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Editorial

31.7.2009

"2000 Jahre Varusschlacht": Was macht die Popularität dieses Ereignisses aus, das nicht nur den Geschichtsinteressierten in Deutschland geläufig ist? Wieso ergibt dieses Ereignis, über das wir eigentlich nicht sonderlich detailreich informiert sind, genügend Material für gleich drei Ausstellungen und zahlreiche Nebenausstellungen rund um dieses Jubiläum in diesem Jahr? Und wo hat diese Schlacht eigentlich stattgefunden?

Diese Fragen führen uns in diesem Schwerpunktthema zunächst zu den Wurzeln des öffentlichen Interesses an "den Germanen", das mit der Wiederentdeckung der Germania des Tacitus in der Mitte des 15. Jh. einsetzt. Klaus Kösters geht in seinem Artikel über die "Wirkungsgeschichte der Varusschlacht im deutschsprachigen Raum seit dem 15. Jh." auf diesen zentralen Punkt zum Verständnis der oben genannten Fragen ein. Ingo Wiwjorra ergänzt diesen Artikel durch seinen Blick auf den völkischen Germanenmythos und die Vereinnahmung des Themas für nationalistische und und später auch völkische Ziele im 19. und 20. Jh.

Neben der Vereinnahmung des Themas für politische Ziele bietet der Mythos Varusschlacht aber auch alles, was eine Geschichte braucht, die Phantasie vieler Menschen anregt: Individuen, die vermeintlich als klare Sieger und Verlierer in Erscheinung treten und einen Ort, der in den schriftlichen Quellen zwar genannt wird, aber nicht genau zu lokalisieren ist. Ähnlich wie auch heute noch Troia durch Homers "Ilias" einen größeren Reiz als andere archäologische Fundstätten ausübt, bezieht auch die Varusschlacht ihre besondere Anziehungskraft aus der schriftlichen Erwähnung in einigen antiken Quellen. Auch wenn es sich bei der gerne wiedergegebenen Zahl von 700 verschiedenen Theorien zum Ort der Varusschlacht nicht gleichzeitig auch um 700 verschiedene Orte handelt, so zeigt die Zahl doch das über die Jahrhunderte große Interesse an dieser Schlacht.

Und so ist die Suche nach dem Ort der Varusschlacht auch weiterhin ein bestimmender Teil des "Phänomens". Als Ende der Achtziger Jahre in Kalkriese nahe Osnabrück die Reste einer Auseinandersetzung mit römischem Militär entdeckt wurden, schien die Suche nach dem Ort der Varusschlacht ein Ende gefunden zu haben. Wie aber sieht eigentlich der archäologische Befund eines Schlachtfeldes aus? Achim Rost beschäftigt sich mit dieser Fragestellung anhand des Kalkrieser Befundes. Die Funde und Befunde der Grabungen von Kalkriese stellt Ihnen Susanne Wilbers-Rost im Detail vor.

Neben Varus und Arminius als Protagonisten der Überlieferung wissen wir nichts über die vielen Beteiligten dieses mit Sicherheit blutigen Ereignisses. Mit dem sog. Caelius-Grabstein, der bereits 1620 in der Nähe von Xanten am Niederrhein gefunden wurde, können wir wohl einen der Centurionen aus dem Heer des Varus fassen. Eine Ausstellung im LVR-RömerMuseum nimmt sich dieses Themas an und versucht das Leben des Marcus Caelius aus Bononia (Bologna) zu rekonstruieren.

Am Ende des Themas bieten wir Ihnen einen Einblick in die drei noch bis zum 16.10.2009 laufenden Ausstellungen "IMPERIUM KONFLIKT MYTHOS. 2000 Jahre Varusschlacht" in Haltern (IMPERIUM), Kalkriese (KONFLIKT) und Detmold (MYTHOS).