"Drauf geschissen!" - Eine kleine Kulturgeschichte des stillen Örtchens

12.04.2019 - 20.10.2019

Römerkastell Saalburg & Archäologischer Park
Saalburg 1
61350 Bad Homburg
Deutschland

Thema der Sonderausstellung ist die Geschichte der Toilette und des Stuhlgangs von den antiken Anfängen, über die derben Donnerbalken bis hin zu den supermodernen Klosetts inklusive Radio, Massagefunktion und Sitzheizung. Viele der rund 200 Exponate stammen aus der Sammlung der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsens GmbH.

Wertvollstes Stück ist die Nachbildung eines bemalten Keramik-Kinderhochstuhls mit Töpfchen aus der griechischen Antike. Die Kultur der römischen Latrinen von einfachen Aborten in Wohnhäusern bis zu den repräsentativen und prachtvollen Toilettenanlagen in öffentlichen Bauten bildet den Ausgangspunkt der Reise durch die Jahrhunderte. Immer wieder erstaunt die fortschrittliche Infrastruktur zur Abwasserbeseitigung mit ausgeklügelten Kanalsystemen in römischen Großstädten, die in Mitteleuropa erst im späteren 19. Jahrhundert wieder erreicht wird.

Zu den sehenswerten Exponaten gehören die "Kackstühle" mit raffinierten Klappmechanismen in Gestalt wertvoller hölzerner Kommoden, die der Adel im 18. und 19. Jahrhundert für die Verrichtung der Geschäfte anfertigen ließ. Regionale Nachttöpfe, Bettpfannen und Toilettenstühle von privaten Sammlern und regionalen Museen Sachsens geben einen Überblick über die Entwicklung des Nachtgeschirrs. Das erste Wasserklosett wurde Ende des 19. Jahrhunderts für die englische Queen erfunden. Diese nützliche Erfindung der Toilette mit Wasserabflussrohr konnte sich aber erst viel später durchsetzen. Das teuerste Klo der Welt kreist heute in vielen tausend Kilometern Entfernung über unseren Köpfen: In der Raumstation ISS wird der Urin wieder in Trinkwasser verwandelt. Den luxuriösen Endpunkt bilden hypermoderne Exponate aus dem exklusiven Sortiment einer japanischen Sanitärfirma.

Neben der Gestaltung des nicht immer stillen Örtchens selbst, werden in der Ausstellung auch die unterschiedlichen Gebräuche in seiner Benutzung, Sitzen oder Hocken, Wandbeschriftungen und die Entstehung öffentlicher Bedürfnisanstalten im 19. Jahrhundert dargestellt.

Der Titel der Sonderausstellung „Drauf geschissen“ provoziert und macht ein Tabuthema öffentlich. Ein Tabuthema, zu dem jeder Mensch – Römer, Ritter oder Zeitgenosse – seine ganz eigene, private Beziehung hat.

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