Auf dem Tell Halaf knirschen wieder die Spaten

Nach einer Unterbrechung von knapp 80 Jahren konnten dieses Jahr die Ausgrabungen auf dem Tell Halaf durch eine gemeinsame Mission der Staatlichen Museen zu Berlin, der Eberhard Karls Universität Tübingen, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Generaldirektion der Antiken und Museen Damaskus wieder aufgenommen werden.

Nachrichten durchblättern

Siedlungschronologie und -struktur sowie die Rolle des Tell Halaf in der kulturhistorischen Entwicklung Vorderasiens stehen im Mittelpunkt der neuen Ausgrabungen, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und im kommenden Sommer fortgesetzt werden.

Das Archäologenteam, unter der gemeinsamen Leitung von Dr. Lutz Martin (Berlin), PD Dr. Mirko Novák (Tübingen), Dr. Jörg Becker (Halle) und Abd al-Masih Bagdo (Hassake), gewann bereits in der ersten Kampagne wichtige Erkenntnisse zur Geschichte des Ortes und zur Bauabfolge der Monumentalbauten auf der Zitadelle.

Es war 1899, als der aus einer reichen Bankiersfamilie stammende deutsche Diplomat und Privatgelehrte Max Freiherr von Oppenheim erstmals Ausgrabungen auf dem Tell Halaf durchführte. Es folgten weitere in den Jahren 1911-13 und 1929, sie brachten eine Vielzahl bedeutender Bildwerke zutage, darunter drei als Säulen dienende Monumentalstatuen von Göttern. Diese Funde gehören dem frühen 1. Jahrtausend v. Chr. an, als der Ort zunächst ein aramäischer Fürstensitz unter dem Namen "Guzana" war und anschließend in das expandierende neuassyrische Reich integriert wurde.

Neben den Funden aus diesen Epochen ist der Tell Halaf vor allem auch der namengebende Fundort einer wichtigen neolithischen Kultur Nordmesopotamiens (ca. 6000 - 5300 v. Chr.). Eindeutige Baubefunde waren am Tell Halaf für diese Epoche bislang allerdings kaum zu erzielen. "Die frühen Ausgräber hatten kaum Vergleichsmaterial", erklärt Dr. Jörg Becker vom Seminar für Orientalische Archäologie und Kunstgeschichte der Universität Halle-Wittenberg. "Es wurden zumeist nur Bauten aus der Eisenzeit erkannt, nicht die aus den älteren Perioden." Dies ist dem Team nun mit der Freilegung von Resten eines neolithischen Rundbaus aus der Mitte des 6. Jahrtausends gelungen. "Jetzt lässt sich auf dem Tell Halaf so langsam die Entwicklung vom Dorf zur Stadt nachvollziehen", so Becker.

Zu den Neuentdeckungen gehören neben dem Rundbau zwei Räume eines bislang unbekannten größeren Gebäudes im Süden der Zitadelle und die partielle Untersuchung des Südflügels des assyrischen Gouverneurspalastes. Zudem wurden Teile des aramäischen Palastes ("Hilani") und des anschließenden, nach seinen Torhüterskulpturen benannten "Skorpionentores" wieder freigelegt, die präzisere Beobachtungen zur Architektur erlauben. Anhand der geborgenen Keramik und Kleinfunde zeigt sich bisher, dass die Zitadelle bis in die Zeit nach dem Untergang des neuassyrischen Reiches in Benutzung war.

Die Fundstücke von Max Freiherr von Oppenheim haben die Experten schon seit dem Jahr 2002 wieder im Blick. Ein Teil dieser Fundstücke war bis zum Zweiten Weltkrieg in einem eigens eingerichteten Tell Halaf-Museum in Berlin ausgestellt, das jedoch 1943 einem Bombenangriff zum Opfer fiel. In einem groß angelegten Restaurierungsprojekt werden die Bildwerke gegenwärtig am Vorderasiatischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin wieder zusammengesetzt. Für die Finanzierung der Restaurierungsarbeiten konnten Stiftungen der Nachfahren Max von Oppenheims gewonnen werden, die Salomon Oppenheim-Stiftung und die Alfred von Oppenheim-Stiftung.

Weitere Informationen zu Restaurierungsprojekt im Internet:

www.tell-halaf-projekt.de