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'Keltenstadt' Dünsberg im Fokus internationalen Interesses

EU-Projektabschluss und neue Publikation zum Dünsberg

9.6.2008

Moderne Grabungen bringen seit 1999 Licht in die Geschichte des keltisch besiedelten Dünsbergs, wenige Kilometer nordwestlich von Gießen gelegen. In spätkeltischer Zeit bot dieser markante, fast 500 Meter hohe Berg ideale Bedingungen für die Anlage eines mächtigen Oppidums, gesichert durch eine dreifache Wallanlage. Deren Siedlungsfläche betrug rund 90 Hektar.

Internationalität wurde von Beginn an groß geschrieben. Jeweils in den Sommermonaten erforschte ein etabliertes Team zusammen mit freiwilligen Helfern aus aller Welt einige Abschnitte des Berges, ermöglicht überwiegend durch Sponsoring aus der Region und ehrenamtlich geleistete Arbeit. Neben den verschiedensten europäischen Staaten gehören auch Australien, Neuseeland, Ghana, China und die USA zu den Herkunftsländern der Dünsbergmannschaft. So erschien es nur folgerichtig, dass nun auch ein EU-Projekt aus diesen Forschungsaktivitäten hervor ging.

Ein Blick in das gut gefüllte Magazin. (Foto:AGL e.V.)
Ein Blick in das gut gefüllte Magazin. (Foto:AGL e.V.)

Mit dem Ende der Kampagne 2004, in der Grabungen an verschiedenen Stellen im südlichen Vorfeld des Oppidums neue Belege besonders zu den kultischen Aspekten lieferten, wurden die Grabungen vorläufig beendet. Als Auflage für mögliche weitere Untersuchungen müssen zunächst die vorliegenden Funde wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Dabei handelt es sich um über 11.000 Fundeinheiten, von denen rund zwei Drittel Keramik, aber auch 20 % Metall sind. Mit über 80 % Anteil an diesen Metallfunden ist der Eisenanteil ungewöhnlich hoch. Dies erfordert zwar hohe Kosten für die Restaurierung, liefert andererseits aber eine extrem wichtige Quellengattung der Spätlatènezeit, die in dem Umfang bislang kaum bekannt ist. Ein großer Teil der Restaurierungsarbeiten wurde bereits aus Spendengeldern finanziert. Zudem kann durch die Vorlage der gesichert aus den Grabung stammenden Funde auch die Zuweisung des bislang überwiegend aus Raubgrabungen stammenden Materials überprüft werden.

Eine Auswertung der Keramik verspricht ebenso spannende Ergebnisse. Dies ist zum einen der Vergleich zwischen verschiedenen Stellen der Oppidum-Besiedlung und dem Kultbereich im südlichen Vorfeld. Aber auch die chronologische und typologische Einordnung der Keramik: Gerade zum jetzigen Zeitpunkt nimmt der Dünsberg eine Schlüsselstellung ein zwischen Glauberg, Christenberg und Waldgirmes, und auch neues Material aus rechtsrheinischen Höhensiedlungen und Bad Nauheim kam in den letzten Jahren hinzu. Somit ist die Gelegenheit günstig, nun diese „Lücke“ zu füllen. Die Frage des Einflusses germanischer Gruppen am Dünsberg sowie die „Ubierfrage“ sind vom Keramikmaterial her nach wie vor offen. Wir hoffen auf Unterstützung von DFG und EU für die geplanten Forschungsarbeiten.

Der Dünsberg in einem europaweiten Projekt

Zur Steuerung dieser archäologischen Aktivitäten gründete sich 2005 der Verein Archäologie im Gleiberger Land e.V., der mit dem Dünsberg-Verein e.V. das keltische Erbe erforschen und in die Zukunft retten will. Beide Vereine nahmen an einem EU-geförderten Projekt teil. Unter dem Titel „Rome’s conquest of Europe: Military aggression, native responses and the European public today“ („Die Eroberung Europas durch Rom: militärisches Vorgehen, Reaktionen der einheimischen Bevölkerung und die europäische Öffentlichkeit heute“) hatte dies ein Volumen von rund 300.000 Euro (bei 50 Prozent Eigenleistung) und endete nach zehnmonatiger Laufzeit am 30. April 2006. Federführend und Träger eines der drei Teilprojekte war das „Ecomuseo de Cap de Cavalleria“ auf Menorca (Spanien). Daneben die Universität Edinburgh (Großbritannien) und die beiden heimischen Vereine am Dünsberg. Die Hauptziele des im Rahmen von „Kultur 2000“ geförderten Projekts waren:

  • Erhaltung und Hervorhebung des gemeinsamen europäischen Kulturerbes
  • Der Austausch optimaler Verfahrensweisen zwischen den Wissenschaftlern der drei Partner-Institutionen durch Arbeitstreffen und Ideenaustausch
  • Das Kulturerbe soll möglichst vielen Bürgern zugänglich gemacht werden, und zwar durch Ausstellungen, Informationszentren und Veranstaltungen
  • Förderung von wechselseitigen Kenntnissen über die Geschichte anderer europäischer Länder durch Informierung der Öffentlichkeit über dieses Projekt
  • Ansprechen der Öffentlichkeit durch innovative Ausstellungstechniken.