13.02.2012 - 21:43:26

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Neue Ausgrabungen auf dem Dünsberg.

von Claudia Nickel -

Die Grabung 2002

Systematik der Vermessungen und Verarbeitung via SingulArch und AutoCAD.
Systematik der Vermessungen und Verarbeitung via SingulArch und AutoCAD.

In der diesjährigen siebenwöchigen Kampagne wurde eine reine Siedlungsgrabung durchgeführt, d.h. es wurden gezielt Wohnpodien untersucht. Im ersten sichtbaren Podium gleich oberhalb des "alten" Schnittes wurde ein Bereich abgesteckt; östlich zwischen Podium und der Torgasse von Tor 4 wurde ein zusätzlicher Suchschnitt angelegt. Außerdem wurde ein 280 qm großer Bereich rund 50 m weiter westlich ausgewählt, der eine deutliche Gliederung in vier übereinandergestaffelte Podien und einen weniger steilen Hangverlauf aufwies. Im Schachbrettmuster wurden hier 8 Flächen untersucht. Aufgrund der Bodenverhältnisse mit saurem, stark durchwurzeltem und extrem steinigem Boden werden die Flächen in etwa 10-15 cm starken Plana abgetragen und dokumentiert. Mit Hilfe eines Tachymeters werden alle Funde, Befunde und Nivellements dreidimensional eingemessen. Die Daten werden in den Laptop eingelesen und in die Grabungs-Datenbank SingulArch, einer speziell für die Archäologie entwickelten Access-Applikation (www.singularch.de), importiert. Dieses Programm wiederum gewährleistet einen Export der Messwerte in das Programm AutoCAD, wo die verschiedenen Kategorien in je eigenen Layern kartiert werden. Durch dieses System konnte zudem auf ein lokales Grabungsnetz verzichtet und die gesamte Vermessung direkt im Gauß-Krüger-System durchgeführt werden. Diese Grabungssystematik wurde erstmals in diesem Jahr eingesetzt und hat sich bestens bewährt.

In der diesjährigen Grabungsfläche konnte ein Hausgrundriss dokumentiert werden. Punke: einzeln eingemessene Funde.

Im Mittelteil der ersten Fläche wurde das Zentrum des Podiums erfasst, die beiden anderen Flächen zeigten einen z.T. sehr steilen Verlauf. Hier konnte ein Hausgrundriss mit 4 Eck(?)pfosten sowie einem Mittelpfosten dokumentiert werden. Die Eckpfosten waren hangabwärts meist durch Steine verkeilt. Außer dem Mittelpfosten waren alle mit stark holzkohlehaltiger Erde verfüllt, was auf eine Zerstörung des Hauses durch ein Feuer schließen lassen könnte. Ob der mittlere Pfosten zu einer anderen Bauphase gehört - zumal im oberen Teil eine starke Verfüllung mit Keramikscherben zu erkennen war - oder ob andere Ursachen eine Verfüllung mit Brandschutt verhinderten, kann vielleicht die genaue Untersuchung des Fundmaterials ergeben. Der Hausgrundriss umfasst knapp 6 qm; eine Fortsetzung des Hauses nach Osten oder Westen ist denkbar, kann aber aufgrund der Grabungsgrenzen nicht bewiesen werden. Im Umkreis des Hauses wurden einige Funde geborgen, die Hinweise auf die Wirtschaftsweise liefern und auch auf Tracht und Kleidung hinweisen: Über 1000 Scherben stammen allein aus dieser Fläche, immerhin 46 Eisen- und vier Bronzeobjekte. In verschiedenen Bereichen kommen immer wieder kleinste Stücke von kalzinierten Knochen vor - wahrscheinlich Speisereste; in dem sauren Boden erhalten sich keine unverkohlten Knochen. An Funden sind aus dieser Fläche besonders hervorzuheben: Fibeln (2x Bronze, sonst Eisen), ein Armring, eine Eisenverarbeitungsschlacke, zwei Spinnwirtel sowie ein Webgewichtfragment.

Die acht Flächen im Bereich etwa 50 m weiter westlich waren entgegen unserer Erwartungen fast befundfrei. Dass dort allerdings keine Besiedlung stattgefunden hätte, lässt sich daraus keinesfalls schließen: In der Fundhäufigkeit liegt ein Teil der Flächen gleich hinter dem Bereich mit dem nachgewiesenen Haus. Zudem ist bei den Funden besonders auffällig, dass es sich um reines Siedlungsmaterial handelt, das den Funden der unteren Flächen entspricht: Keramik, ein Spinnwirtel, ein Webgewichtfragment, Mahlsteinreste, der Rand eines Bronzegefäßes, ein Eisenmesser mit Ringgriff, evtl. ein Hakenschlüssel sowie eine Silbermünze Typ "tanzendes Männlein". Davon abweichend - eher im Rahmen militärischer Funde, wie sie im südlichen Vorgelände auftreten - zu interpretieren ist der Fund eines eisernen Reitersporns, mittlerweile der zweite dieser Art, ebenso eine eiserne Wangenklappe eines Helmes (?). In einem Geländemodell wird die Gliederung des Geländes in einzelne abgestufte Podien deutlich; die Fundverteilung korrespondiert damit teilweise sehr deutlich.

Geländemodell  (benötigt das VRML-Plugin von www.blaxxun.com). [erstellt von Stefan Biermeier M.A., dem ich hiermit ganz herzlich danke.]
Geländemodell (benötigt das VRML-Plugin von www.blaxxun.com). [erstellt von Stefan Biermeier M.A., dem ich hiermit ganz herzlich danke.]

Im Bereich zwischen der unteren Grabung und dem Weg, der durch das Tor 4 führte, war bei geomagnetischen Prospektionen eine längliche Struktur erkennbar; daher wurde hier ein schmaler Suchgraben angelegt. Die Funddichte war im Vergleich zu den anderen Flächen gering. Im Ostteil konnte ein schmaler Spitzgraben dokumentiert werden, der schräg in Richtung SO verläuft. Für einen Verteidigungsgraben ist er viel zu flach und schmal, als Drainagegraben würde man eine humosere oder lehmigere und evtl. fundreichere Füllung erwarten. Im Mittel- und Westteil wies der anstehende Fels treppenartige Abstufungen auf. Es ist nicht sicher, ob diese Abtreppung natürlichen Ursprungs ist oder in keltischer Zeit angelegt wurde. Die geomagnetischen Anomalien könnten aber dadurch erklärbar sein. Neben einigen Scherben sind besonders zwei Fibelfragmente, möglicherweise ein Tüllenbeilfragment sowie eine Vierkantspitze mit Dornschäftung zu erwähnen.

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