Schätze aus dem Schutt - 800 Jahre St. Leonhard

13.08.2019 - 19.01.2020

Dommuseum Frankfurt
Domplatz 1
60311 Frankfurt am Main
Deutschland

Am 15. August 1219, dem Fest Mariae Himmelfahrt, schenkte Kaiser Friedrich II. den Frankfurter Bürgern aus königlichem Besitz den Baugrund für eine Kapelle am nördlichen Mainufer. In der für die Stadtgeschichte höchst bedeutsamen Schenkungsurkunde wird zum ersten Mal die Bürgerschaft Frankfurts (universorum civium de Frankinfort) genannt. Dieses für die Stadt überaus kostbare Dokument, das Privileg 1 mit seinem königlichen Siegel, wird für sechs Wochen in der Ausstellung gezeigt: eine der wenigen Gelegenheiten, die sonst in der Privilegienkammer des Instituts für Stadtgeschichte sicher verwahrte Urkunde im Original zu sehen!

Die zunächst dem heiligen Georg und der Gottesmutter Maria geweihte Kirche mit ihren bis heute erhaltenen romanischen Portalen wird zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Pilger auf dem Weg nach Jerusalem oder nach Santiago de Compostela zum Grab des heiligen Jakobus. 1317 wird ein Kanonikerstift eingerichtet, 1323 die Armreliquie des heiligen Leonhard erworben, der nun Titularheiliger der Kirche wird. Erweiterungen im 15. und 16. Jahr­hundert folgt eine Krisenzeit in der Reformation, Umnutzung und beinahe der Abriss in der Säkularisation. 1809 wird die renovierte, teilweise umgebaute und neu ausgestattete Kirche wieder eröffnet. Den zweiten Weltkrieg übersteht sie – im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen in der Innenstadt – relativ unbeschadet.

Die zunächst dem heiligen Georg und der Gottesmutter Maria geweihte Kirche mit ihren bis heute erhaltenen romanischen Portalen wird zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Pilger auf dem Weg nach Jerusalem oder nach Santiago de Compostela zum Grab des heiligen Jakobus. 1317 wird ein Kanonikerstift eingerichtet, 1323 die Armreliquie des heiligen Leonhard erworben, der nun Titularheiliger der Kirche wird. Erweiterungen im 15. und 16. Jahr­hundert folgt eine Krisenzeit in der Reformation, Umnutzung und beinahe der Abriss in der Säkularisation. 1809 wird die renovierte, teilweise umgebaute und neu ausgestattete Kirche wieder eröffnet. Den zweiten Weltkrieg übersteht sie – im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen in der Innenstadt – relativ unbeschadet.

Nicht nur Erweiterungen und eine neue Einwölbung hatten im Lauf der Jahrhunderte das unmittelbar am Main gelegene Gebäude verändert. Aufgrund des Hochwasserschutzes wurde mehrfach der Fußboden erhöht, so dass das zu Beginn der Innensanierung angetroffene Fußbodenniveau 2,20 Meter höher lag als das der ersten romanischen Kirche. Für jeden dieser Umbauten wurde auch Füllmaterial aus der Kirche verwendet, so dass die Ausgrabungen der Jahre 2009–2014 nicht nur die architektonischen Strukturen – etwa die verzierten Basen der Pfeiler und Portale, die Grundmauern des romanischen Rechteckchors oder Altarfundamente – ans Licht brachten, sondern auch eine große Zahl von Grabplatten sowie zerbrochener oder zerschlagener Kunstwerke wurde gefunden, darunter der im 19. Jahrhundert im Chor gleichsam beigesetzte Atzmann, die Fragmente des steinernen Heiliggrabaltars und die Tonscherben einer um 1430/1440 entstandenen Beweinungsgruppe. Aufschlussreich sind natürlich auch die zahlreichen Pilgermuscheln, Fußbodenfliesen, Glasfensterscherben oder Münzen, die in der Kirche zutage kamen und nicht zuletzt die anthropologischen Funde in den zahlreichen Grabstellen im Kircheninneren.

Zusammen mit den jüngst am Gebäude erforschten baugeschichtlichen Befunden erzählen die Grabungsfunde in überaus anschaulicher Weise neue Episoden zur wechselvollen Geschichte von St. Leonhard. Anders als die an der Oberfläche verbliebenen Werke haben die wiedergefundenen Fragmente ihr mittelalterliches Aussehen, namentlich ihre Farbfassung, bewahrt. Das stellt gerade im Fall des in leuchtenden Farben bemalten Heiliggrabaltars eine große Besonderheit dar, der somit ein unschätzbares Zeugnis für die Erforschung mittelalterlicher Steinpolychromie ist.

Die Ausstellung dokumentiert also nicht nur die Geschichte einer der schönsten Frankfurter Kirchen »von unten« – also anhand der Grabungsfunde und der verschwundenen Ausstattung, sondern sie legt auch einen starken Akzent auf die Aufgaben und auf die Methoden der Mittelalterarchäologie und der Denkmalpflege. Beide agieren oft unbemerkt von der Öffentlichkeit, sind aber für den Erhalt und das Verständnis historischer Stätten und Ensembles von höchster Bedeutung. Die neuen Erkenntnisse zur mittelalterlichen Gestalt und zur verlorenen Ausstattung von St. Leonhard ist wesentlich ihrem Wirken und ihren Forschungen zu verdanken. Die Präsentationen zu den Herstellungstechniken und der erstaunlich bunten mittelalterlichen Farbenwelt eröffnen einen zusätzlichen Blickwinkel auf die Kunstwerke, ganz gemäß der Einsicht Goethes, dass man Natur und Kunstwerke nicht kennenlerne, wenn sie fertig seien, dass man sie vielmehr im Entstehen erhaschen müsse, um sie zu verstehen. Darüber hinaus bereichern die neu entdeckten, erforschten und restaurierten Ausstattungsstücke von St. Leonhard maßgeblich die Erkenntnisse zur Rolle Frankfurts als ein führendes Kunstzentrum der Region.

Anhand der bedeutendsten Funde werden in der Ausstellung zwei Geschichten erzählt: die 800jährige Geschichte St. Leonhards und die Geschichte der Wiederentdeckung und Erforschung während der Sanierung der vergangenen zehn Jahre. Mit den Grabungsfunden steht den überlieferten Quellen, wie etwa den Zeugnissen über Stiftungen oder den bildlichen Darstellungen der Kirche aus dem 18. Jahrhundert, nun neue bauhistorische Erkenntnisse und verloren geglaubte, bisher unbekannte Ausstattungsstücke gegenüber.