27.07.2016 - 03:06:22

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Neue Ausgrabungen auf dem Dünsberg

Links: Der Dünsberg etwa von Osten. Rechts: Wälle und Podien nach K. Reeh (2001 Abb. 113). Der rote Kreis markiert das Gebiet der Grabungen.
Links: Der Dünsberg etwa von Osten. Rechts: Wälle und Podien nach K. Reeh (2001 Abb. 113). Der rote Kreis markiert das Gebiet der Grabungen.

Der Dünsberg bei Gießen dominiert mit knapp 500 m Höhe das Giessener Becken und ist mit seiner markanten Form weithin sichtbar. Drei konzentrische Ringwälle umgeben den Berg und umschließen insgesamt 90 ha. Zudem sind zahlreiche Podien sichtbar, die terrassenartig als Standplätze für Häuser angelegt wurden; mehrere mit Holzkästen verschalte Quellen sind bekannt.

Die besondere Bedeutung des spätkeltischen Oppidums am Nordrand der keltischen Welt besteht darin, dass diese Großstadt die anderen vergleichbaren Anlagen "überlebte", d.h. über die Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts hinaus bestand. Damit reicht die Besiedlung bis an die sog. Übergangszeit heran, in der sich der Stamm der Chatten bildete - eine historisch bedeutsame Phase. Ein Grund für die große Bedeutung des Dünsbergs sind die reichen Eisenvorkommen in der Region, die bis ins letzte Jahrhundert ausgebeutet wurden. Die Datierung der Wälle ist aufgrund fehlender moderner Untersuchungen nicht gesichert. Während der äußere mit 3,5 km Länge sicher in die Spätlatènezeit datiert, ist dies bei den anderen nicht gesichert. Obwohl auf dem Gipfelplateau urnenfelderzeitliche Keramik gefunden wurde, ist fraglich, ob der zum Teil noch 10 m hoch erhaltene obere Wall in diese Zeit gehört.

Ein großes Problem sind Raubgräber, die mit Detektoren seit den 70er Jahren den Dünsberg systematisch geplündert haben und dies bis heute tun. Die teilweise bekannten Funde können zwar zeitlich und typologisch eingeordnet werden und helfen, den Dünsberg chronologisch zu beurteilen, für die eigentliche archäologisch-historische Forschung sind diese Funde jedoch wertlos, da meist der Fundort nicht genau bekannt ist und zudem die Fundumgebung durch einen solchen Eingriff in den Boden unwiederbringlich zerstört wird.

Seit 1999 finden nun neue Grabungen am Dünsberg statt. In den ersten drei Jahren wurde ein 5 m breiter und rund 200 m langer T-förmiger Schnitt im Süden des Oppidums angelegt, der den Wall in der Nähe eines Tores, den Bereich einer Fundkonzentration mit Waffen sowie einen sog. Strahlenwall erfasste.

Die Grabungsflächen der Jahre 1999 bis 2002. Die Punkte bezeichnen einzeln eingemessene Funde.
Die Grabungsflächen der Jahre 1999 bis 2002. Die Punkte bezeichnen einzeln eingemessene Funde.

Zur Konstruktion der Wallanlage konnten wichtige Erkenntnisse gewonnen werden - schräge Zuganker waren als Hohlräume erhalten, die Frontpfosten konnten ebenfalls dokumentiert werden. Eine Überraschung war ein Spitzgraben UNTER dem Wall, der einen etwas abweichenden Verlauf als der Wall hatte - eine Vorgängerphase? Dies ist an dem nur 5 m breiten Stück schwer zu beurteilen, zumal nur einige Meter weiter westlich ein deutlicher Graben VOR dem Wall zu erkennen ist. Die Waffenfunde - auch römische Waffen wie z.B. Schleuderbleie - im südlichen Vorfeld sind möglicherweise mit einem oder mehreren Kämpfen zwischen Kelten und Römern in Verbindung zu bringen; eine neue Deutung als Kultplatz ist ebenfalls zu diskutieren.

Am Nordende des Schnittes konnte im letzten Jahr der erste Hausgrundriss dokumentiert werden; als untere Begrenzung fand sich ein schräg verlaufender kleiner Drainagegraben, die Fundkonzentration v.a. von Keramik war in diesem Bereich deutlich höher. Im Profil ist ein Geländeknick erkennbar, es handelt sich also um ein oberflächig komplett verschliffenes Podium.

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