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Marcus Caelius

Tod in der Varusschlacht

31.7.2009
Das 1620 gefundene römische Grabdenkmal für Marcus Caelius (Foto: Axel Thünker DGPh)
Das 1620 gefundene römische Grabdenkmal für Marcus Caelius (Foto: Axel Thünker DGPh)

Der römische Zenturio Marcus Caelius hatte in seiner langen Dienstzeit bei den Legionen bereits vieles erlebt. Für seinen Mut und seine Tapferkeit im Kampf war er vielfach ausgezeichnet worden. Doch als er im Herbst des Jahres 9 nach Christus am Feldzug des Varus tief in den germanischen Wäldern rechts des Rheins teilnahm, war alle Erfahrung vergebens. Der vermeintliche Routinefeldzug endete mit dem Tod von mehr als 20.000 römischen Soldaten im Hinterhalt germanischer Krieger unter der Führung des Arminius. Diese katastrophale Niederlage hatte weitreichende Auswirkungen auf die europäische Geschichte, denn sie war der Wendepunkt für Roms Eroberungspläne in Germanien: In der Folge zogen die Legionen sich dauerhaft an den Rhein zurück, und die germanischen Gebiete bis zur Elbe blieben frei von römischer Herrschaft.

Wie kaum ein anderes Ereignis der mitteleuropäischen Geschichte beflügelt die Varusschlacht bis heute die Phantasie der Nachwelt. Genau 2.000 Jahre später nehmen das LVR-RömerMuseum im Archäologischen Park Xanten und das LVR-LandesMuseum Bonn das historische Datum zum Anlass für eine gemeinsame Ausstellung. In deren Mittelpunkt steht das einzige sichere archäologische Zeugnis eines in der Varusschlacht Gefallenen - der Grabstein des Marcus Caelius.

"Er fiel im Varuskrieg"

Detail der Inschrift auf dem Grabdenkmal mit dem Hinweis auf die Varusschlacht (Foto: Axel Thünker DGPh)
Detail der Inschrift auf dem Grabdenkmal mit dem Hinweis auf die Varusschlacht (Foto: Axel Thünker DGPh)
Die dargestellten militärischen Auszeichnungen des Marcus Caelius (Foto: Axel Thünker DGPh)
Die dargestellten militärischen Auszeichnungen des Marcus Caelius (Foto: Axel Thünker DGPh)

"Er fiel im Varuskrieg" verrät die Inschrift auf dem bereits 1620 bei Xanten gefundenen Grabdenkmal. Im Bildfeld tritt uns der Verstorbene hoch dekoriert mit Orden und Ehrenzeichen entgegen. Als Zenturio „ersten Ranges", das heißt als Hauptmann der prestigeträchtigen ersten Kohorte, verkörpert Caelius geradezu prototypisch einen jener Haudegen, die als das Rückgrat der Legionen galten. Mit 53 Jahren hatte er den höchsten Dienstgrad erreicht, den ein einfacher Soldat erlangen konnte.

Darüber hinaus bietet der Grabstein des Marcus Caelius Anlass, zahlreiche weitere (darunter auch viele zivile!) Aspekte des antiken Lebens näher zu beleuchten: wie hoch war z.B. die Lebenserwartung in römischer Zeit? Warum waren die antiken Grabsteine bunt bemalt? Wie sah die Heimatstadt des Marcus Caelius - das heutige Bologna - zur Zeit des Kaisers Augustus aus? Und welche Rolle spielten die beiden Freigelassenen, die auf dem Grabstein des Marcus Caelius zu sehen sind? Diese und viele andere Fragen mehr werden in der Ausstellung mit zahlreichen Funden aus dem Rheinland und Leihgaben aus zwanzig europäischen Sammlungen, darunter Waffen und Ausrüstungsteilen der untergegangenen Legionen, Steindenkmälern aus Italien, Werkzeugen und Götterbildnissen illustriert. Ein eigener Abschnitt der Ausstellung widmet sich der Rezeption des Caelius-Steins, der seit seiner Entdeckung im 17. Jh. immer wieder neu gezeichnet und bildlich wiedergeben wurde. Auch heute noch ist der Grabstein - wie kaum ein anderes römisches Denkmal - als Fotovorlage in unzähligen Büchern und Publikationen zu finden.

Ungewiss bleibt, ob Caelius jener besonders grausame Tod beschieden war, von dem die Annalen des Tacitus berichten. Der römische Autor beschreibt das Schlachtfeld, wie es sechs Jahre später vom Feldherrn Germanicus vorgefunden wurde: „Mitten auf dem Felde lagen bleichende Knochen, zerstreut oder in Haufen ... Daneben lagen zerbrochene Waffen und Pferdegerippe, an Baumstämmen waren Schädel befestigt. In Hainen in der Nähe standen die Altäre der Barbaren, an denen sie die Tribunen und Zenturionen ersten Ranges geopfert hatten." Germanicus ließ die traurigen Überreste des Gemetzels auf einem Scheiterhaufen verbrennen und vor Ort bestatten, darunter vermutlich auch die von Marcus Caelius. Jedenfalls war sein Grabstein, den sein Bruder Publius bei Xanten aufstellen ließ, nur ein Kenotaph, ein Scheingrab - der Zenturio selber kehrte nie an den Rhein zurück.

Sonderausstellung :: RömerMuseum und Park Xanten

Marcus Caelius - Tod in der Varusschlacht

24. April bis 30. August 2009

LVR-RömerMuseum
Siegfriedstraße 39
46509 Xanten

Phone:+49 (0) 2801 988 9213
Email: xanten(at)kulturinfo-rheinland.de
Web: www.apx.de

Öffnungszeiten Römermuseum und Archäologischer Park Xanten

März bis Oktober: täglich 9 bis 18 Uhr
November: täglich 9 bis 17 Uhr
Dezember bis Februar: täglich 10 bis 16 Uhr