellung ergeben könnten.