Verehrt, verwendet, vergessen - Alamannen im Spannungsfeld von Politik und Zeitgeschichte

27.10.2018 - 28.04.2019

Alamannenmuseum Ellwangen
Haller Straße 9
73479 Ellwangen / Baden-Württemberg
Deutschland

Die vom Alamannen-Museum Vörstetten bei Freiburg konzipierte Ausstellung »Verehrt, verwendet, vergessen – Alamannen im Spannungsfeld von Politik und Zeitgeschichte« beleuchtet den Alamannenbegriff im Wandel der Zeiten.

Immer wieder wird von Besuchern gefragt, warum die Alamannen in den einschlägigen Fachmuseen mit einem »a« anstatt einem »e« geschrieben werden. Dies veranlasste das Alamannen-Museum Vörstetten zu der Idee, eine Ausstellung zum Alamannenbegriff zu konzipieren. Dieser taucht erstmals im Jahr 289 n. Chr. in römischen Quellen auf und bezeichnete germanische Stämme, welche sich in dem von den Römern nach dem Fall des Limes verlassenen, rechten Oberrheingebiet niederließen. Im Laufe der Geschichte erfuhr der ursprünglich als »Hilfsbezeichnung« entstandene Alamannenbegriff einen entscheidenden Bedeutungswechsel und führte zu falschen und irreführenden Verwendungen mit teilweise fatalen Auswirkungen.

Während des frühen Mittelalters wurde das Siedlungsgebiet der »Alamanni« als Herzogtum in das Frankenreich der Merowinger eingegliedert und die römische Wortschöpfung zum herrschaftlichen Raumbegriff umgewandelt, der in den nachfolgenden Perioden vor allem in der historischen Forschung mit »e« geschrieben wurde. Im 19. Jahrhundert erfolgte unter anderem durch Johann Peter Hebel und seine »Allemannischen Gedichte« eine neue Verwendung des Begriffes als Volks- und Stammesbezeichnung. Gleichzeitig beschäftigte man sich mit der Frage, woher dieses »Volk« kam. Eine Umdeutung ins »Völkische« erfolgte durch die Nationalsozialisten und fand seinen missbräuchlichen Höhepunkt in der NS-Rassenideologie. In diesem Zusammenhang richtet die Ausstellung auch den Blick auf die »Alemannenforschung« in der Universitätsstadt Freiburg sowie das dort herausgegebene NS-Hetzblatt »Der Alemanne«.

Bis heute wirkt der Alamannenbegriff in vielfältiger Form nach – bis hin zur Bezeichnung der Deutschen als »les allemands« in der französischen Sprache und in einer Reihe von anderen Ländern. Seine Bedeutung und Verwendung ist aber auch durch eine Polarität gekennzeichnet, die einerseits durch Einrichtungen wie das »Alemannische Institut« und die »Muettersproch-Gsellschaft« und andererseits vom Missbrauch durch die Geschichtsdarstellung moderner rechter Ideologen bestimmt wird.

Bei den Alamannen, denen die Museen in Ellwangen und Vörstetten gewidmet sind, handelt es sich letztlich um eine archäologisch nachgewiesene (tote) Kultur ohne Traditionsanknüpfung an die Gegenwart, während das Alemannische eine bis heute existierende, lebendige Sprach- und Brauchtumskultur darstellt, die sich in Süddeutschland, der Schweiz und dem benachbarten Elsass erst nach dem Ende der Antike über Jahrhunderte hinweg in seiner Eigenständigkeit entwickelt hat.